Aufsatz 
Das Leben und die pädagogischen Bestrebungen des Wolfgang Ratichius : 4. Abteilung
Entstehung
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5. daß ſie alle untereinander in Abtheilungen ꝛc. harmonieren, 6. daß die Schüler mit Luſt lernen. Auch von dieſen Lehren hat R. einzelne bereits fertig vorgelegt; dieſelben ſind mit beſonderem Fleiße verfaßt und ſehr brauchbar. Bezüglich der Sprachlehrartlehre(Glossodidactica) erinnert R. daran, daß ein jeder nur die für ſeinen künftigen Beruf nöthige Sprache lernen ſolle, aber mit geringerer Mühe und in kürzerer Zeit als bei der bisherigen verkehrten Methode, und daß ein jeder zuerſt ſeine Mutterſprache lernen müſſe. Die Sprachen ſeien nicht aus den libellis grammaticis, ſondern aus denlibris ipsarum rerum in scholis docendarum oder aus einemprobato autore zu erlernen. Die Grammatica nach ſeiner Lehrart ſei ſo beſchaffen, daß, abgeſehen von einzelnen Idiotismen, eine und dieſelbe Grammatik für alle Sprachen gelte. Des R. Fleiß in denlinguis cardinalibus ac praesertim orientalibus hatviel herrliche vndt nutzliche ſachen zuerlernung derſelben ſprachen aufgeſetzt vndt zuſammengebracht, und wäre einefernere fleißige Durch⸗ ſehung und eine Veröffentlichung dieſer Sachen durch den Druck höchſt wünſchenswerth. III.Wohin gegen J. Excellentz ſein erbieten ſei?

Zur Fortführung ſeiner Lehrkunſt und zu ihrer Einführung in die Schulen will R. gern ſo weit mit behülflich ſein, als es ihmbey ſeinem hohen alter, vndt dem von Göttlicher Almacht nach dero gnedigen willen ihm zu geſchickten zuſtandt in ſeinen kräften vndt vermögen were. Dafür beanſprucht er 1. eine recht⸗ mäßige vocation, 2. für ſich das directorium bei dem Werke für die Da uer ſeines Lebens, 3. Unterſtützung zum Gewinnen und Halten von Collaboranten, 4. zur freien Benutzung verſchiedener Bibliotheken und 5. zur Drucklegung ꝛc. der Bücher ſowie zu ſonſt nöthigenSpeſen.

Dieſer Relation fügte Meyfart noch ein beſonderes Gutachten hinzu über die von R. verfaßten und ihm vorgelegten theologiſchen Arbeiten zu der Lehrkunſt*). Dasſelbe lautet außerordentlich günſtig: Mit chriſtlicher Beſcheidenheit und in ſtrenger Uebereinſtimmung mit Gottes Wort und den ſymboliſchen Büchern der Anhänger der Augsburgiſchen Confeſſion, mit beſonnener Auswahl der nothwendigſten, würdigſten und zum wahren Chriſtenthume dienlichſten Stücke und unter Fernhaltung aller Zänkereien habe R. aus den Schriften faſt allerbelobten Theologen das Beſte über alle Artikel des chriſtlichen Glaubens herausgezogen und geordnet nach derſelben Methode, welche er auch in anderen Lehren beobachtet, ſodaßein ieder, was zu ſeinen ſachen dienlich, deutlich ſehen vndt lernen kan. Seine Arbeit in theologicis, welche ihn noch täglich beſchäftige, ſei beinahe vollendet und bedürfe nur geringer Verbeſſerung. Hierauf bezeichnet Meyfart folgende Stücke als denprincipalem scopum des R.: 1. Es gab bisher keine vollkommenen und in allen Stücken ganz chriſtlichen Schulen; die Akademien, Gymnaſien und Klaſſen werden darum noch nicht verworfen. 2. Es gab bisherin vnſerer teutſchen Sprach keine in Künſten, Disciplinen vndt Facultaten angeſtellte Schulen. 3. R. willan den tag geben, wie eine gantze Chriſtliche ſchul im wahren Glauben, Natur vndt Sprachen Harmony anzurichten were. 4. In Glaubensſachen wird Alles aus der H. Schrift geſchöpft, in allen anderen Sachen vornehmlich ebenfalls aus derſelben. 5. Zur Ergänzung dient in dieſen letzteren das Licht der Natur. 6. Verſchiedene Systemata hat er zum größten Theil bereits ausgearbeitet, zum Theil im Entwurfe vorgezeigt. Er will ferner zeigen, wie man jede Sprache, ſobald nur die Mutterſprache recht begriffen ſei, in einem halben Jahre ohne verdrießliches Auswendiglernen vollſtändig erlernen könne. 7. Zum Studium der Theologie müſſe zuvor nach einander die Mutterſprache, dann die hebräiſche, dann die griechiſche und endlich die lateiniſche Sprache gelernet werden. 8. Wer die Rechte ſtudieren wolle, erhalte zuerſt ein in ſeiner Mutterſprache geſchriebenes Compendium juris vorgelegt. 9. R. beklagt,daß weil in die vollkommene Lehrkunſt gehöre, was ad orationem gehört vndt Rationem, alß Dirigentia, deß wegen derer Subjec- torum, die zu der Didactica gebraucht werden ſollen, ein großer Mangel ſey. 10. Die drei Haupttabellen

*) Abgedruckt bei Niemeyer a. a. O. S. 27 ff.