Aufsatz 
Das Leben und die pädagogischen Bestrebungen des Wolfgang Ratichius : 4. Abteilung
Entstehung
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Stande gekommen zu ſein, daß ſich jener entſchloß, bereits zu Michaelis 1630 Jena wieder zu ver⸗ laſſen*). Sein Abzug von Jena fand aber wahrſcheinlich erſt gegen das Ende des Monates October ſtatt. R. blieb ſomit bei ſeinen Studien auf ſeine eigene Arbeitskraft beſchränkt. Auch die Hülfeleiſtung, die er ſich von außen verſprochen hatte, ſchrumpfte immer mehr zuſammen. So ſchickte Kolbe die ihm übergebenen mediciniſchen Tabellen, ohne die von ihm zugeſagte Reviſion derſelben vorgenommen zu haben, im Juni 1630 wieder zurück, als wenn er mit des R. Werke als einem hoffnungsloſen gar nichts mehr zu ſchaffen haben wollte**). Auch von des Prätorius literariſcher Mitarbeit findet ſich gar keine weitere Spur. Um ſo an⸗ geſtrengter ſcheint des Didaktikers eigener Fleiß in Jena geweſen zu ſein; freilich blieb ihm ſeine Cöthener Bücherſammlung noch immer vorenthalten***). Als er ſeine Patronin Anfangs März 1631 in Kranichfeld beſuchte, wo Anna Sopbhia ſeit dem mittlerweile eingetretenen Tode ihres Gemahls lebte, dachte er noch nicht daran, Jena wieder zu verlaſſen); am 18. März kehrte er dahin zurück, um bald nach Oſtern der

*) Sannemann an Kospot d. d. Jena 28. Aug. 1630. S. gedachte ſich nach Altorf zu begeben,alda ettwas in Mathesi zu ſtudiren. **) Anna Sophia an R. d. d. 12. Juni 1630:Wir ſchicken Euch auch die Mediciniſchen tabellen wieder zu von Doct. Kolben. Der hat Sie vnß vor 2 Tagen zugeſendet vnd vermeldet, daß Ihme leidt were Er nicht daß geringſte daran behülflichen ſein könne. wolt vnß die vrſach mündtlichen wen Er einmahl herkome verſtendigen, Von Eißfeld(2) iſt auch noch nichteß zurück. Kolbe ſelbſt ſchreibt darüber an Anna Sophia d. d. Schleiz 2. Juli 1630:Bitte EFG wolle mir zu keiner vngenade vermercken, das dieſe Tabellen, bloß, wie ich ſie empfangen, Zu rücke kommen. Da ich nichts behülffliches Dem gewiß für ſich recht Chriſtlichen vndt hochloblichen Wercke thuen kan.(Wie den faſt ſcheint, als wen Gott itziger Zeit, die es vielleicht nicht werth, auch alle andere daran vergebens arbeiten ließe) Da will ich ihme im geringſten auch nicht ſchädlichen ſein, vndt alſo mit deme, was Zu ſeinem, bey Vnwißenden, Verdacht oder Abſchew, bey wiederwertigem ſpodte, vndt auch bey nicht übel geneigten Zur VerKleineringe auß Kommen möchte, gar nichtsZu thuen haben. ***) Im Januar 1631 glaubte er am Ziele zu ſein, als Anna Sophia(am 17. Jan.) an Kospot ſchrieb, Fürſt Ludwig ſei zum alsbaldigen Abſchluſſe eines Vergleichs bereit, und ſie ſchicke nun einen Diener zu dem Ende nach Cöthen. Nach der Gräfin Anſicht lag die Schuld der Verzögerung nur an Weimar. Vgl. Anna Sophia an Kospot d. d. 9. Febr. 1631: will vnß gleichſam nicht wenig zu gemüth gehen, daß man nuhr noch zu Weimar die bücher hemmen wollte, da Sie doch in J. LL. lande gebracht werden, in Summa man helt H. Rat: immer vor vbel, wen Er nicht trewet vnd ſich zu Weim: nicht viel guthes verſihet. Am Sonntage Sexagesimae berichtet ſie demſelben, Fürſt Ludwig wolle nun die Bücher nach Leipzig ſchicken, und hier ſolle ſie Kospot in Empfang nehmen gegen eine Obligation der Gräfin, daß ſie das Geld für die Bücher in Leipzig zahlen wolle. Aber Kospot kehrte unverrichteter Sache aus Leipzig zurück(Anna Sophia an Frau von Kospot d. d. Chranichfeltt 2. März 1631). Noch am 3. October 1631, als R. längſt von Jena abgezogen war, weiß Anna Sophia ihm über die Bücherangelegenheit nichts zu ſchreiben alsſo haben wir Ewer bücher halben auch guthe vertröſtung Sie balte habhafftig zu ſein, machet Ihr nur keine difficuldeten drein, vnd laſſet die mutter ſorgen wen Sie Ja ſorgen ſoll. Endlich konnte ſie am 5. Dec. 1631 an den Fürſtlich Anhaltiſchen geheimen Secretär Joh. le Clerq zu Cöthen(es iſt gewiß der o. II. S. 14 erwähnte frühere Sprachmeiſter), auf Grund eines ihm mitgeſandten Handſchreibens des Fürſten Ludwig die Aufforderung ſchicken, daß erdie biecher vnd auch Andere ſachen ſo Er zurückgelaſſen, fein fleiſig in Seine kaſten, waß aber nicht hineinkan in ledige faß durch hülffe eines buchbindeß... nach dem Inventario einbacken, die kaſten verzeichnen vnd verſiegeln, ſollen innerhalb 4 tagen abgeholett vnd durch den Cammerath in beyſein einß notarien zu Jena eröffnet, vnd darüber quittiret werden. Vgl. auch Anna Sophia an Kospot d. d. Chranichfelt 8. Dec. 1631. Die Abholung der Bücher verzögerte ſich aber wohl wegen der Kriegsunruhen noch länger. Am 20. Januar 1632 ſchickte Anna Sophia wiederum zwei Rüſtwagen nach Cöthen; ob die Abholung damals ſtattgefunden hat(Kospot begab ſich zu dem Ende nach Leipzig. Vgl. Anna Sophia an denſelben d. d. 9. Febr. 1632), iſt unbekannt. Dagegen berichtet Fürſt Ludwig ſeiner Schweſter(d. d. Cöthen 29. Juli 1632), daß dieſelben ſeit Mai 1632 verpackt in Halle lägen und nebſt einem Verzeichniſſe daſelbſt zur Verfügung der Gräfin ſtünden. Ob die Bücher nach Jena oder nach Kranichfeld oder nach Erfurt gekommen ſind, oder was ſonſt aus denſelben geworden iſt, läßt ſich nicht angeben. ) Er hoffte vom Herzoge Albrecht die Erlaubnis zu erlangen, an dem alten baufälligen Hauſe, welches er in Jena bewohnte und in beſſere Ordnung gebracht hatte, einen Stall niederzureißen und ſich ein Gärtchen an deſſen Stelle anzulegen. Vgl. Anna Sophia an Kospot in Jena d. d. Chranichfeltt 9. März 1632. R. an Anna Sophia d. d. Jena 14. April 1631.