Aufsatz 
Das Leben und die pädagogischen Bestrebungen des Wolfgang Ratichius : 4. Abteilung
Entstehung
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Einladung und nahm durch einen Beſuch in der Ratichiſchen Mädchenſchule mit Befriedigung Kenntnis von der praktiſchen Anwendung der Didaktik*). Ob Kromayer den Herzog begleitete, iſt zweifelhaft; Kospot war nicht zugegen. Die immer näher rückende Kriegsgefahr trug neben den immer thätigen Widerſachern in Weimar zur Verzögerung der Ueberſiedelung des Didaktikers nach Jena das Ihrige bei*); dieſelbe verhinderte auch den Herzog Ernst im März, wie er verſprochen hatte, noch einmal nach Rudolſtadt zu kommen**). Trotzdem wartete die Gräfin Mitte März der vom Herzoge Ernst mit Kospot getroffenen Verabredung gemäß täglich auf die Ankunft Kromayers in Rudolſtadt, welcher R. von dort abholen und, wegen der nahen Kriegsgefahr unter militäriſcher Bedeckung, nach Jena bringen ſollte). Immer neue Verzögerungen traten ein ††); am bedenklichſten war, daß Herzog Wilhelm auf's Neue wankend gemacht worden war in ſeiner Neigung für R. ††). Indeſſen blieb Herzog Ernst entſchloſſen, noch im Laufe des März mit Kro- mayer nach Rudolſtadt zu kommen und von dort R. nach Jena mit ſich zu nehmen. Als der Herzog wieder ausblieb, fing der Didaktiker an ungeduldig zu werden*), ſodaß die Gräfin über ihren Neffen ſich bitter beklagte, erſey ein wenig noch zaghafftig, vnd trewe der ſachen nicht recht, fürchte Er könne nicht auß⸗ kommen, daß machet daß S. L. daß Fundament noch nicht recht gefaſt, vnd inne haben, vnd ſol S. L. doch ſo gar willig mitgetheilet werden, vnd ſich zu erfreihen, auch wol gegen die Wiederwerdtigen zu deffendiren haben, ſol S. L. trewlich beiſtandt geleiſtet werden, vnd ſind die Jenigen ja auch kein Kinder, die biſhero vnderſucht vnd erwogen haben**). Der Herzog erneuerte immer wieder ſein Verſprechen, ſelbſt nach Rudol⸗ ſtadt zu kommen und R. dann mit ſich zurück zu nehmen, und immer wieder fand er neue Abhaltung**). Daher bat endlich die Gräfin wiederholt(am 21., 28. und 30. April und 3. Mai) den Kammerrath von Kospot in Jena, R. direct bei ihr abzuholen und nach Jena zu geleiten, weil ſie ihrem Vetter zu mißtrauen

*) Anna Sophia an Kospot in Jena d. d. Rudolſtadt:Hertzog Ernst iſt wol 2 ſtundt mit Vnß in vnſer Mavydtlein Schulen geweſen, J. L. gar wol gefallen vnd wir die leges J. L. müſſen laſſen abſchreiben.

**) Vergl. Anna Sophia an Kospot in Jena d. d. Rudolſtadt 13. Febr. 1628.

***) Anna Sophia an Kospot in Jena d. d. Rudolſtadt Mittwochs, praes. 13. März 1628.

) Anna Sophia an Kospot in Jena l. J. u. d. d. Rudolſtadt 19. März 1628.

††) In ihrem Schreiben vom 27. März 1628 an Kospot tröſtet ſich Anna Sophia damit, daß R, ſolange Praetorius, der ſich am 19. Februar in Schleiz verheirathet hatte, von Jena entfernt ſei, dochnoch nicht viel nütze drüben geweſen were, hat hir genung zu ſchaffen. Gott wirdt die rechte Zeit wol wieſſen.

†rr) Anna Sophia an Kospot in Jena d. d. Rudolſtadt Sonntags Oculi 1628:Iſt Hertzog Wilhelm von den gelehrten Irre gemacht worden, ſo wird Ihn Gott ſelbſten(ſo S. L. nur recht hören wollen) durch die ſichtbare warheitt wieder auß dem Irrgartten rauß führen, deſſen ſind wir in guther Zuuerſicht, Er wirdt daß werck ſeiner hende nicht laßen.

*) Anna Sophia d. d. Rudolſtadt 8. April 1628 an Kospot in Jena: wirdt H. Ratichio die Zeit gar zu lang, ſoltte ſichs lenger verzihen, ſo woltte ich Ihn Euch Sonnabet oder Montageß nach Oſtern ſchicken.

*-) Anna Sopbia an Kospot in Jena d. d. Rudolſtadt, Oſterſonnabend 1628. Sie beklagt in dieſem Briefe die Verzögerung auch um ihrer Rudolſtadter Schule willen, weil Praetorius ohne des R. Anweſenheit in Jena mehrere von ihm für dieſe Schule übernommeneſachen nichtuerfertigen könne.

***) Vergl. Anna Sophia an Kospot in Jena d. d. Rudolſtadt 30. April 1628.Wir haben Euch bey dieſen ver⸗ ſtendigen wollen, daß wir Eure beiden ſo wol deß Superindenten ſchreiben bey gegenwertigen boten entpfangen, vnd den inhalt vernomen, wie Hertzog Ernſt vnſer fl. Vetter nochmalß geſinnet ſey, mit den Superindenten anhero zu kommen, welcheß vnß nicht zu entgegen, nur der Verzug, vnd daß S. L. vnß durch Wurmen(D7) ſagen laſſen, S. L. hetten bedenken, den Sup. mit her zu bringen, denn Er könte nicht mit nach Jenah ziehen,.... die Mitherkunft Kromayerswere nur der vnderrede vnd ſchluß halben, ob der Sup: von Weim. Etwaß auf ſich zu arbeiten nemen woltte, vnd auch vnſer Hof⸗ prediger ferner arbeitten kente. Am Oſterſonnabend hatte ſie an Kospot u. a. geſchrieben:Vnſer Hofprediger arbeitet ſo mit freuden an itzo, vnd wirdt erſt gewar, vnder der Arbeitt, waß es auf ſich hatt, vnd wie viel nutzen der Chriſtenheit

kan dadurch kommen. Er ſol den Superindenten gar ſchön Informiren vnd weiſen können, weren Ihme biſhero gemangellt, vnd Sie den Zweck nicht erreichen können.