Aufsatz 
Das Leben und die pädagogischen Bestrebungen des Wolfgang Ratichius : 4. Abteilung
Entstehung
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Ernstper expressum protestiren, daß ſie nicht mit R.o intentione contrahirten alß ſolte ihme nur etwaß abgemercket Vndt er nachmalß hülffloß gelaßen werden. Da die Gräfin und R. auf jener Ver⸗ wahrung beſtanden, ſo fügte der Herzog ſeiner unter das von Hortleder aufgeſetzte Memorial über die Abmachungen vom 1. Juli gegebenen Unterſchrift noch einen Vorbehalt hinzu*), welcher ſodann von der Gräfin in gleicher Weiſe erwiedert wurde**).

In Weimar betrieb man auch nach dieſem Receſſe die Sache des R. mit großer Läſſigkeit und ließ unſchwer erkennen, daß man es bei der ganzen Verhandlung im Grunde nur auf den Gewinn abgeſehen hatte, welchen Kromayer für ſeine Lehrart und ſeine Schulen von R. ziehen wollte***). Um ſo größeren Eifer zeigte die unermüdliche Anna Sophia. Als die Weimariſchen die Schwierigkeiten vorſchützten, welche die Rückgabe der Cöthener Bibliothek des R. verurſachen würde und dabei hatte man von Weimar aus noch nicht einmal eine Anfrage in dieſer Angelegenheit nach Cöthen gerichtet), ſo ſandte die Gräfin alsbald ihren Hofprediger Mylius an ihren Bruder Ludwig nach Cöthen und erlangte ohne große Mühe von dieſem die Zuſage, daß der Fürſt die Bücher alsbald überliefern werde, ſobald er nurdie erklerung von Weimar, oder einen gevolmechtigten hette ††). Ja im September kam Fürſt Ludwig den Wünſchen ſeiner Schweſter ſogar ſoweit entgegen, daß er ſelbſt um die Abſendung eines Bevollmächtigten(aus Weimar oder aus Rudolſtadt) zur Empfangnahme der Bücher gegen Rückerſtattung der von ihm für jene Bücher gemachten Auslagen (493 Thlr. Vergl. o. II. S. 43.) bat und ſich bereit erklärte, falls das Geld nicht ſogleich gezahlt werden könne, die Bücher in Jena deponieren zu laſſen, damit R. dieſelben dort benutzen könnte †††).

Ebenſo eifrig betrieb die Gräfin die Berufung von Collaboranten. Bereits vor dem 1. Juli hatten Stahl und Slevogt als geeignete Gehülfen zwei Studenten empfohlen, M. Chriſtoph Lechelius und den Böhmen Briccius(S. o. S. 42); bei der Verhandlung vom 1. Juli wurde an Stelle des letzteren ein M. Heinrich Sannemann ass tüchtig bezeichnet; und R. war mit dieſem zufrieden*). Auf Betreiben der Gräfin, der Alles daran gelegen war, daß das halbe Jahr der Uebereinkunft endlich zu Michaelis 1629 ſeinen Anfang nähme, hatte Stahl mit Lechelius und Sannemann, welche beide Studenten in Helmſtadt waren, unterhandeln laſſen. Am 17. September ließ Herzog Ernst dieſelben durch Kospot nach Jena zu mündlicher Verabredung entbieten. Um Michaelis 1629 erwartete man in Jena täglich ihre Ankunft. Ob nun

*)Doch wil ich mich wegen meiner geliebten Brüder nichts verbunden haben, wo verne das obiege, wie ich doch nicht hoffen will, von gelehrten vnd vns ſelbeſten nicht vor nützlich ſolte gehalten werden, etwas weiters dabey zuthun. **)Daß ſie in deß geringſte welcheß wider Ihrer f. Gn. gewißen ſtreitten möchte hierdurch nicht wolte Ver⸗ williget haben. ***) Einen Beweis hierfür liefert die bald nach den Jenaer Verhandlungen vorbereitete neue Ausgabe derNewen Lehrart Kromayers. S. o. S. 43*)..

) muß Ja waß darhinter ſtecken, daß man daß licht ſchewet vnd nicht gerade herrauß will. Gott leſt ſich nicht ſpotten in ſolchen ſachen, die zu Seiner Ehren dienen, wenn man die Zeit der gnedigen heimſuchung nicht erkennet noch annemen will, ſendet Gott den kreftige Irthumb, daß man im finſtern tappet, vnd das rechte licht nicht findett. Werden die Weimariſchen ſchulen dergeſtallt Aufname vnd beſtandt erlangen, wollen wir Ihnen günnen, aber nicht erbeben. Die ſchrift ſchreiet wee vber die, So in ein frembt Ampt greifen. Der superindent zu Weimar thut dergeſtalt redlich, vnd persuadiret nicht allein ſeine Herſchaft, ſondern ſich ſelbſten, ein meiſter zu ſein, muß doch noch an tag kommen, wie man es gemeinet hat, vnd noch meinet. Anna Sophia an Kospot in Jena d. d. Sept 1629.

††) Anna Sophia an Kospot in Jena d. d. Rudolſtadt 26. Juli 1629.

†rr) R. hatte große Luſt zur Empfangnahme ſeiner Bücher mit nach Cöthen zu reiſen. Anna Sophia an Kospot d. d. Michaelis 1629.

*) Anna Sophia hatte auf alle Fälle durch Mylius noch die Bereitwilligkeit von zwei Wittenbergergar feinen leuthen gewinnen laſſen. Anna Sophia an Kospot 26. Juli 1629.