Aufsatz 
Das Leben und die pädagogischen Bestrebungen des Wolfgang Ratichius : 4. Abteilung
Entstehung
Einzelbild herunterladen

7

Soviel, daß R. alsbald wieder von dem Herzoge Johann Ernst zu Gnaden aufgenommen wurde und die Erlaubnis zur Rückkehr in die Weimariſchen Lande erhielt, erreichten nun zwar jene Deputierten noch nicht; doch müſſen die Eindrücke, welche ſie von ihrer Audienz bei jenem Fürſten mitnahmen, nicht ungünſtig geweſen ſein. Bald nachher, in der zweiten Hälfte des Auguſt 1626 begab ſich Anna Sophia ſelbſt an den Hof von Weimar und entbot dorthin mehrere Theologen aus Jena und Weimar ljedenfalls Gerhard aus Jena und Dr. Burchard, vielleicht auch Kromayer, aus Weimar) zu einer Verhandlung über des R. Sache. Dieſe Verhandlung*) fand am 20. Auguſt 1826 ſtatt und wurde auf Grund der von K. ſchriftlich vorge⸗ legten Tabellen und verſchiedenen Ausarbeitungen zur Didaktik geführt. Die Verhandlung hatte jedoch nicht den von der Gräfin gewünſchten Verlauf. Anſtatt daß es zu einer mündlichen Verſtändigung zwiſchen den Ratichi⸗ anern und den Weimariſchen kam, durch welche die Gräfin eine Ausſöhnung Kromayers mit R. zu erreichen gehofft hatte, hielten die letzteren mit der Aeußerung ihrer Anſichten über die vorgelegten Ratichiana zurück und vertröſteten auf ihre nachfolgende ſchriftliche Erklärung**). Dieſe wurde denn auch am 8. September 1626 als einBedenken über des R. Harmoni vnd Tafeln an die Gräfin nach Rudolſtadt geſandt. Obgleich dieſes Bedenken ſich nicht mehr vorgefunden hat, ſo kann man doch über ſeinen Inhalt nach der von Mylius auf dasſelbe abgefaßten Antwort nicht in Zweifel ſein***). Der Hauptverfaſſer des⸗ ſelben war Kromayer, während dasſelbe von mehreren mit unterzeichnet war. Das Bedenken war auf drei

Tabellen, latheiniſch vnd Teitſch, Daß ſol deutlich vnd richtig erklert werden. 3. Die algemeine ferfaſſung vnd waß darzu geheret, 4. Der Bericht mit den Zeigenüeſſen D Kolben(wieder durchgeſtrichen]. Die Briefe Vnd Zeignüß leſen Zu laſſen nach dem ſich die Zeit ſchicken.

*) Die Nachrichten über dieſe Verhandlung beſchränken ſich auf folgendes Schreiben des Daniel Burchard D. zu Weimar an Anna Sophia d. d. 25. Aug. 1626:Was EFGn. den vergangenen Sontag alß 20. h. zu Weymar mir, bei den bewuſten Deputirten in Durchſehung der von H. R.o vbergebenen ſchriftlichen ſachen, zu verrichten Gn. ahnbefohlen iſt nicht allein von mir.. volnbracht, ſondern auch von oberwehnten Verordneten folgender beſcheid.. mir gegeben worden. 1) Das Sie, die in der didactica vunterſchiedene Vfgeſetzte ſachen, miteinander Durchſehen, vnd weiln die ſachen mehres nachdenkens erforderten, vnd mit fleiß ponderirt werden müſten, betten ſie vmb Abſchrifft derſelben, wolten alßdan Ihr bedencken Darvff ſchrifftlich einſchicken. 2) Vnter andern gedachte h. D. Gerhard, Das weiln M. Praetorius albereit ein geſchriebenes exemplar bei ſich, wolte er ſich mit demſelben woll behelffen, vnd vbergab mir zugleich daſſelbe, was EFG Ihme hatten zuſtellen laßen. 3) ferner Sagten Sie in geſambt das Sie als Theologi Von den Vorgeſetzten 11 Tabellen Ihr indicium einſchicken wolten. Was aber die philosophica wehren, würde IFGn. M. Praetorio oder einem andern zu examiniren vbergeben laßen, Sie wolten ſich darin nicht mengen. 4) Endlich begehrte h D Gerhardt auch abſchrifft der beigelegten vnd von R.o corrigirten Tabellen, damit nicht weil dieſelbe albereit von R.o gebeßert doppelte müh vfge⸗ wendet würde. 5) hangete darbei ahn, ob er ſein ſchrifftlich indicium erſtlich EFGn. oder aber alßbald der Gu. fürſtl. Herrſchafft zu Weimar ſolte Zuſenden. Wen nun Zweifels frei vf ſolche punete Von EfGn. D. Gerhard in der am 21. huius gehabten audientz etzlichermaßen mit einem Gn. beſcheid wird verſehen ſein worden, vnd hernach von Ihme mit dem Hoffprediger communiciret, alf hoffe Ich nicht das es einer abſonderlichen befehls hierinnen bedürftig ſei, Doch Stehet ſolcher bei EGn. was Sie hierinnen ferner Gu. anordnen werden.

**) In der gleich zu erwähnendenAntwort von Mylius vom 27. Aug. 1628 heißt es:Vnd ob zwar von Ewrer Fürſtl. Gn. ſowhol auch Herrn Ratichio ich zu vynterſchidlichen mhalen, respective vnterthänig vnd ſreündlich verſtanden, das Sie Ehrngedachten Herrn Superintendenten auf das Erſte Bedencken(vom 8. Sept. 1626) lieber mündliche erklerung thun laſſen wolten, dahin auch von Ewrer Fürſtl. Gn. vornemlich, neben H. Ratichij gäntzlicher ausſhönung, die zuſammen⸗ kunft zu Weimar angeſehen geweſen; ſo iſt mir doch bewuſt, das damhals wegen eilendes aufbruchs, in ſolchen vorhaben wenig hat können verfharen werden, ſeithero auch keine mündliche conferenz ferner erfolget. ***)Vnterthänige, doch gantz Vnverfängliche Antwort, auf das Erſte Vnterthänige Bedencken, welches über Herrn Wolfgangi Ratichij Harmoni vnd Tafeln, von Weimar nach Rudelſtat geſchicket worden, den 8. Sept. Anno 1626. Dieſe Antwort im Originale von des Verfaſſers Hand erhalten, iſt datiert Rudolſtat 27. Aug. Anno 1628.