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Gräfin wieder einen Beſuch in Kranichfeld abzuſtatten. Wegen der unter Tilly immer näher rückenden Kriegsgefahren ließ Anna Sophia ihren Schützling„neben dem wenigen, ſo Er zur notturft bedarff“, unmittelbar nach Pfingſten von Jena nach Könitz in Sicherheit bringen*). Demzufolge wendete R. Jena auf immer den Rücken.
L. 17.
Ratichins in Könitz, Kranichfeld und Erfurt bis zu ſeinem Tode(Aufang Juni 1631 bis 27. Aprik 1635).
Bei ſeinem Abzuge von Jena hatte R. keineswegs die Hoffnung aufgegeben, in beſſeren Tagen dorthin zurückzukehren**); er bewahrte dieſe Hoffnung noch bis zum Januar 1632***). Gleichwohl richtete er ſich in Könitz zu längerem Aufenthalte und zur Fortſetzung ſeiner literariſchen Arbeiten ein. Als eine der Früchte ſeiner Jenaer Studien brachte er„Die Allgemeine Verfaßung Der Chriſtlichen Schule“ mit und ließ dieſelbe durch Anna Sophia dem Reußiſchen Hofprediger M. Johann Wolff zu Gera zur Begutachtung vorlegen †). Als eine weitere Frucht ſeiner Jenaer und Könitzer Studien läßt ſich die„Regenten Ampts⸗Lehre der Chriſtlichen Schule“ ††)
*) Anna Sophia an Kospot in Jena d. d. Chranichfeltt den pfingſtmontag(praes. 30. Maji 1631):„numehr die Zeitt recht wird vorhanden ſein, daß einß deß Andern betürffen, vnd man freinde in der noth wird erkenen lernen... Wir laſſen H. Ratichii deſwegen nach Könitz holen, daß der Herr Reuß innert Trinitateß nach Schleitz kommen, vnd Er ſoll zu ſeinen gelärten nüber komen.“— Könitz liegt nicht weit von Saalfeld.
***) Am 23. Juni 1631 beauftragte Anna Sophia den Kammerrath Kospot in Jena:„Ihr wollet euch zu Zeiten vnbeſchwert nach H. R.i Haußhalttung fragen, daß Er Alles fein richtig wieder findet, wan eß wilß Gott ſicher wirdt.“
n) Anna Sophia an Kospot in Jena d. d. Cranichfelt 14. Jan. 1632:„Eß hat mir Herr K. dieſe ſtunde gezeiget inliegend brieflein, ſo Sein geweſener diner Ihme bey eigner poſt zugeſchicket, daß Ihme vnd vnß ziemlich befremdlich vor⸗ kömmt, Alſo mit Ihme zu procediren, ſintemahl waß Er in dem Iyyentarii entpfangen, ſonderlich die betten vnd bett⸗ gewandt auff Hertzog Ernſten befehl noch biß dato in Seiner gewarſam behaltten, vnd begert auch ſolcheß beneben dem Hauß solleniter zu vbergeben,... bitten demnach Ihr wollet eß inmittelſt in Schutz nehmen, vnd in guther ruhe ver⸗ bleiben laſſen, der diner aber ſo Er noch im Hauſe were, welcheß würde R.i willen geſchehn, nur laſſen nauß heiſſen, die Fraw ſoll aber drin verbleiben mit dem grün ſchranck, wil Er nicht hoffen, daß man Ihn ſoll nehmen, denn Er mehr drauff gewendet, Alß Er an Ihme ſelbſten würdig iſt.“
†) Die nicht ſehr umfangreiche Schrift handelt im I. Buche(6 Capitel) von„Benennung, Büchern vnd Handlung der H. Schrift“, im II. Buche(15 Capitel)„von den Sachen des Geoffenbahrten“, endlich im III. Buche(9 Capitel) „von den Inſtrumenten.“ Vgl. Müller a. a. O. S. 270 f. Einige Stellen aus dem Tractate hat Niemeyer a. a. O. 1840. S. 19—23 mitgetheilt.— Wolffs Gutachten iſt datiert vom 20. Auguſt 1631. Er findet R.s„intention alle Facul- tates, Artes, Linguas in ein harmoniam, oder Wie ichs nennen möchte, in ein richtigk Systema ZuVerfaſſen, Vndt hiemit denen studijs Die eingerißene Weitleuffigkeiten, extravagantzen, superfluiteten koſten etc. ab Zuſchneiden, oder io Zu mildern“ ſehr löblich;„Auch Were eine ſolche narmoniſche Richtſchnur höchſt Zu Wünſchen, Darnach man die herewachßende iugent anführen vndt informiren könte“, da dieſelbe Zeit und Ausgaben für Bücher erſpare. Er beſorgt nur, daß es unmöglich ſein werde, der Didactica allgemeine Anerkennung zu verſchaffen, wenn nicht ein Kaiſer oder hoher Potentat ihre Ein⸗ führung verordnen würde. In dem vorgelegten Büchlein nun findet Wolff„totius didacticae praeliminaria vndt gleichſam einen abriß futuri aedificii“ und empfiehlt, die Kritik von Fachgelehrten der einzelnen Disciplinen einzuholen, und erhebt nur das eine Bedenken, daß R. dem allgemeinen Gebrauche zuwider„ſich Teutſcher Sprache gebrauchet, die Disciplinas darinn Zuverfaßen vndt Zu proponiren“ und Terminos anwende, die zur Zeit Niemand verſtehe.
††) Das Buch gibt eine„Vnterweiſung eines, der da Regieren ſolt, In Allen den Sachen, deren ein Wohl beſtellet Regiement nicht ohne Nachtheil entrathen kan.“ Vgl. Müller a. a. O. S. 599 f. und einzelne Abſchnitte aus derſelben S. 274— 286 ſowie den Brief der Anna Sophia an R. in Könitz d. d. 26. sept. 1631. Vgl. auch Anna Sophia an Kospot in Jena d. d. Kranichfeld; praes. 29. Aug. 1631. 7*


