Aufsatz 
Das Leben und die pädagogischen Bestrebungen des Wolfgang Ratichius : 4. Abteilung
Entstehung
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anfing*). Neuen Aufſchub brachte die in Weimar erwartete Ankunft des Herzogs Bernhard, welche Anfangs Juni erfolgte; Mitte Juni gedachte Anna Sophia mit ihrem Gemahle einer Einladung ihres Neffen Wilhelm nach Weimar zu folgen, vorausgeſetzt daß zuvor Herzog Ernst mit Kospot zu ihr nach Rudolſtadt käme**). Endlich gegen den 16. Juni erſchien Herzog Ernst in Rudolſtadt, um des R. Schulweſen und Didaktik näher kennen zu lernen***). Wieder verging darauf noch ein halber Monat, ohne daß R. abgeholt wurde, ſodaß Anna Sophia das Aergſte von ihrem Vetter befürchtete); da erſchien endlich am Sonnabend den 11. Juli 1628 Kospot in Rudolſtadt und holte den Didaktiker nach Jena ab.

Werfen wir einen kurzen Rückblick auf den Aufenthalt des R. im Schwarzburgiſchen und ſuchen die während der Zeit vom September 1622 bis zum 11. Juli 1628 von ihm entwickelte Thätigkeit kurz zuſammen⸗ zufaſſen und zu charakteriſieren. Seitdem R. durch das Frankfurter Memorial mit ſeiner Didaktik an die Oeffentlichkeit getreten war, hatte ihm noch niemals eine ſo lange Mußezeit zu literariſcher Thätigkeit zu Gebote geſtanden, wie in dieſen ſechs Jahren, in welchen er durch ſeine fürſtliche Patronin allen Unterhalt fand, um, wenn auch mit Hülfe von nur wenigen Gelehrten, da fortzufahren, wo er in Magdeburg in der Ausarbeitung ſeiner Didaktik die Feder niedergelegt hatte †f†). Während er nun in Magdeburg ſich mit ſeiner literariſchen

*) Sie ſchreibt am 3. Mai an Kospot:Aber vnſern fl. Vettern Hertzog Ernſten halten wir deffalß nicht ſowol entſchultiget, Sondern der ſtarcken opinion(weil S. L. ja immer forth faren, vnd vnß deſwegen aufziehen, daß H. Ratichiusz nicht nach Jenah komen kan), Sie hetten daß Werck ſchondt beſſer vnd gewiſſer begriffen alß H. R.(deme doch Gott vertrawet hatt) ſelbſten.

**) Anna Sophia an Kospot in Jena; praes. 13. Juni 1628.

***) Herzog Ernst in Rudolſtadt an Kospot; praes. 18. Juni 1628:Veſter mein lieber herr Cammer Raht, weil ich gleich zu meiner anherkunft aus Ratichii ſchulweſſen zu bereden bin kommen, hab ich befunden, das ich nicht mitt zur ſtelle, wie die Logica ſoll getrieben werden. Weil mihr den bewuſt, das ſie der Cammer Raht bey der hant, als bitt ich ihme gleich wie es ihme der superindent zu Weymar zugeſchickett mihr bey zeigern zu verſſenden. In der Freude ihres Herzens widmete Anna Sophia am 16. Juni ihrem Schützlinge folgendes akroſtichiſche Gedicht.

Von Ihrem wahn nicht weichen, Stetz friſch in dieſem leben Befehlt es Gott Daß könten auch Wal Diaſ ſtund Ich vehm wungt, Der nicht zu Spott, nach rechtem brauch orumb Ihr mich gebunden Schickt richtigkeit ohn gleichen. All Lehren wier genieſſen,

Ob wohl daßelb faſt offenbar Auß Gottes wort

So wird es doch befunden, RATh iſt zu allen Dingen gut b.

Zu Ewren Preiß So der von Gott herrühret, Clarbend Him vd derrief en. mit gantzem fleiß, JOH Jtz darumb mit friſchen mut,

Laß aber Euch gefallen, Sag, das auch mir gebühret, Trew allzeit Gott belohnet hat, Daß Ihr von hier Der lehrart frey thut höehres nicht begehren. mit beſter Zier, Zu wonen bey, Ich hoffen will Sie findet ſtat,

Fahrt loblich vnd mit ſchallen. Vnd nimmer darvon laſſen, Vnd bringet Euch zu Ehren:

GANE Darumb dieß ſcheiden nicht ſchwer; Ob mich geleich Ob gleich die welt ;; Des feindes Streich dar nichts von helt, Sondern giebt viel der frewden.* ib t wi Sehr derwegen thut haſſen. Chriſti wordt muß doch bleiben. Gott ſolche Zeit wird geben mehr Drumb Jederman

Das Ihr habt nicht zu leiden, D. aber iſt mein höchſt begehr, Sein Bruff ſeh an Wolln Gelährten Daß Gott mir wolte geben vnd Lal chen recht thu t reiben Vnd verkehrten, Den Herren mein, ohn all beſchwer ud Soli 5

) Anna Sophia an Kospot in Jena d. d. Rudolſtadt 6. Juli 1628. 4

†r†) Abgeſehen davon daß er im Jahre 1623 vier bis fünf Monate in Frauenpriesnitz und im Jahre 1624 etwa ſechs Monate in Kelbra verlebte, wurde ſein Aufenthalt in Rudolſtadt nur durch kürzere Reiſen unterbrochen(R. war Mitte December 1622 und Ende Januar 1623 auf einen oder zwei Tage in Jena, von Ende Januar bis Mitte Juli in Frauen⸗ priesnitz, Mitte Juli auf einen oder zwei Tage in Zwetzen, Ende November in Oſterſtein, von der WMitte des Decembers

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