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und hier ſtarb er am 4. December 1626 zu St. Martin. Die Verhältniſſe am Weimariſchen Hofe mögen der Gräfin Anna Sophia Hoffnung auf eine erfolgreiche weitere Verwendung dort ſür R. niedergedrückt haben*). Sie hielt daher unter den anderen befreundeten Fürſtenhöfen Umſchau und ſuchte zunächſt mit dem Dresdener Hofe wieder anzuknüpfen. Zu dem Ende nahm ſie wieder die Vermittelung des Hofpredigers Matthias Hoe von Hoenegg in Anſpruch, eines Mannes, welcher ſchon verſchiedene Male in wechſelndem Sinne ſich über die neue Didaktik ausgelaſſen hatte.
Auf die demſelben vorgelegten oben(S. 2 Note ſ†††) bezeichneten Fragen äußerte er ſich in einem unter dem 29. October 1626 an die Gräfin Anna Sophia gerichteten ausführlichen Gutachten dahin, daß man ſich am Dresdener Hofe ſchwerlich des Ratichiſchen Werkes annehmen oder viele Unkoſten auf dasſelbe verwenden werde. Zur Begründung dieſes Urtheils unterzieht Hoe in ſeinem Gutachten das Memorial des R. von 1612 einer erneuten Beurtheilung und behauptet, dasſelbe begreife theils unnöthige, theils unmögliche Sachen in ſich. Erſtens verfolgten die auf die Herbeiführung einer einträchtigen Sprache gerichteten Beſtrebungen des R. etwas Unnöthiges, weil 1. die beſtehende Verſchiedenheit der Sprachen dem Reiche nicht ſchädlich ſei, 2. weil es ein hohes wunderbares Werk Gottes ſei, daß ſo verſchiedene Sprachen mit der einigen Zunge geſprochen würden, 3. weil R. nicht eine Sprache einführen, ſondern mehrere von ihm namhaft gemachte fortpflanzen wolle, obgleich noch dazu bereits eine derſelben, die deutſche, wenn auch mit dialektiſchen Ver⸗ ſchiedenheiten, ganz Deutſchland umfaſſe. Daher ſei es unnöthig, daß die deutſchen Fürſten ſich darum bekümmerten oder Koſten dafür aufwendeten, daß alle Künſte und Viſſenſchaften in griechiſcher, hebräiſcher, deutſcher, arabiſcher und anderen Sprachen ausführlich gelernt und propagiert würden. Zweitens habe ſich R. mit der Feſtſtellung und Abfaſſung der verſchiedenen Künſte und Wiſſenſchaften in den bezeichneten Sprachen ein unmögliches Unternehmen vorgeſetzt, welches die Menſchen in 100 und aber 100 Jahren nicht zu Ende bringen würden, 1.„weil die verſetzung derer bücher, ſo zu aller Künſte⸗ und Faculteten ausführlicher begreiffung vnnd erclärung gehören, in Alle ſprachen, ein ſolches werck, darzu vnausdenckliche Zeit, vner⸗ trägliche mühe, vnd arbeit, ia auch vnſägliche, vnnd villen Potentaten vnmögliche Vncoſten vnnd verlag erfordert werden.“ 2. Unmöglich ſei es ſerner, eine einträchtige Regierung im ganzen Römiſchen Reiche einzu⸗ führen und zu erhalten; zu einer ſolchen genüge es, daß alle Welt Gottes Ordnung und des Reiches beſtehenden Anordnungen nachlebe; eine ſolche auf friedlichem Wege zu erhalten, ſei nur Gott möglich, nicht aber einem Menſchen. 3. Ebenſowenig vermöge es ſodann R., die verſchiedenen Grundgeſetze der verſchiedenen Chur⸗ und Fürſtenthümer in Uebereinſtimmung zu bringen. 4. Am wenigſten ſei es endlich demſelben möglich, eine Ueber⸗ einſtimmung Aller in der Religion herbeizuführen; die von R. hierzu erdachten Mittel ſeien entweder aus Gottes Wort und alſo ſchon längſt vor ihm bekannt, oder verſtießen gegen dasſelbe und hätten daher keinen Beſtand. Und wären ſeine Mittel auch noch ſo gut und richtig, ſo würden dieſelben ſich doch bei dem großen Zorne des Teufels und bei dem„trefflichen fürwiz der welt“ nicht prakticieren laſſen. Nach dieſer allgemeinen Verurtheilung der Beſtrebungen, welche R. in dem Frankfurter Memoriale von 1612 dargelegt hatte, weiſt
*) Dafür ſpricht auch folgende Stelle aus einem Briefe Kromayers vom 2. December 1629 an M. Gregor Ewald in Königsberg in Franken(bei M. J. W. Krauſens Nachricht von dem Ratichianismo, welche ſich handſchriftlich im Goetheſchen Archive zu Weimar befindet):„Quo in loco jam sint res nostrae scholasticae, cum ex amplissimo viro Domino Praefecto vestro(D. Dan. Volcken), tum ex pagellis quas mitto cognosces. Jam dudum saxum hoc, uti se non fregit, volvimus, nil certe aliud quaerentes, quam Dei gloriam et Iuventutis commoda. Obstiterunt tamen perpetuo impedimenta etc. et profecto parum apfuit, quin animum desponderemus ante triennium, et omnem spem atque cogitationem de prove- hendo negotio isthoc abjiceremus penitus.—— Sed excitatus singulari quodam divini spiritus impulsu Princeps illustrissimus Ernestus Dominus noster Clementissimus, admovet ipsemet manum ad hoc aratrum.“
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