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lehrter*) in Jena, welcher ſich mit ganz beſonderem Eifer der Sache des Didaktikers(ſeines„popularis“, wie er ihn nannte) annahm und ſich in Angelegenheiten derſelben öfters zu R. nach Rudolſtadt begab.
R. hielt ſich während des ganzen Jahres 1626 fortwährend in Rudolſtadt auf, theils mit der Ueberwachung der dort nach ſeinen Ideen reorganiſierten Mädchenſchule**) beſchäftigt, theils in Gemeinſchaft mit dem mittler⸗ weile von Kelbra als Hofprediger und Superintendent nach Rudolſtadt verſetzten Anton Mylius der literariſchen Bearbeitung ſeiner Didaktik fleißig ergeben. Andeutungen über dieſe Arbeiten finden ſich theils darin, daß R. im Mai die deutſchen Werke Luthers ankaufte und Trosts ſyriſches Lexikon aus der Jenaer Bibliothek kommen ließ***), daß ein Gelehrter Namens Wilhelm Beyer in Ehrnſtein(?) für R. eine Ueberſetzung juriſtiſcher Schriften aus dem Lateiniſchen in's Deutſche bearbeitete †), und daß R. im Juli 1626 ſein„Dolium ad magnates et magistratus imperii-germanici didactice Provolutum“ ſchrieb, ein Schriftchen, von welchem
viel wenig expliciret Vndt Zur gnüge auſsgeführet worden(z. B. die doctrina Metaphysica De Ponitate; hier darff die Schrifft Vielmehr des lichts der philosophiae; ferner die doctrina Ethica de Virtute).— ad 2) Hier iſt die manier der Theologen eine mannichfaltige und von eines jeden Belieben abhängig; die einen delineiren ſelbſt Tabellen(wie u. a. Jak. Martini in den Partitionibus theol.), die anderen haben nur ein Auge auf die Harmoniam und Tabellas und behandeln die Glaubensartikel ſo, daß ſie leicht in Tabellen gebracht werden können(wie z. B. und am beſten D. Calixtus in ſeiner Epit. Theol.). Die Theologie muß als disciplina practica jedenfalls methodo analytica abgehandelt werden.— ad 3) Eine Harmonie der freien Künſte hat man bereits und dieſelbe iſt der H. Schrift nicht zuwider. Eine ſolche Harmonie wird am deutlichſten durch Tabellen dargelegt, welche nach ſynthetiſcher(in theoreticis) oder analytiſcher(in practicis) Methode ent⸗ worfen ſind(wie z. B. die philoſ. Tabellen des Göttinger Rectors Fabricius, welche in Braunſchweig erſchienen ſind).— ad 4) Die Sprachen in Tabellen zu bringen iſt ſchwieriger, weil die cohaerentia rerum fehlt, welche die artes bieten; doch iſt es ausführbar(z. B. die simplicia mit ihren derivata und composita, wie etliche Lexikographen gethan; oder die Ordnung der Redetheile[dazu als Probe das Stück einer Tabelle über die hebr. Sprache]).— ad 5) wird bejaht und als ſehr vortheilhaft zur Bildung der Jugend erklärt, wenn noch der richtige modus docendi dazu komme.— ad 6) Etwas Solches exiſtirt noch nicht(allenfalls das oben von Fabricius Mitgetheilte).
*) Geb. zu Hamburg am 8. Oct.(oder 25. Nov.) 1595, gebildet auf dem Gymnaſium zu Hannover, ſtudierte(ſeit 1615) in Wittenberg und(ſeit 1620) in Jena, wurde 1618 Magiſter, 1622 Adjunct der philoſ. Facultät, am 3. Dec. 1626 Profeſſor der Ethik und Politik, 1631 der Phyſik zu Jena, Ende 1633 luth. Prediger und Superintendent in Würzburg, 1635 Hofprediger zu Weimar, 1637 Superintendent, Gymnaſialprofeſſor der Theologie und Conſiſtorialaſſeſſor in Schleuſingen, 1642 Superin⸗
tendent in Schmalkalden, wo er am 23. Dec. 1651 ſtarb. Er ſchrieb u. a. Theatrum ethicum et politicum(Jena 1626 und Hamb. 1694. 120.); Canonum metaphysicorum partes II(Jenae 1626. 1632. 80.). Vergl. J. O. Thieſſens Verſuch einer Gelehrtengeſchichte von Hamburg. Hamburg 1783. S. 112 ff.; Strieder, Heſſiſche Gelehrtengeſchichte. XI. Caſſel 1797. S. 151— 155. Beck, Ernſt der Fromme, II. Weimar 1865. S. 53. Er übernahm bereits im Frühjahre 1626 Arbeiten in Muſik und Arithmetik(„teutſche Rechen⸗ vnd Singen⸗Kunſt vor die Megdtlein Schule“ in Rudolſtadt) zu der Lehrart des R. Vergl. Praetorius an Mylius d. d. Jena 12. Juli 1626. Auch hatte er die Abfaſſung der„Verſtehungslehr“ übernommen. Vergl. Act. Goth. A. 697. 66. Im Auguſt 1626 nahm er die Vermittelung der Fürſtin Anna Sophia in Anſpruch, damit er die durch den Tod des prof. eth. et pol. M. Wolf. Heiderus erledigte Profeſſur an die Univerſität Jena erhielte.
**) Als Lehrer für dieſelbe war auf Praetorius Empfehlung Anfangs Mai 1626 M. Peter Doppertus eingetreten. Am 25. April empfiehlt Praetorius dieſen dem Hofprediger Mylius als hominem eruditum, modestum, pium et, quod maxi- mum, laboriosum. Vergl. Praetorius an Anna Sophia d. d. 17. April 1626 und Practorius an Mylius d. d. Jena 2. Mai 1626. In dem zuerſt erwähnten Briefe empfiehlt er jenen Lehrer als ſehr gut qualificiert„Zu vorhabenden wercke, vnd ſehr wol gemeinten proposito, welcheß zweifelß ohn gröſten nutzen: wie ich auß Herrn R.i meineß großgünſtigen Herren popularis, mir Zuleſende gegebene wohlgefeſtete ordinantz gnuckſam Zuſchlieſſen gehabt.“— Doppert war noch im Januar 1628 in ſeiner Stelle an der Mädchenſchule. Vergl. Anna Sophia an Kospot in Jena d. d. 3. Jan. 1628.
***) Praetorius an Mylius d. d. Jena 18. Mai 1626. Praetorius an R. d. d. Jena 6. Juni 1626.
†) Beyer an R. d. d. 2. Juni 1626.
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