Aufsatz 
Das Leben und die pädagogischen Bestrebungen des Wolfgang Ratichius : 4. Abteilung
Entstehung
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Die von R. gewünſchte Veranſtaltung beſonderer Feierlichkeiten aber zur Inaugurierung der neuen Lehrart geſtattete Herzog Wilhelm in ſeiner Zurückhaltung und ſeinem Mißtrauen gegen R. nicht*).

R. konnte bereits am 12. Mai 1629 ſeiner fürſtlichen Patronin als erſte Frucht ſeiner Jenaer Arbeiten die von ihm verfaßteRegierkunſt überſenden. Zu weiteren Arbeiten vermißte er immer lebhafter ſeine noch immer in Cöthen zurückgehaltene Bibliothek. Als daher zu Pfingſten 1629 ein Beſuch des Fürſten Ludwig von Anhalt und ſeiner Gemahlin in Weimar(zu einer Hochzeitsfeier) erwartet wurde, bat R. die Gräfin dringend, ſich auch dahin zu begeben, ſeine Ausſöhnung mit dem Fürſten zu bewerkſtelligen und ihn wieder in den Beſitz ſeiner Bücher zu bringen. Anna Sophia folgte der Bitte und wagte kurz vor ihrer Abreiſe von Weimar eine Fürbitte für R. bei ihrem Bruder; und ſie ſcheint nicht ganz abgewieſen worden zu ſein**). R. hatte vergeblich gehofft, daß man ihn auch nach Weimar citieren würde, damit auch er an den Verhand⸗

*) Herzog Ernst an Anna Sophia s. d.(c. 18. Mai 1629). Hier mag vorläufig hingewieſen werden auf den am 11. Mai 1629 erlaſſenen Befehl des Herzogs Wilhelmwegen der Newen SchulOrdnung, welcher nebſt einemExtract der fürnembſten Puncten, zu dieſem Schulweſen gehörig,(a. E.: Vinariae e Musaco, in vigilia omnium Sanctorum Anno 1629.) ſowieEtliche Schul Tractat, new außgangen((1. Vom vputerſchied des Alten vnd Newen Methodi: 2 Ap- plicatio des Newen Methodi auff die Schreibkunſt, 3. auff die Rechenkunſt, 4. auff die Singekunſt. 5. Von den Principiis vnd Häupt⸗Regulen dieſes Methodi vnd ihrer Application), endlich dem bereits 1619 erſchienenenBericht vom Newen Methodo ſampt deſſen Anhang. 1629 erſchien s. t. MErHODUS] SCHOLARUNI im] Fürſtenthumb Weymar.] Durch! M. JOHANNEM KROMAYER,] Pastorem vnd Superintend. general.! Zu Weymar,] in Druck gegeben Den Predigern vnd Schuldienern des Fürſtenthumbs zum beſten. Contenta vide facie versa.] Cum Privileg. Elect. et Duc. Sax. T Gedruckt: Bey Johann Weiſchnern, Der Fürſtl. Druckerey daſelbſt! Factorn. 4°. Es wird ſpäter nachgewieſen werden, welchen Nutzen hiernach Kromayer für den Weimariſchen Ratichianismus aus den Verhandlungen vom Januar gezogen hat, und wie überflüſſig ihm(und dem Herzoge Wilhelm?) R. bereits im Mai 1629 war. Vergl. Anna Sophia an Kospot am Tage Mariae Heimſuchung(1629):weil S. L. vermeinen, Sie haben Ihre Intention erlanget, ſuchen Sie H. R. los zu werden.

**) Freilich erzählt Anna Sophia an Kospot d. d. Rudolſtadt 9. Juni 1629:Vnſer bruder fraget vnder andern, wie lange ſchon Sie an dem halben Jar zubracht hetten, vnd alß wir ſagten, were noch nicht angefangen, ſchüettelten Sie den kobff vnd vermeinten, ſo dürſte man Ja auch nicht fragen, wenn Er nichteß prestirte. gedult gedult iſt dem guthen H. R. von nöten. Uebrigens fand damals auch die Auseinanderſetzung bezüglich der bei dem gemeinſchaftlichen Cöthener Werke von den fürſtlichen Beförderern desſelben aufgewendeten Unkoſten ſtatt. Vergl. die in dem Geh. Staatsarchive zu Weimar aufbewahrte Originalquittung des Fürſten Ludwig d. d. Weimar 8. Juni 1629. In Betreff der Verſöhnung mit dem Fürſten Ludwig ergeht ſich R. am 29. Mai an Anna Sophia in ſonderbaren Drohungen gegen den Fürſten: Wegen Fürſt Ludwig ſind Meine gedancken Alſo, daß E. F. G. Wegen meiner Bücher DurchAuß keinen Andern Proceß mit Ihme Wollen Vornehmen, Alß Allein gantz Schweſterlich Vnd in hoheſtem Vertrawen rahten Ihr F. G. Wollen Sich Je eh Je beßer mit mir In Der güte Abſinden Vnd Vertragen, Mir nicht Allein meinen revers Vnd Bücher vnverletzet mit dem förderlichſten Wider Zuſtellen, Sondern Auch Die Seinen Dahin halten Daß Sie nichts Dann Alle gutes Von mir redeten oder gedechten. Sie Wüſte Vorgewiß Wenn Sie mich nicht Auff gehalten, Vnd ſich meiner ſo getrewelich An⸗ genommen, Ich were Vor lengſt bey Kay. Mayſtet geweſen Vnd meine reversir Auffs hoheſte geſocht haben, Würde Auch Ihr f. G. Zum Wenigſten Auff die 50000 Reichsthaler beſprochen haben, Vnd Den Andern theil Der Anhaltiſchen Cantzeley Vollendes herAußer geben, Damit Das hauß Anhalt Den gahrAuß bequeme, In Deme Der eine Das Reich In ſolche Vnruhen gebracht, Vnd Der Ander Daßelbige Auß Angeborner Teufeliſcher Bößheit Nicht Wolte Wieder Vmb Auff Kömmen laßen. Der Wege Sie Sich Dann Nothwendig Ins Mittel hette ſchlagen müßen, Weil Sie Vermercket Daß Ihr Wort bey mir noch Krafft gewonnen. Mit ſolchem Vnd Der gleichen Abreden müßen Ihr f. G. Ihm begegnen, ſonſt Wird Er Sie Ind mich nur hohniſch Vnd SpPottiſch ſeiner Art nach, wiſſen Abzuweiſen. Aber Ich Will Ihm mit Gottlicher hülfe woll wißen Zu begegnen oder Dermaßen Wißen Abzufertigen, Daß Er ſolte Wünſchen er hette ſolches nimmer Angefangen. Meine Fraw Mutter vor lunleſerlich! Sich Wann Ich nicht Der Hoffnung gelebte Daß Ich Das hauß Anhalt Wiederumb Zu der Lutheriſchen Religion mit Gottlicher hülffe Zubringen gedacht, Ich Wolte Anitzo Fürſt Ludwig mit gahr geringer mühe Dahin wiſſen bey Kayſ. May. Zutreiben, Daß Er In ſeinen eigenen Landen nicht Würde Bu bleiben haben.