8
Für das westfälische Sauerland bestätigt es Jellinghaus, westfälische Ortsnamen, mit den Worten: Siepen, zahlreiche Orter in den Kreisen Bochum, Hattingen, Schwelm, Hagen, Altena, Iserlohn, Meschede, Brilon, Olpe; in Nordwestfalen ist es selten; dafür dort das ziemlich gleichbedeutende siex= sumpfige Niederung. Es wird noch jetzt auf jedes schmale Thal angewendet. Das Es geht auf siek, gilt aber auch von dem ziemlich gleichbedeutenden siepen.
Ebenso wimmelt es im Bergischen Lande von Flurnamen auf»siepen, und der Bergische Landmann nennt jeden Bach mit schluchtartigem Bette ein Siepen. An der Sieg heißen derartige Bäche Siefen, im Westerwald Seifen.
Auch auf der linken Rheinseite sind Flurnamen auf Sseifen nicht unbekannt wenn auch nicht so häufig wie am rechten Rheinufer.
In Nassau lassen sich die Flurnamen an der Hand von Kehreins Namenbuch genauer kontrolieren. Es finden sich auf-seif und-seifen 408, und zwar ist der Rheingau fast ganz frei davon; in den Amtern Rüdesheim, Hochheim, Eltville, Höchst und Reichel- stein findet sich-seifen gar nicht, in Wiesbaden 1 mal; aber auch weiter nördlich ist es in den Rheinämtern selten: in St. Goarshausen 1 mal, in Braubach fehlt es, in Nastätten findet es sich 2 mal, auch südlich der Lahn nicht oft, in Diez 4 mal, in Runkel 4 mal in Limburg 4 mal, in Nassau 6 mal; häufiger findet es sich im Taunus, in Königstein 11 mal, in Idstein 22 mal, in Usingen 24 mal, in Langenschwalbach 31 mal; am aller- häufigsten freilich auf dem hohen Westerwald und seinen Abhängen: in Herborn 47 mal, in Hachenburg 48 mal, in Dillenburg und Wallmerod je 35 mal, in Weilburg 33 mal, in Selters 32 mal, in Montabaur 28 mal.
Auch im Riesengebirge scheint Seifen so viel zu bedeuten wie Bach, wie schon aus der Stelle bei Prätorius hervorgeht, der„Seiffen oder Flüsslein“ gleichsetzt.
Ob es in Osterreichisch-Schlesien und Mähren auch so ist, habe ich nicht in Erfahrung gebracht. Dagegen hat mir Herr Professor Schullerus aus Hermannstadt in Siebenbürgen gütigst mitgeteilt, dass dort das Wort Seifen als Appellativum ganz bekann, ist; es bedeutet einen Wassergraben; z. B. rirseifen= Rohrseifen, schwartzseifen=t schwarzer Graben, sichseifen= Pissgraben, u. s. w.
Soweit über das Vorkommen von Seifen, Siefen, Siepen.
Nun sind wir bereits auf einen merkwürdigen Doppelgänger dieses Namens gestoßen, nämlich auf siefr. Dies tritt im nördlichen Westfalen an Stelle des im südlichen Westfalen verbreiteten siepen. An Ortsnamen vermag ich folgende anzuführen: Im Kreise Ahaus: Almsielc, im Kreise Herford: Brämerstel., Brackensiele, Brocksielc, Brömmerstel, Galgensielr, Hoppensielr, Oberstensielf, Steinsielr, im Fürstentum Lippe: Brakelsielr, Brunsielc, Erdsielr, Faulensielr, Fellensiel, Hemmensiel, Ouentsiek, Ratsielc, Rolensiel,, Ruenstelc, Sielchof 2 mal, Stelhole, Wiebesieff, im Kreise Bielefeld: Brakensiele, Brak- sielc, Erdsiel, Heidsielrersiel, Immensiek, Kantensiele, Langesiell, Sielermann 2 mal, im Kreise Paderborn: Düsternsiehhf, im Kreise Minden: Flachsielc, Hacksiell. Harksieb, Hecksielr, Kerksielc, Liliensielr, Starksieh, im Kreise Warburg: Lebersiek, im Kreise Halle: Möthsielc, Ossiele, im Kreise Melle: im Sieke, im Kreise Rinteln: Strabenstelr.


