44 lungen mit dem Fürſten Ludwig theilnehmen könnte*). Nun erfüllte ihn die Nachricht, daß Fürſt Ludwig ſich nicht unverſöhnlich gezeigt und Ausſicht auf Herausgabe der Bibliothek gemacht hatte, mit großer Freude, ſodaß er ſeine fürſtliche Gönnerin einlud(14. Juni), nach Jena zu kommen und zu ſehen„Wie glückſelig das Werck forttgeſetzet Vnd befördert Wird.“ Mit den Tabellen, ſchreibt er, ſei er ſo weit fertig, daß er ſie mit Ehren der ganzen Akademie zur Cenſur vorlegen könne. Doch klagt er noch über Zurückhaltung der Profeſſoren, von denen nur Schwabe ihn beſucht habe.
Es mußte ihm daher ganz erwünſcht ſein, als Herzog Ernst für den 1. Juli 1629 eine neue Zu⸗ ſammenkunft der Rudolſtadter und Weimariſchen in Jena veranſtaltete, um endlich mit der Aus⸗ führung der Verabredungen vom Ende Januar 1629 einen Anfang zu gewinnen. An dieſer Verhandlung nahmen Theil Herzog Ernst, Gräfin Anna Sophia, Kospot, Hortleder, M. David Imlin, M. Stahl und M. Schultz**). Am Vormittage des 1. Juli las Hortleder nach der vom Herzoge Ernst aufgeſtellten ſchriftlichen Anweiſung diejenigen Punkte vor, auf welche ſich R. erklären ſollte: 1) Daß R. den früheren Abmachungen gemäß„vor allen Dingen und zu allererſt Grammaticam, Rhetoricam vnd Dialecticam vor die Hand nehmen vnd rectificiren ſolle.“ Und weil er zur Ausführung dieſer Arbeit wiederholt ſeine Bibliothek aus Cöthen für unentbehrlich erklärt habe, ſo wolle man ſich bemühen, ihm dieſelbe zu verſchaffen; gelinge dies aber nicht, ſo müſſe er ſich die erforderlichen Bücher aus der Fürſtlichen Bibliothek oder anderswoher beſchaffen. 2) Da ferner die von R. zu Mitarbeitern begehrten beiden Profeſſoren Stahl und Slevogt wegen ihres Univerſitäts⸗ amtes ſich jener Mitarbeit nicht ganz und ununterbrochen widmen, auch nicht ſtets um und bei R. ſein könnten, ſo wolle man ihm zwei„gelehrte, vnd ihme ſelbſt beliebige Studenten“ beiordnen, welche, jedoch ohne irgend welche Reverſalien ihm gegenüber, ganz nach ſeiner Anleitung unausgeſetzt nur für ihn arbeiten ſollten. Dieſe Adjuncti ſollten alle zwei Wochen ihre Arbeit den genannten zwei Profeſſoren zur Begut⸗ achtung vorlegen,„doch nach ſeiner(R.i) ermeßung vnd beliebung.“ 3) Es ſolle bei der verabredeten Zeit eines halben Jahres ſein Bewenden haben.
Des R. Erklärung reklamierte ad 1 ſeinen früheren Vorbehalt,„Sein gantz Werck fortzuſetzen“***), „doch wille er ſich nicht ferner alß auff die specificirte disciplinas Instrumentales verbunden haben.“ Ebenſo erklärte er ſich ad 2, jedoch vorbehaltlich der ſchließlichen Einſchränkung, und ad 3 einverſtanden, voraus⸗ geſetzt, daß ſich die ihm beizuordnenden Collaboranten als tüchtig bewährten. Ausdrücklich aber verwahrte er ſich gegen eine von Gelehrten, insbeſondere von ſolchen der Jenaer Univerſität(weil dieſelbe„ihne biß dato ſehr VerVolgett“), über ſeine Arbeiten geübte entſcheidende Cenſur. Auf dieſen letzten Vorbehalt hin ließ Herzog
*) R. an Anna Sophia d. d. 14. Juni 1629.„Daß zu Cöthen nicht mehr Verrichtet worden, DarAn iſt Der blinde Calviniſche Eifer ſonderlich Vnd Dann Die Vntrew Der Gelehrten So das Ihrige, Darnter geſucht Allein ſchuldig, Vnd nicht Ich, Welches die erfahrung ſchon Ans liecht gebracht, Ich hette Vermeinet ſelber Perſohnlich gehöret Zu Werden, Vnd Die Streitige Sache gentzlich bey Zu legen, hat Aber Auff dießmahl Wie Ich Vernehme, nicht ſein Wollen, Muß es dahin laßen geſtellet ſein, biß Mein Gott beßer gelegenheit DarZu geben Wird.“
**) Ueber dieſe Verhandlungen liegen vor: 1) Eine eigenhändige Aufzeichnung des Herzogs Ernst vom 1. Juli 1629. 2) Concept zum Bericht,„worauf dieſer Zeit die Handlung mit herrn R.o beruht“, von Hortleder. 3)„Memorial vber dem Jenigen Was mit Herrn Ro im Fſtl. Schloß zu Jehna, den 1. Julij Ao 1629. abgeredet worden“, unterzeichnet von dem Herzoge Ernst und der Gräfin Anna Sophia.“ 4.„Herrn R.i erclehrung vf den verleſenen Bericht. Kodem die 3. Julij 1629.“ Außerdem von Schwartzburger Seite das von Daniel Imlin aufgeſetzte„Protocoll deßienigen ſo im f. Schloß Zu Jehna Den 1. Julij Anno 1629 Deß Didactici Werck betreffende Vorgelauffen.“
***)„Die Grammaticam könne ehr ihm alleine nicht abſchwatzen laßen, Sondern müße wißen, ob ſein gantzes Werck hernach befördert werden ſolle. Das würde ihn zur arbeit luſtiger machen. Sonſt wie ſichs ieder Zeit zwiſchen Weimar vnd ihn an dieſem Punct geſtoßen, So würde ſichs noch ſtoßen; Vnd könte er ſich nicht in etzlichen artibus exploriren, vnd das große Werck hernach ſtecken laſſen.“ Protokoll nach Hortleders Aufzeichnung vom 3. Juli 1629.


