Aufsatz 
Das Leben und die pädagogischen Bestrebungen des Wolfgang Ratichius : 4. Abteilung
Entstehung
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Hoe den Gedanken an eine Unterſtützung des Didaktikers in Kurſachſen entſchieden zurück, indem er hervorhebt, 1. daß man in dieſem Lande weder in der Kirche noch in der Schule eine Aenderung der augenblicklichen günſtigen Verhältniſſe, bei denen man ſich ſehr wohl befinde, wünſchen könne, 2. daß R. noch keine namhafte Probe beſtanden habe, daß vielmehr ſeine Erfolge in Straßburg, Augsburg und Magdeburg hinter ſeinen Anerbietungen zurückgeblieben ſeien, wie denn überhaupt demſelben nicht zuzutrauen ſei,das Er ſein erbieten voll Kömmlich Zu werck richten könne, und 3. daß R. mit den zahlreichen Gelehrten, die er gleichſam als ein Baumeiſter und Director zu Gehülfen begehre, ſich nicht werde vertragen können. Auf ein Gutachten über die ihm vorgelegten Fragen(ſ. o.) läßt ſich Hoe nicht ein, weil er einen Theil desfürgebens nicht ver⸗ ſtehe,wie Ich dann mit warheit bezeuge, das ſtracks der erſten vnnd etlicher folgender fragen termini meinung vnnd Zweck mir dunckel ſein. Der Kurfürſt, ſchließt er, werde nicht geneigt ſein, ſeiner Univerſi⸗ täten Gutachten darüber zu vernehmen oder im Geringſten mit R. ſich einzulaſſen; man möge die Verbeſſerung des lateiniſchen Sprachunterrichtes den Gelehrten überlaſſen, wie denn neuerdings Sophonias Hasenmüller und Wilhelm Schickard darin einen guten Anfang gemacht hätten..

Mit dieſem Gutachten waren alle Ausſichten auf Kurſachſen vorerſt abgeſchnitten.

Aus der nun folgenden Zeit bis zum Herbſte 1627 fehlt es faſt gänzlich an direkten Nachrichten über das Leben und Treiben des Didaktikers; es darf nur vermuthet werden, daß R. ſich fortwährend in Rudolſtadt*) aufhielt und mit der weiteren Ausarbeitung ſeiner didaktiſchen Werke beſchäftigt blieb.

Die ſpärlichen Nachrichten aus dieſer Zeit beſchränken ſich auf eine kleine Correſpondenz, welche die Unterſtützung eines M. Johann Pennerus durch die Gräfin Anna Sophia bezweckte**), und auf einen Brief der Gräfin Anna Sophia vom 6. April 1627, durch welchen ſie den Herzog Johann Friedrich zu Würtemberg für die Sache ihres Schützlings zu gewinnen ſuchte***). Anknüpfend an einige mit dem Herzoge gelegentlich einer Vermählungsfeier am 1. Januar 1618 zu Sonderburg und nachher in Stuttgart gepflogene Unterredungen, in welchen ſie ihn für die Sache des R. zu intereſſieren gewußt hatte, deutet ſie in dieſem Briefe kurz an, woran der Didaktiker ſowohl in Cöthen als auch in Magdeburg geſcheitert ſei, (es ſei vorzugsweiſe des R. Feſthalten an der reinen lutheriſchen Lehre geweſen), erzählt, wie derſelbe ſich dann zu ihr und ihrem Gemahle geflüchtet habe und in ihrer Nähe mit Gelehrten und ihren Räthen und Theologenvon Seinem werck Correspondents gehalten, fleißig darinnen Laboriret, Sich auch In ſeinem

*) Es liegen Briefe an R. nach Rudolſtadt gerichtet vor vom 7. April, 17. April, 27. Juni, 25. Juli, 21. Auguſt und 6. October 1627.

**) Pennerus(Pesnicensis), ein auf den Schulen zu Gotha, Jena und Weimar gebildeter stud. theol. et linguar. orient., beſuchte kurz vor Oſtern 1627 R. in Rudolſtadt und wurde von dieſem, wie es ſcheint, für die neue Didaktik gewonnen. Derſelbe hatte, wie Hofmedicus Mart. Gebler d. d. Weimar 4. April 1627 an die Gräfin Anna Sophia ſchreibt, bereits einige Jahre lang in Weimar die orientaliſchen Sprachen mit der ſtudierenden Jugend und einigen Paſtoren getrieben und arbeitete an einer hebräiſchen und einer griechiſchen Grammatik, ſowie an einem hebräiſchen Lexikon, mit welchen Werken er das Studium dieſer Sprachen ſo leicht zu machen verſprach, daß man dasſelbe nöthigenfalls ohne Lehrer betreiben könne. Auch behauptete er eine Lehrmethode für Hebräiſch zu beſitzen, nach welcher ein Schüler bereits nach drei Monaten die ganze hebräiſche Bibel verſtehen könne, und wies dafür auf einen bereits gefundenen praktiſchen Erfolg hin. Er wollte ſeine Werke vor dem Drucke R.o zur Beurtheilung vorlegen und wünſchte zuvor von der Gräfin Anna Sophia zur Fort⸗ ſetzung ſeiner Studien ein Jahresſtipendium zu erhalten. Auf ſein Geſuch vom 4. April 1627 ließ die Gräfin ihn durch Mylius vertröſten; Pennerus blieb daher bis in den folgenden Spätherbſt bei Mylius und gedachte dann anderwärts ſeine Studien fortzuſetzen. Vergl. Pennerus an die Gräfin Anna Sophia d. d. Rudolſtadt 10. November 1627. 1

.*rr) Johann Friedrich regierte von 1608 1628. Er war ſeit 1609 vermählt mit Barbara Sophia, Tochter des Kurfürſten Joachim Friedrich zu Brandenburg. Anna Sophias Mutter(Eleonore) war eine Tochter des Herzogs Christoph zu Würtemberg⸗Teck. Den Brief hat Müller in Kehr's Pädagog. Blättern VII. 1878. S. 604 607 abdrucken laſſen.