Aufsatz 
Quellen- und Hilfsschriften zur Geschichte des Didaktikers Wolfgang Ratichius
Entstehung
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S. 270 A.) und Schulze(Literaturgeſchichte der Schulen im deutſchen Reiche. Weißenfels u. Leipzig 1804. Il. S. 234) angeführt wird. Rhenius kannte die Methode des R. noch am 1. Jan. 1614 nicht genau(vgl. Rhenii Paeda- gogia. 1614 S. 5).

F. Ratichianorum quorundam praxis ac methodi delineatio.

Die unter Nr. 22 und 23 aufgeſührten Bücher enthalten einen lateiniſch geſchriebenen Traktat und deutſche Aphorismen über die Lehrkunſt des R., beides Arbeiten der beiden Augsburger Mitarbeiter Chr. Helvicus und Joach. Jungius. Rhenius erhielt dieſelbenex ipsius Ratichii manibus. Vgl. über dieſen Entwurf der allgemeinen didaktiſchen Methode des R. das Leben ꝛc. des R. I, 1876. S. 37 f. und Müller, a. a. O. VII, S. 589 f.

24) 1617. S. Nr. 22. 25) 1626. S. Nr. 23.

G. Cöthener Drucke zur Didaktik des Ratichius.

Schon während ſeiner Anweſenheit in Augsburg(20. Mai 1614 bis Ende Juli 1615) hatte Ratichius Formulas declinandi et conjugandi drucken laſſen. Am 10. März 1615 ſchickte er 25 Exemplare derſelben an die Herzogin Dorothea Marie von Weimar, obgleich dieſelbengahr vunfleißig gedruckt ſeien, und 28. April 1615 läßt er eine zweite Sendung von 25 Exemplaren folgen. Zu dieſer zweiten Sendung bemerkt R., die neuen Exemplare müßtennach den erſten gecorrigirt werden, dieweil dieſelbigen gahr vunfleißig gedruckt.

Auch in Baſel(1617) ſcheint R. das hebräiſche Alphabet mit der tabula conjugationum drucken gelaſſen zu haben.(Vgl. R. an Stubenrauch d. d. 29. Juni 1620.)

Alsbald nach ſeiner Ankunft in Cöthen(am 10. April 1618) war R. darauf bedacht, daß an dieſem Orte eine beſondere Buchdruckerei für die zum Zwecke ſeiner Lehrart zu veröffentlichenden Bücher errichtet würde. Des Fürſten Johann Ernſt d. j. von Weimar Anerbieten, jene Bücher in Weimar drucken zu laſſen, lehnte R. ab, teils weil ihn die dort ſchon gedruckten Bücher, welche ſeiner Lehrart nahe ſtanden(insbeſondere eine von Kromayer beſorgte deutſche Grammatik, ein Terenz und vier für die Weimarer Schule gedruckte Büchlein), auch äußerlich nicht befriedigten, teils aber und hauptſächlich, weil er wollte, daß alles auf die neue Lehrart Bezügliche nur in Cöthen vorgenommen würde. Und in dieſem Punkte hatte er den Fürſten Ludwig zu Anhalt ganz auf ſeiner Seite. Es wurde ein Schriftſchneider aus Roſtock beſtellt, und bis zu deſſen Ankunft(Auguſt 1618) ein Vorrath Schriften bei Chriſtoph Mebaßen und Hartmann Lieben in Wittenberg für die neue Druckerei gegoſſen. Am 18. Juli 1618 wurde der Schriftſchneider Martin Großmann aus Wittenberg engagiert, welcher bis Michaelis 1618 achterlei(lat. und deutſche?) Schriften zu liefern hatte, während die orientaliſchen in Cöthen geſchnitten wurden. Daneben kaufte man noch Schriften beim Buchdrucker Lorenz Kabern in Leipzig und ließ ſich mit vielen Unkoſten hebräiſche Schriften aus dem Haag durch Simon Friſius beſorgen(bis Febr. 1622). Die Preſſe nebſt Zu⸗ behör kam von Leipzig, das Papier von Quedlinburg. Ende Oktober war die Druckerei fertig; die von Jena und Witten⸗ berg geholten 2 Setzer(Chriſtoph Zwinger und Peter Weltzin) waren mit dem Drucker Wolfgang Apffelbach ſeit dem 5. Oktober im Dienſt. Als erſter Druck der neuen Officin ſcheinen um die Mitte des Decembers 1618 Regulae vitae fertig geworden zu ſein. Vgl. Leben ꝛc. des R. II. S. 24. Am 15. April 1619 wandten ſich Herzog Johann Ernſt zu Sachſen und Fürſt Ludwig zu Anhalt an den Rat zu Frankfurt a. M. mit der Bitte um Sicherung vor Nachdruck von Cöthener Büchern. Im Juni 1619 waren ſo viele von den neuen Lehrbüchern fertig, daß man mit der Eröffnung des Schulunterrichts nach der neuen Lehrart beginnen konnte. Zu jener Zeit beſtand das Perſonal der Buchdruckerei unter der Aufſicht der Profeſſoren Gualther und Wolf und des Ratichius aus einem Corrector(M. Joh. Henſelmann), vier Setzern, zwei Druckern, einem Schriftgießer und einem Rechnungsſührer(J. Clericus). Man druckte mit zwei Preſſen, zu denen ſpäter noch eine Kupferpreſſe kam.

Nachdem im Herbſt 1619 Mißhelligkeiten zwiſchen Ratichius und ſeinen fürſtlichen Herren des Didaktikers Ge⸗ fangenſetzung und Entſernung von Cöthen zur Folge hatten, blieb die Druckerei gleichwohl nicht völlig unbeſchäftigt; nur druckte man(mit einem Setzer) bloßpolitiſche vndt moraliſche Tractetlein.

Am 23. November 1619 wurde J. Clericus mit der Aufſicht über die Druckerei betraut.

Im Jahr 1620 begann man wieder größere Arbeiten zu unternehmen; man druckte das ſyriſche Teſtament und das ſyriſche Lexikon.

Im November 1621 beſchloſſen die beiden Gründer und Beſitzer der Druckerei, Fürſt Ludwig und Herzog Johann Georg, den Betrieb derſelben einzuſtellen und das Inventar zu teilen. Im Juni 1622 wurde die Teilung in der Weiſe vorgenommen, daß die Matrizen als gemeinſchaftliches Eigentum in Cöthen blieben, von den Schriften aber(zuſammen