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Aber auch in Hannover finden sich Ortsnamen auf siek, z. B. Sieblen im Amte Fallingbostel, und eine Ziegelei im Amte Medingen; Siel im Amte Zeven; Braksieke, Amt Melle; Bannensiehr, Amt Hameln; ferner in Holstein: Sieõ, Pfarrdorf im Amte Reinbeck, und 2 Meyerhötfe bei Preetz.
In Hessen ist—seifen als Ortsname nicht vorhanden; als Flurname kommt es einigemal vor; Arnold verzeichnet: Die Seifen, Name von Wiesen; Seifenociesen;, in Seifen, Seifengrund und Seifenköpfchen: die Kirchenseif; Schlossseif: Bärenseife: Hegseife, die Seift(Seifede); das Grobseifig, das Hollerseifiq. Noch andere hat Vilmar im Idiotikon gesammelt.
Aber der eigentliche Ausdruck ist in Hessen 1sik, das als siek, siech, 1sich,’sic, sichen, Siechen,’siegen erscheint.
Das Wort. sagt Arnold, ist durch ganz Hessen bis in die Gegend von Marburg und Fulda ungemein häufig; immer in der Bedeutung kleiner Rinnsale, zusammen- fließender Quellen, daher überhaupt zur Bezeichnung quellenreicher sumpfiger Niederungen, sei es Wald, Wiese oder Feld; so Feihlensieff, Gehrensielf, Langensielc, Bärensiegen, Herrensichen, Heckensiechen. Zu Anfang: Sichenberg, Siechengraben, Siegenfeld, Siegengraben, Sichgrund, Siecksgrunud u. s. f. Von Ortsnamen gehören hierher: Sichel- bach, Hof auf dem Habichtswald und vielleicht die ausgegangenen Dörfer Siegenthal und Siegelbach.(Vielleicht aber zum Personennamen Sigo?)
Merkwürdigerweise zeigt sich-seih in Flurnamen auch in Nassau, und zwar in einer isolierten Gruppe am Rhein, nämlich im Amte St. Goarshausen 22 mal, im Amte Nastätten 14 mal, Langenschwalbach 10 mal, Usingen 7 mal; andererseits an der Lahn im Amte Nassau 9 mal, Diez 2 mal und Runkel 3 mal, während es im Westerwald durch seifen ersetzt ist und im Rheingau der Ausdruck überhaupt fehlt.
Es ergiebt sich demnach, dass im sächsichen Stammesgebiet in Niederdeutschland eine Ortsbezeichnung: sik weithin durch Westfalen, Hannover und Holstein verbreitet ist, der sich in Niederhessen siech anschließt. Im südlichen Westfalen(im Sauerland) und im ripuarischen Franken erscheint dafür siepen, siefen, seifen; in Nassau treten beide gemischt auf.—
Vereinzelte Gruppen von Namen auf sseifen giebt es sodann am Erzgebirge, im Riesengebirge, in Osterreichisch-Schlesien, in Mähren und das Appellativum kennen auch die Deutschen in Siebenbürgen.
UÜUber die Anordnung der Formen: ssiepen, ssiefen, seifen bemerke ich noch Folgendes: Die Grenze der esiepen und ssiefen bezeichnet eine Linie, die bei Schloss Benrath den Rhein kreuzt. Ihr linksrheinischer Verlauf lässt sich durch die wenigen Siepen auf der linken Seite nicht feststellen. Rechtsrheinisch läuft sie von Benrath zur Wupper bei Leichlingen, die bis Burg die Grenze bildet: nördlich von ihr liegt bei Gräf- rath: Steinsiepen, bei Wald: Siepen, bei Dorp: Dornsiepen, Steinsiepen, Halsiepen, bei Höhscheid: Siepen, südlich von ihr bei Witzhelden: Steferhof, bei Leichlingen: Leistefen, Feldsiefen, Siefen. Dann läuft die Grenzlinie nach der Quelle der Dhün(Siefen), dann südlich von Wipperführt vorbei. Hier ist das nördlichste 1siefen: Ballsiefen bei Thier, das südlichste—siepen: Langensiepen. Von hier geht die Grenze über Hachsiefen bei


