Aufsatz 
Das Leben und die pädagogischen Bestrebungen des Wolfgang Ratichius : 4. Abteilung
Entstehung
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Punkte gerichtet. Der I. Punkt betraf denVnterſcheid der Methodi vnd der Bücher, wobei die Forderung des Didaktikers, daß ſeine Methode ohne das Vorhandenſein beſonderer zu derſelben verfertigten Lehrbücher nicht verwerthet werden könne, zurückgewieſen ſein mag. Der II. Punkt ging aufdes Herrn Didactici Harmoniam, nach welcher die Bücher ſollen formiret werden, vnd ſetzen die Herren Verfaſſer voran H. R.i meinung, welcher in dieſem passu haben vnd verfechten ſolle, nemlich, Es müſſen vnd können nach gedachter Harmoni alle Bücher gemachet werden, vnd zwar aufs allervolkömlichſte, vnd eben nach dem in Tabellen gezeigten muſter*). Die Verfaſſer des Weimarſchen Bedenckens beſtritten nun die Möglichkeit, daß man überall einerlei Bücher haben und nach R. i Harmonia ausarbeiten könne.(a,) Denn ſo wenig man die Papiſten, Kalvi⸗ niſten und andere Sekten zwingen könne, Luthers Katechismus anzunehmen, ebenſowenig würde man die Theologen oder die Philoſophen auf den Univerſitäten unter einen Hut bringen können.(b,) Nichts auf der Welt ſei voll⸗ kommen, warum denn allein R. mit ſeiner Harmonie etwas Vollkommenes bieten zu können ſich vermeſſe.(c,) Man werde die nöthige Anzahl tüchtiger Gelehrten zur Mitarbeit an Büchern zu des R. Harmonie und Tabellen nimmer⸗ mehr gewinnen können; denn die Gelehrten würden dieſe Harmonie ec. zurückweiſen, weil ſie dieſelbe 1. als eine erdichtete und der rechten Begründung entbehrende, 2. als eine falſche und unrichtige, 3. als eine Ramiſtiſche(wegen der in den Tabellen bevorzugten Dichotomie) und 4. als eine in den bisher mit der⸗ ſelben von R. angeſtellten Proben verunglückte betrachten müßten. Der III. Punkt des Weimariſchen Be⸗ denkens endlich lief auf den Rath hinaus,R. ſolle allein beim Methodo bleiben, vnd die Bücher, hindangeſetzt ſeiner Harmoni, an einen iedem orth brauchen laſſen, ſo guth man ſie habe, bis etwa ein groſſer Potentat erwecket würde, der eine ſolche reformation, nach einer rechten Harmoni, in aller welt zu werck richtete. Zum Schluſſe führten die Weimariſchen zwei dem R. ungünſtige Zeugniſſe an, dasjenige der Herzogin Dorothea Maria, welchedavor geachtet habe, das dieſe Harmonia in aller welt nicht würde aufzurichten ſein, und dasjenige des Profeſſors Grawerus,welcher mit dieſem Methodo allein auf die Sprachen Soll geſehen haben.

Herzog Johann Ernst der Jüngere, welcher bei ſeiner vorübergehenden Anweſenheit in Weimar die oben erwähnte Zuſammenkunft mit der Fürſtin Anna Sophia gehabt haben mag, überließ im Sommer 1626 die von ihm ſeit 1615 für ſeine jüngeren Brüder geführte Landesregierung ſeinem Bruder Wilhelm, um ſeine Kriegszüge gegen den Kaiſer fortzuſetzen**); dieſe Züge führten ihn durch Schleſien und Mähren nach Ungarn,

*) Da die in den Verhandlungen dieſer Zeit wiederholt erwähnteHarmoni des Didaktikers, welche er in ſchriftlicher Aufzeichnung vorgelegt haben und welche ſich vorzüglich auf die Abfaſſung der Lehrbücher zu ſeiner Didaktik bezogen haben muß, in einer ſolchen Aufzeichnung nicht mehr nachzuweiſen iſt, ſo erſcheint es paſſend, aus des Mylius oben erwähntenAntwort die acht Sätze hier wiederzugeben, mit welchen dieſer intime Anhänger des R. deſſeneigentliche meinung, ſoviel mir von derſelben bewuſt, vnd ſo weit ich ſie bishero gefaſſet, zuſammenfaßt: 1.Die Harmonia Didactica findet ſich in denn ſachen ſelbſt, vnd ſind ſolche ihr grund. 2.Die Harmonia Didactica iſt ein vornhemes edles ſtück des Methodi, vnd kan dieſer ohn iene nicht volkommen ſein. 3.Alle Bücher, auſſer der Bibel vnd anderer scriptorum symbolicorum, können nach dieſer Harmoni ausgearbeitet werden. 4.An allen orten, da der Methodus wird angenommen, mus man die Bücher nach dieſer Harmoni anrichten. 5.Durch ausführung vnd treibung gedachter Harmoni kan der gantzen Chriſtenheit, in der gantzen welten großer nutz zu wachſen. 6.Es können die Bücher nach dieſem Methodo, vnd Harmoni aufs allervolkomlichſte in suo genere, in ihrer art, vnd nach mügligkeit itziger menſchlicher wiſſenſchaft, angerichtet werden. 7.Dieſer Methodus iſt vom H. Didactico vornemlich denn Lutheriſchen Kirchen zum beſten gemeinet, wiewohl er andern secten, doch zum rechten nutz, auch nicht mißgönnet wird. 8.Die Harmonia Didactica wird adumbriret vnd vorgebildet durch die aufgeſatzten Tabellen, welche aber noch nicht vor volkommen ausgegeben werden. Uebrigens dürfte entweder in denTabellen oder in der Aufſtellung der oben(S. 2) aufgeführten 6 Fragen oder der unten zu erwähnenden 7 Fragen die vermißte Aufzeichnung derHarmonie des R. nachzuweiſen ſein.

**) Die Herzöge Albrecht und Ernst verglichen ſich dem Wunſche ihres älteſten Bruders entſprechend am 20. Sep⸗ tember 1626 mit ihrem älteren Bruder Herzog Wilhelm. 3