Aufsatz 
Das Leben und die pädagogischen Bestrebungen des Wolfgang Ratichius : 4. Abteilung
Entstehung
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Sophia, das Intereſſe für das Werk des Didaktikers zurück*). Gleichwohl bewahrte dieſer die feſte Hoffnung auf den König und ließ ſich durch dieſelbe zu eifrigſter Arbeit an der Abfaſſung einzelner Werke zu ſeiner Didaktik anſpornen. So vollendete er im Jahre 1632 in Kranichfeld dieAllgemeine Verfaſſung der Chriſt⸗ lichen Schule,Die Erkenntnislehr der Chriſtlichen Schule undDie LehrArtLehr, bei dieſen Arbeiten unterſtützt von dem oben(S. 42. 45) erwähnten Briccius**). Dieſe und andere Arbeiten füllten auch das folgende Jahr 1633 aus***). Mitten in der Arbeit traf ihn am 12. März 1633 ein erſter Schlaganfall und lähmte ihm Zunge und den rechten Arm, ſodaß er längere Zeit am Sprechen und Schreiben gehindert war). In dieſer Zeit war er, wie es ſcheint, nach kaum einjährigem Aufenthalte in Kranichfeld mit ſeinem Collaboranten Briccius nach Erfurt übergeſiedelt und verkehrte in dieſer letzteren Stadt wahrſcheinlich vorzugsweiſe mit dem Profeſſor der Theologie M. Johann Matthäus Meyfart).

Im Frühjahre 1634 erreichte es endlich Anna Sophia durch ihre fortgeſetzte Fürſprache, daß Oxen- stierna dem Werke des R. noch einmal näher trat und die beiden Erfurter Rathsherren Dr. Hieronymus Brückner ††) und Stephan Ziegler, ſowie den Profeſſor Meyfart beauftragte, über die pädagogiſchen Beſtrebungen des R. eine ſorgfältige Unterſuchung anzuſtellen und ein gründliches Gutachten zu erſtatten.

*) Nach einem Schreiben von Sabina geb. Pfaltzgr. Fr. zu Wartenbergk an Anna Sophia d. d. 25. Juli 1632 beabſichtigte man im Juli 1632, R.(im Gefolge der Gräfin Anna Sophia) an das Hoflager der Königin von Schweden kommen zu laſſen, weil man ihn als Lehrer für Gustav Adolfs einzige Tochter Christine(geb. 1626) in Ausſicht genommen hatte, und die Königin ſelbſt durch ihndie Bibel hebräiſch Lernen verſtehen wollte. Auf dieſe ſchwediſchen Ausſichten bezieht Müller a. a. O. S. 612 auch noch den Brief, durch welchen Anna Sophia am 31. März 1633 ihren Bruder Fürſt Ludwig um R.s Legitimationspapiere bittet und dazu bemerktdenn wir ſein werck alſo befinden, daß wir ihn ander örther zu befördern gedencken. S. auch u.***)

**) Vgl. Müller a. a. O. S. 270 ff. Meyfart Programma. p. 8. Ueber das Leben des Matthias Brieccius ſehlt es an Nachricht, ebenſo über den Umfang ſeiner Thätigkeit in Kranichfeld. 1636 war er in Dienſten des Herzogs Ernst zu Gotha.(mit 57 fl. 3 Gr. jährl. Beſoldung). S. Beck, Ernſt der Fromme. II. S. 118. Uebrigens ſtarb am 9. Juni 1632 des R. treuer Gönner Kospot in Jena.

***) Herzog Ernst zu Weimar bittet am 10. April 1633 zugleich im Namen ſeines Bruders Wilhelm und der Gräfin Anna Sophia(vgl. o.*) den Fürſt Ludwig zu Anhalt um die noch in Cöthen befindlichenetzliche Acta. Schriften und Revers des R.Zumahl weil mehrgenannter R. mit Hülf vnd Zuthun dero ihme Zugeordneten Perſonen in dem bewußten Werck ein mercklich aufgeſetzt, vnd bis vf die Didactica faſt zum guten theil ausgearbeitet vnd berürte Außantwortung zu keinem andern Ende angeſehen, dann damit R. zu volliger Verrichtung des Wercks deſto ehe gebracht vndt angereitzet werde. Wegen der Menge des Umfanges und der zu ihrer Abfaſſung von R. aufgewendeten Arbeit bezeichnet Meyfart in dem Programme zur Beerdigung desſelben die hinterlaſſenen Werke mit dem Beiworte:Schimsonii illi labores.

) Vgl. Meyfart I. I. p. 9.

††) R. wohnte in ErfurtIn der Fraw Hoſſin Loſament. Meyfart, der Dichter des KirchenliedesJeru⸗ ſalem du hochgebaute Stadt, geboren 1590, hatte zu Wittenberg und Jena ſtudiert, war 1616 Profeſſor am Gymnaſium zu Coburg, 1623 Director dieſer Anſtalt geworden. Durch den liebreichen Verkehr mit ſeinen Schülern und durch die väterliche Sorge und die ernſte Strenge, mit welcher er dieſelben vor den von Univerſitäten andringenden Rohheiten zu ſchützen ſuchte, erwarb er ſich große Liebe und Anerkennung. Als er 1633 in einer Schrift De disciplina ecclesiastica böſe Schäden aufdeckte, wurde er verklagt und folgte daher einem Rufe als Profeſſor der Theologie an die Univerſität Erfurt. Er ſtarb daſelbſt 1642. Aus ſeiner Coburger Zeit ſtammt eine von Gruner 1634 herausgegebeneTeutſche Rhetorica. Obgleich er ein großer Verehrer des R. war und mit deſſen theologiſchen und pädagogiſchen Anſichten über⸗ einſtimmte(ſ. auch o. S. 24*), finde ich doch in keiner ſeiner Schriften(abgeſehen von dem Leichen⸗Programm) den Didaktiker erwähnt. Vgl. über ihn Tholucks Lebenszeugen der lutheriſchen Kirche. Berlin 1859. S. 209 216.

†r†) Geboren am 26. Aug. 1614, ſtudierte die Rechte zu Leipzig und zu Leyden, wurde 1645 Gothaiſcher Hof⸗ und Juſtizrath und ſtarb am 6. Auguſt 1656.