Aufsatz 
Die Ortsnamen auf -seifen, -siefen, -siepen, -siek, -seih
Entstehung
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11 Germanisch musste die Wurzel*sikw lauten. Sie erscheint gespalten in*sik und *Sip. Labialismus ist im Germanischen zwar nicht häufig, aber doch durch mehrere Beispiele gesichert. Ich entnehme aus Kluges etym. Lexikon folgende: 1. Kriechen, ahd. kriochan, as. kriupan, engl. to creep, mhd. krüfen, nhd. dial. krauchen und kraufen.

2. Kufe= Schnabel des Schlittens; schweiz. bayer. Kuechen, ahd. chuohha. 3. Werfen, got. wairpan, germ.*werp= werkw., idg. wergw, sk. vrj, aslw. vruga= werfen.

4. Strunke, germ. éstrunkwa, daneben strumpa, Strumpf.

Zu*sik gehören seihen, seichen, sickern, sinken, seicht, versiegen.

Zu*sip gehören ndl. zypelen, nd. sippen, mhd. sife, seif, siffen, alle= tröpfeln. Ferner ahd. seiwar= Geifer, Schaum; nhd. dial. seibern, siefern von Kindern, und ahd. saipo, ins lat. übergegangen als säpo; mhd. Seife. Plinius sagt: Gallorum hoc inventum rutilandis capillis; fit ex sebo et cinere...; apud Germanos maiore in usu viris quam feminis. Es war also eine Pomade, um das Haar rötlich zu färben., die bei den Germanen die Männer mehr gebrauchten, als die Weiber; als es in Rom Mode wurde, rotblondes Haar zu tragen, übernahm man mit dem Färbemittel auch den Namen:*saipo mit langem à als säâpo; germ.*saipo ist ahd. seifa, mhd. und nhd. Seife.

Das Verbum siten, sipen= tropfen ist in rheinischen Mundarten noch lebendig. Simrock schreibt Mythologie S. 378: Marien Heimsuchung(2. Juli) unserer lieben Frauen Tag,da sie über das Gebirge ging, heißt hier zu Lande(Bonn) Maria Sif. Nach dem Sprichwort:Marien Sif Regiert dat Wif regnet es vierzig Tage lang, wenn es am Tage Mariä Heimsuchung sieft oder regnet. Sollte es eine Göttin des Regens und der Fruchtbarkeit gegeben haben(Sifa?), an deren Stelle Maria getreten wäre?

Das mhd. sife, swm.= Bergschlucht, aus Schluchten hervorrinnendes Bächlein, hat aber noch eine eingeschränktere Bedeutung im Bergbau bekommen. Es bedeutet zunächst erz-, besonders goldführendes Wasser; dann Goldwäsche und endlich Lager- stätten, die durch Zerstörung fester Gesteine entstanden sind(sie enthalten Edelsteine, Zinnstein, Titan, Magneteisenstein, Gold). Schon im jüngeren Titurel 36, 11, 5187, 3. H. heißt es: waeren alle berge niht wan golt der siten.*) In der späteren Bergmanns- sprache bedeutet eine Seife einen Ort oder eine Anstalt, wo die mit fremden Teilen gemengten Metallkörner gewaschen oder geseift, d. i. vermittelst des Wassers geschieden werden. Es ist also möglich, dass nicht alle Namen auf seifen nur eine feuchte Stelle bezeichnen, sondern einige mögen auch eine Erzwäsche, besonders Goldwäsche, meinen.

In den Ortsnamen erscheint 1. ein Masculinum oder Neutrum siep, sief, seif; Beispiele: Finkensiep, Hagelsiep, Ostensiep, Persiep: Geisief, Lotsief, Sief: Friedrichs- seif, Rockerseif, Terresseif. Diese Form ist selten.

Von den entsprechenden Formen siek, siech, seich oder seih findet siek sich zahlreich in Westfalen, z. B. Eralsielc, Hoppensiele, Langesielc, Rotensiele u. s. w.; siech kommt in Hessen vor, z. B. Sichgrund, seih, seltener seich, ist die Regel in Nassau, z. B. Eierseih, Hermannseih, Kuneeseih, Finsterseih u. s. w.

*) Wären alle Berge lauter Seifengold.