Aufsatz 
Das Leben und die pädagogischen Bestrebungen des Wolfgang Ratichius : 4. Abteilung
Entstehung
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ERN;

Lechelius erſchien, iſt zweifelhaft; Sannemann dagegen ſtellte ſich ein; er machte aber gleich allerhand Schwierig⸗ keiten*). Dazu kam gerade in denſelben Tagen der Zwieſpalt, in welchem R. auch in Jena ſich bald mit der Geiſtlichkeit befand, zu einem öffentlichen Ausbruche, welcher dem Anſehen des Didaktikers ſchaden mußte, indem ein Profeſſor Himmel**) die Kanzel benutzte, um R. herabzuſetzen***). Dem Sannemann verſprach Kospot im Namen des Herzogs außer Erſatz der Reiſekoſten ein Salair von 150 fl. ſelbſt für den Fall, daßInn dieſenn wergk nichts praestirt wurde). Sannemann ſcheint auf dieſe Bedingungen eingegangen und gleich in Jena geblieben zu ſein. Die Perſönlichkeit desſelben muß aber für R. wenig ſympathiſch geweſen ſein und ſeine Hoffnungen auf eine friedfertige und erfolgreiche gemeinſame Thätigkeit ziemlich niedergedrückt haben. Voll Mißmuth und Verzagtheit ſuchte er um den 1. November herum bei ſeiner fürſtlichen Patronin in Rudolſtadt Troſt. Auch ihr gelang es nicht, ihn wieder ganz aufzurichten; daher ſchickte ſie bei ſeiner Rückreiſe die Bitte an Kospot, ihrenAlten Sohn in ſeinen Widerwärtigkeiten zu ſchützen und ihm mit tröſtlichen Worten beizuſtehen. Am meiſten ſcheint R. durch den Gedanken niedergedrückt worden zu ſein, daß Kromayer durch die Reklame, welche derſelbe mit Erfolg für die neue Weimariſche Lehrart machte, die Herzöge ihm entfremdete, und die Profeſſoren in ihrer hochmuthsvollen Herabſetzung der Beſtrebungen des R. beſtärkte †f). Den Umſtand, daß R. in den Januar⸗Verhandlungen(S. o. S. 26 ff.) zahlreiche Aus⸗ ſtellungen an Kromayers Lehrart und Lehrbüchern in überzeugender Weiſe gemacht hatte, verwerthete dieſer ſehr diplomatiſch dazu, daß er ausbreitete, ſeine(Kr.s) Lehrart ſei nach R.s eigener Erklärung keineswegs eine Ratichiſche, ſondern eine ganz ſelbſtändige und eigenthümliche, zum großen Theile von der Herzogin Dorothea Maria erfundene, darauf von Grawerus, Helvicus, Gualtherus und ihm ſelber fortgebildete, deren gedeihliche Weiterentwickelung von des alten vielgehaßten Didaktikers Einmiſchung nur gehemmt und geſchädigt werden könnte ††). Ja er ſcheute ſich ſogar nicht, wenn auch ganz heimlich, ſeinen Lehrmeiſter R.

*)Es hette dieſes wergk(1) gar einen dubium eventum, welches wohl zu bedencken ſtünde,(2) wehre R.i importunitet, deren er ſich gebrauchte, notori,(3) Es wehre auch dieſes wergk bey Jederman odiôs vnd verheſſigk, und(4) er(S.) habe in Helmſtädtgutte promotion zu erwartten. Sannemann blieb in Jena als Adjunct der philoſophiſchen Facultät.

**) Dr. Johann Himmel, geboren zu Stolpe in Pommern am 27. Dec. 1581, hatte in Wittenberg, Jena und Gießen ſtudiert, war 1608 1612 Rector zu Durlach, dann Rector und Prediger zu Speyer geweſen, 1614 Generalſuperin⸗ tendent daſelbſt, hierauf Rector der Theologie zu Gießen, 1616 Profeſſor der Theologie zu Altorf und bekleidete von 1617 bis zu ſeinem Tode(31. März oder 4. April 1642) eine theologiſche Profeſſur in Jena. Vergl. Jöchers Gel.⸗Lex. II. S. 1611. Günther, Lebensſkizzen, S. 18 f. Dr. K. F. Vierordt, Geſch. der 1586 zu Durlach eröffneten und 1724 nach Karlsruhe verpflanzten Mittelſchule. Karlsruhe 1859. S. 18. Beck, Ernſt der Fromme. II. S. 32. Zu ſeiner Einführung in Durlach hatte er eine Rede veröffentlicht:ldea boni gymnasii. Spirae Nem., 1614. 4. 4 unbez. und 42 bez. Seiten.

***) Nach Rudolſtadt brachte Anfangs October Herzog Erust die Nachricht von dervnbeſcheiden predigt,vnd wie S. L. ſowol Hertzog Wilhelm ſolcheß ſehr müßfiele, gleichwol aber befaret, rührete meiſts von H. Rai ſchellten her. Anna Sophia an Kospot d. d. 12. Oct. 1629.

) Weil von Herzog Ernstnichts deſto weniger die Zahlung zu thun bei der commission gnedig verſprochen worden, denn ſie dieſes gelt vff ſolchen fall für ein verlohren geldt halten wolten. Kospot und Hortleder an Herzog Ernst d. d. 13. Sept. 1630. Zur Feſtſtellung des mit Sannemann zu treffenden Abkommens ſollte auch Mylius von Rudolſtadt nach Jena kommen.

††) Dahin iſt namentlich die wiederholte Ausgabe desNewen Methodus in einzelnen Abtheilungen zu rechnen. (S. o. S. 43). Vielleicht iſt das oben S. 25*) abgedruckte Memorial erſt in dieſe Zeit zu ſetzen.

†rt) Kromayer an M. Gregor Ewald d. d. 2. December 1629(bei M. Joh. Werner Krause I. l.):Neque vero velim Te aut alios absterreri denuo ab hoc laudabili instituto(es handelt ſich um die Einführung der Kromayerſchen Lehrart im Königsbergiſchen in Thüringen) nomine Ratichii. Non amplius enim Ratichiani audimus, secessionem a nobis fecit ante annum, rejectis istis omnibus, quae pagellis nostris continentur. Incumbebat in hanc curam IIlu- strissimus etiam Wilhelmus, Dominus noster clementissimus, Suasu Fratris, ut conciliatio aliqua inter nostra et