Aufsatz 
Das Leben und die pädagogischen Bestrebungen des Wolfgang Ratichius : 4. Abteilung
Entstehung
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Lehrart des R.i in die Schulen eingeführet werden möge? Aber ſie haben ſolches Vorhaben nicht approbiret*). Tiefer hatte ſich dagegen Herzog Ernst durch ſeine Tante Anna Sophia für des R. Ideen begeiſtern laſſen. Auf der Gräfin Einladung kam er am Abend des 26. November 1627 nach Rudolſtadt, um perſönlich mit R. über die dem Weimariſchen Schulweſen zuzuwendenden Vortheile der Didaktik zu verhandeln. Die beiden ihm am 3. November von R. in Weimar hinterlaſſenen Abſchriften brachte Herzog Ernst nach Rudolſtadt mit und lieferte ſie zurück. Am Tage nach ſeiner Ankunft entbot er ſchon um 9 Uhr Vormittags den Didaktiker zu ſich und hatte eine lange auch den Nachmittag fortgeſetzte Unterredung mit demſelben,Da H R. Sein gantzes fürhaben dem Hertzoge in Vnterthenigen vertrawen entdecket. Die Unterredung wurde am folgenden Tage Vormittags und Nachmittags fortgeſetzt, wobei R. zeigte,Wie der Weimariſchen Schule an itzo Zu helffen ſtünde, biß ſein Volkomneß Werck Verfertigt. Der Hertzog ſollte nur ein bar ſchuldiner herſchicken, Er wollte es Ihnen weiſen, Wie Sie ſich beſſern könten. Am dritten Tage war R. wieder eine Stunde beim Herzoge. Dieſerbegert nur Zur beſſer informirung etliche ſachen vertrawlich Zu leſen mit zu geben, und, weil er wünſchte, daß diedeutſche Theologie ſampt der erſten Verfaſſung ballt möchte rauß kommen, erwirkte er bei dem Grafen Karl Günther zu Schwartzburg den Befehl und die Erlaubnis,daß Mylius (weil Er ſchondt eine geraume Zeit mit h R.o were vmbgangen, Vnd am beſten wiſte wohin Er Zielete) ſolcheß verfertigen möchte, vnd Ihme dargegen eine predigt in der Woche erlaſſen würde. Auch verſprach Herzog Ernst der Sache des R. alle Beförderung, insbeſondere auch gleich nach ſeiner Rückkehr nach Weimar die Profeſſoren Praetorius und Stahl zu ſich zu beſcheiden und ihnen zu befehlen, dem Didaktiker, wenn er nach Jena komme, die Grammatiken zu verfertigen.

Trotz des von Herzog Ernst bethätigten Eifers fehlte es in Weimar immer nicht an Widerſachern, welche dem Didaktiker insgeheim entgegen arbeiteten. Gräfiu Anna Sophia war aber unermüdlich darauf bedacht, gerade recht einflußreiche Perſonen in Weimar ihrem Schützlinge günſtig zu ſtimmen oder zu erhalten. So ſandte ſie auch an den in hohem Anſehen beim herzoglichen Hofe ſtehenden Rath Dr. Laurentius Braun die fundamentalen Fragen zu des R.Harmonie und forderte von demſelben ein Gutachten**).

Die vom 9. December 1627 datierte Antwort Brauns an die Fürſtin beginnt mit dem Bekenntniſſe daß er zwar ein Gutachten zu ſchreiben begonnen habe, daß er aber, je länger er daran gearbeitet habe, um ſo mehr erkannt, daß erdſe ding mit ſm verſtand nicht recht erreichen, noch die fragen, die ihm gar dunckel ſcheinen, eigentlich einnehmen, noch des autoren, der ſie geſtellet, meinung genugſam ergreiffen kan. Den Vf die 1. frage Kürtzlich zu antworten, Vnd die Vierdte mit drein Zu ſchließen, Weiß ich nicht anders. Es

*) M. Joh. Werner Krauſens Nachricht von dem Ratichianismo. Krauſe gibt als Gewährsmann für dieſe ſonſt nicht bezeugte Nachricht an Pr. Rud. Fischeri vita Gerhardi. c. 8. pag. 135.

***) Es ſind folgende, von der Faſſung der oben S. 2 mitgetheilten, etwas abweichende Fragen:

Wird gefraget. 1. Ob nicht eine Chriſtliche Schule Zu der Wahren Glaubens Natur vnd SPrachen Harmony, Auß Heylig Göttlicher Schrifft Vnd Andern bewehrten Büchern, In Künfftig AnZuſtellen, Zu beſtettigen Vnd Zuerhalten ſtehe. 2. Ob ſolche Harmonien, gleichſamb drie Vnterſchiedliche Cor, Zu einß Zu bringen ſein. 3. Ob nicht der OrthſPrung dieſer Schulen Auß der Harmony deß Glaubens müße genommen werden. 4. Ob eine ſolche Schule In der Chriſtenheit Verhanden, Oder welch geſtaltt dieſelbe Ambeſten AnZurichten ſtunde. 5. Ob ſolche dürch einen Menſchen, Wie etwa Dürch einen Bawmeiſter, Allein Könne Angeſtellet Vnd Ausgeführet werden. 6. Wer Dann hierZu wol Am füglichſten Zuge⸗ brauchen ſey. 7. Ob nicht Alle Gelährten, ſonderlich die ſo Auff den Hohen Schulen, Solch Einem BawMeiſter treülich hierinnen BeyZuſPringenn Gewißens halben Verpflichtet ſein. Hier Auff wird Von den Herrn Professorn eine Kürtze Vnd richttige erklehrung, nach eines Jedern Wißen Vnd Gewißen, ſchrifftlich begehret. 2c.

Auch der alte Freund und ſpätere Gegner R.s(S. o. III. S. 27 f.) Jakob Martini in Wittenberg wurde durch Kospot um ein Gutachten über dieſe Fragen angegangen. Er erwiderte am 27. Auguſt 1627:Erſtlich verſtehe ich nicht, wie das gemeinet ſey, Das man ſolle in der Wahren glaubens Natur vnd Sprachen Harmony auß heil. Schrifft vnd andern Büchern eine Chriſtliche Schule anſtellen. Zum andern Was da ſey der Sprachen Harmony, item an dieſem ohrt des glau⸗