Aufsatz 
Das Leben und die pädagogischen Bestrebungen des Wolfgang Ratichius : 4. Abteilung
Entstehung
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nachweiſen. Dagegen ſpotteten ſeine Jenaer Gegner, insbeſondere Himmel, über ihn, als bringe er gar nichts zu Stande*).

Mitten während der Kriegsſtürme des Jahres 1631, welche den ſchwediſchen Heldenkönig Gustav Adolf nach der Schlacht bei Breitenfeld(17. Sept.) nach der von dem Herzoge Wilhelm von Sachſen⸗ Weimar am 21. September beſetzten Stadt Erfurt führten(am 22. Sept.), eröffneten ſich für des R. fried⸗ liches Werk vielverſprechende Ausſichten auf wirkſame Beförderung eben durch jenen kriegeriſchen König. Während der vier Tage, welche Gustav Adolf in Erfurt zubrachte**), gelang es Anna Sophia durch Ver⸗ wendung von zwei dem R. geneigten Perſonen***), des Königs Aufmerkſamkeit auf R. zu lenken. Am 26. September ſchrieb Anna Sophia nach Könitz, daß der König die Didaktikgar in guther obacht hette, wir ſollten vnß nur gedulten, biß ein wenig die hendel vorvber weren, wirde der König gewiß nicht ver⸗ geſſen. An demſelben Tage war Gustav Adolf von Erfurt nach dem Süden aufgebrochen; ſeine Abſicht, mit ſeiner Gemahlin den Winter in Erfurt zuzubringen, wurde durch den Gang der Kriegsereigniſſe vereitelt. Die neue Ausſicht ſpornte des R. literariſche Thätigkeit auf's Neue an). Als nun im Anfange des Januar 1632 der ſchwediſche Reichskanzler Oxenstierna R. zu einer Unterredung zu ſich nach Erfurt entbot, von dieſer Unterredung ſich ſehr befriedigt äußerte und die Hoffnung auf kräftige Unterſtützung von ſchwediſcher Seite beſtärkte ††), ließ Anna Sophia ihren Schützling von Könitz nach Kranichfeld, wo ſie ſelbſt lebte, zu dauerndem Aufenthalte überſiedeln †r†). Als der Kanzler kurz darauf ſich zum Könige nach Mainz begeben hatte, erbot ſich der Graf von Löwenstein, dem Könige die Beförderung von des R. Werke perſönlich zu empfehlen, damitdem ochſenſtirn Anbefohlen würde, R. genugſam zu hören*). Aber die fortdauernden Kriegszüge des Königs, welche demſelben nur einmal noch acht Tage vor der Schlacht bei Lützen einen kurzen Aufenthalt in Erfurt geſtatteten(Ende October), drängten, trotz der wiederholten Anregungen durch Anna

*) Himmel verdrehte den Namen Könitz inKönnen nichteß und kränkte hiermit Anna Sophia bitter. Dazu trieb man mitdemme Jenigen, ſo R. im Hauſe zu Jena verlaſſen böſen Unfug. Anna Sophia an Kospot J. I.

**) Die vier herzoglichen Brüder von Weimar befanden ſich ebenfalls zu der Zeit in Erfurt zum Abſchluſſe ihrer Allianz mit Schweden.

***) Dieſelben hatte des Königs Geheimſekretär Philipp Sattler zu dieſer Verwendung bewogen. Die beiden waren vielleicht Dr. Daniel Burckhard(S. o. S. 2*) und 7*, welcher Kriegsrath beim Herzoge Wilhelm von Weimar war, und der Erfurter Stadtcommandant Graf Georg Ludwig von Löwenstein, der ſich ſelbſt des R.lang bekandten vnd guthen freund nannte, der ihmetlicher örther heimlich gedient. Anna Sophia an R. 16. Apr. 1632.

) Ueber die damalige Hoffnung auf endliche Wiedererlangung ſeiner Bücher ſ. o. S. 50.

†r†) J. A. Comenius berichtet(Didactica Opera omnia. Amsterd. 1657. fol. Pars II. p. IV) aus einer Unter⸗ redung, welche er im Auguſt 1642 zu Stockholm mit Oxenstiern gehabt habe, folgende Aeußerung des Kanzlers über ſein Zuſammentreffen mit R.:Animadverti ego ab ineunte aetate, violentum quiddam esse usitatam studiorum Methodum: sed ubi res haereat, deprehendere non poteram. Missus tandem a Rege meo in Germaniam Legatus, variis cum doctis viris ea de re contuli, Cumque mihi Wolffgangum Ratichium Methodi emendationem moliri esset relatum, non erat animo meo quies, donec viri praesentia potirer: sed qui colloquii loco Volumen mihi grande, in quarto, legendum obtulit. Devoravi ego illam molestiam: pervolutatoque toto libro vidi eum scholarum morbos non male detegere, remedia tamen quae afferebat non sufficere videbantur. R. fand die dem Vortrage bei O. vergönnte Zeit unzureichend.

†ff) Damals ließ ſie auch durch Kospot Alles, was R. in Jena zurückgelaſſen hatte, nach Kranichfeld ſchaffen. Anna Sophia an Kospot in Jena s. d.(praes. 20. Jan. 1632). Kranichfeld liegt nur wenige Stunden von Erfurt entfernt.

*) Anna Sophia(in Erfurt) an R. zu Kranichfeld s. d.(praes. 17. April 1632). Der Graf nahm auch ein Schreiben von Anna Sophia und eins der Werke des R.(die Regentenamtslehre?) zum Könige mit und hatte ſich vor ſeiner Abreiſe noch von R. perſönlich einen Vortrag über die Didaktik halten laſſen. Auch ein Herr von Warttemberg legte empfehlende Worte für R. bei dem Grafen ein.