Aufsatz 
Das Leben und die pädagogischen Bestrebungen des Wolfgang Ratichius : 4. Abteilung
Entstehung
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5⁵ Werke(GottesLehre); 2. Gotteswort(GotteswortLehre); 3. Die Werke der Liebe gegen Gott und den Nächſten(LiebeLehre); 4. Chriſtus und die Erlöſung(ChriſtLehre); 5. Wie wir Chriſtum ſollen ergreifen (GlaubensLehre*). Dieſe Lehren ſeien eine jede für ſich in verſchiedenen Sprachen gleichförmig zu verfaſſen und zu drucken, damit die Jugend dieſelben(in ihrer Mutterſprache) erlerne*). Dieſelben richten ſich einfältig und ohne daß er ſeinen(R.i) eigenen Sinn hineinzubringen ſuche, nach dem lauteren Worte Gottes und dem

Lutheriſchen Glaubensbekenntniſſe.

Zur Erleichterung der theologiſchen Studien hält er es für nothwendig, daß der Text der Hebräiſchen Bibel durch Gelehrte neu revidiert, feſtgeſtellt und als ein Original publica auctoritate gedruckt werde. Obwohl R. ſich keineswegs einbildet, daß er durch die Einführung ſolcher richtig verfaßten theologiſchen Bücher in die Schulen die Leute zum Lutheriſchen Glauben nöthigen, und daß es ſo zu einer Einigkeit der Religion aller Menſchen kommen werde, ſo hofft er doch, daß durch ſolche Einführung manchem die Augen aufgehen und die Erkenntniß deſſen kommen werde, was zu ſeiner Seligkeit nöthig ſei. Auch ſei es ſehr wünſchenswerth, daß die Studenten der Theologie und die Kirchendiener fleißiger Luthers Schriften läſen. Zu dem Zwecke habe er aus den vier vorhandenen Ausgaben von Luthers Werken alle jene Schriften neu geordnet.

b) In dem Lichte der Natur geoffenbarte Sachen ſeien alle ſolche, welche wir nach unſerer Natur begreifen können, und die zu wiſſen, zu unſerer zeitlichen Wohlfahrt nöthig iſt. Die dieſe Sachen um⸗ faſſenden Lehren ſeien theils disciplinae theoreticae(wie Methaphysica, Archelogica etc.), theils disci- plinae practicae(wie Ethica, Politica, Oeconomica etc.) und ſeien neu zu revidieren und von Fremd⸗ artigem und wider Gottes Wort Laufendem zu ſäubern. Ueber dieſe Disciplinen hat R. deutſche und latei⸗ niſche Tabellen verfaßt, in welchen allein ſchon einefeine anmutige uniformitas in methodo befunden worden.

Auf die Lehren von dieſen in lumine tam gratiae quam naturae geoffenbarten Sachen folgen nun naturgemäß(modus rei post rem) die disciplinae instrumentales oder Inſtrumentenlehren. Die in⸗ strumenta ſind nach R.:

1. Instrumenta inservientia, d. h.alles das, wardurch man ſowohl zum erkandtnuß der ſachen vndt ſprachen, alß auch zum grundtlichen wircken gelangen kan, ſo theils in cognoscendo, theilß in operando beſtünde. Hierher gehört obenan dieErkentnißLehr(sive noëmatica), dann folgen neun weitere ihr untergeordnete Lehren**); faſt alle dieſe ſind bereits beinahe fertig und ſind von R. den Berichterſtattern vorgezeigt vndt communicirt worden. Dieſelben haben dieſe Bücher durchaus nützlich befunden, um die Jugend in kurzer Zeit leſen und orthographiſch ſchreiben, in ihrer Mutterſprache zierlich reden und einen Brief ſchreiben, auch die praecepta leicht faſſen und behalten zu lehren.

2. Instrumentia dirigentia, d. h.das, wordurch alle Lehren vndt ſprachen recht dirigirt oder gerichtet werden. Obenan ſteht hier die Didactica; es folgen, ihr untergeordnet, Eutactica(die Lehre davon,wie alle Lehren fein ordentlich geſtellet, verfaßet, vndt gehandelt werden ſollen), Epistemonica, Mnemonica, Glossodidactica, Praxeodidactica, Noematicodidactica, Organicodidactica***). Mit dieſen Lehren wird bezweckt, 1. daß Alles ganz und jedes gründlich vorgetragen, 2. daß Nöthiges nicht ausgelaſſen, Unnöthiges aber vermieden, 3. daßin der Lehre gantz gewiße warhaftige vndt vnwiderſprechliche gründte vndt principia gelegt vndt gegeben werden, 4. daß alle Lehren begrenzt, faßlich und leicht zu behalten ſeien,

*) Die 1. und 3. habe R. bereits in zwei verſchiedenen Tractaten fertig, die 4. bereits über die Hälfte, ſodaß ſie mit der 5. bis Pfingſten vollendet ſein könne. Für durchaus vollkommen halte er ſeine Arbeiten nicht und nehme Belehrung an. **) Vgl. Müller a. a. O. S. 271. Jene neuen Lehren ſind:Vernunfftlehr, Brieffzierungslehr(Epistolica). Redezierungslehr, Redemeßungslehr, Sprachlehr, Wortſchickungslehr(Rhematica), Wortbedeütungslehr(Lexica). Schrei⸗ bungslehr(Orthographia) und Leſungslehr(Angnostica). ***)Ordnungs⸗, Verſtehungs⸗, Behaltungs⸗, Sprach⸗, Lehr⸗, Erkentnuß⸗ und WerckZeugs⸗LehrArtlehr. Ueber die zwei erſten vgl. Müller a. a. O. S. 273.