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in Folge der Vereitelung ſeiner liebſten Hoffnungen begleitete ihn auch auf ſeiner Rückreiſe nach Rudolſtadt gegen die Mitte des Mai 1625*). Im Auguſt desſelben Jahres ſuchte er auf Schloß Lichtenberg Geneſung durch den Gebrauch eines Sauerbrunnens**) und verlebte den folgenden Winter, wie es ſcheint, wieder in Rudolſtadt***).
Hierauf beſchränken ſich die ſpärlichen Nachrichten aus der Zeit vom Herbſte 1624 bis zum Früh⸗ jahre 1626.
Im März 1626 verſuchte die unermüdliche Anna Sophia auf's Neue eine Anknüpfung mit Sachſen⸗ Weimar. Am 27. März dieſes Jahres forderte ſie, vermuthlich durch die Vermittelung Kospots, die Jenaer Profeſſoren Schwabe †) und Gerhard † †) auf, über einige von R. aufgeſtellte Fragen ein Gutachten abzugeben †f). Zu dieſen beiden Profeſſoren trat noch hinzu M. Hieronymus Praetorius, ein junger Ge⸗
*) Im Juni 1625 waren endlich des R. Mobilien und Bücher aus Magdeburg in Jena angekommen und warteten dort der Weiterbeförderung nach Rudolſtadt. Daniel Burchard D. an Anna Sophia d. d. Jena 26. Juni 1625.
**) Vergl. Kolbes ärztliche Verordnungen über die zu gebrauchende Kur d. d. Schleiz 7. Auguſt 1625.— Noch ſei der Anknüpfungen Erwähnung gethan, welche Mylias durch Vermittelung eines Herrn von Arnswald mit dem heſſiſchen Adel verſuchte. Erich Volckmar de Berlebs an Mylius d. d. Roßla 24. Juli 1625.
***) Vergl. Kolbe an R. in Rudolſtadt d. d. Schleiz 17. Jan. 1626.
†) Johann Schwabe(Suevus), geb. zu Annaberg 1564, von 1605 bis 1616 und dann wieder von 1623 an bis zu ſeinem Tode(13. Dec. 1634) Profeſſor der Rechte und Hofgerichtsaſſeſſor zu Jena.
††) Johann Gerhard, geb. zu Quedlinburg am 17. Oct. 1582, ſeit 1606 Superintendent zu Heldburg, ſpäter prof. theol. am Gymnaſium zu Coburg, 1615 daſelbſt Generalſuperintendent, ſeit 1616 prof. theol. zu Jena; ſtarb zu Jena am 17. Aug. 1637.— Ueber ſeine früheren Beziehungen zu R. vergl. o. I. S. 16. 41.
†††) Ohne Zweifel ſind es folgende 6 Fragen geweſen(Nach einer Bemerkung des M. Praetorius in ſeinem Schreiben vom 17. Apr. 1626 an Anna Sophia waren die Fragen etzlicher maſſen variirt“ worden. Vergl. damit die Faſſung der unten S. 14 angegebenen 7 Fragen):„l. Ob nicht alle lehren Von gott, auch in mitt oder durch Gott, daſs iſt, in mitt oder durch ſein geoffenbahrtes Wort vndt alſo wieder Zu Gott kommen? 2. Welcher geſtalt allein auſs H. göttlicher Schrift eine eintrechtige Harmoni aller articulen Chriſtliches glaubens in einer Tabell gleichſam für augen Zu ſtellen were?— 3. Welcher geſtalt auſs H. Schrift vndt anderen bewehrten büchern, in eine gewiſse Harmoni Zu bringen, Das ſolche Der Glaubens Harmoni nicht Zu Wieder?— 4. Wie die Harmoni Der Sprachen etwan durch eine oder mehr Exempell recht grundlich Zu beweiſen?— 5. Ob dieſe 3 Harmonien gleichſam Wie drey Vnterſchiedene Chor Dergeſtalt in eins Zubringen, das nach denſelben ein Chriſtliche Schuele inkünften ahn Zuſtellen ſey?— 6. Ob irgendt auff den Uniyersiteten oder Particular Schuelen eine Harmoni der lehren ſo weit im brauch, das mann derſelben ein jdeam ſchriftlich haben könne?“— Am 12. April 1626 bitten die beiden Profeſſoren um genauere Erklärung der ihnen zu unbeſtimmt erſcheinenden drei erſten Fragen, bejahen die letzte und machen auf die betr. Vorarbeiten von Caspar Barth, Chrn. Becmann(De originibus lat. lingune), Eilhard Lubinus(Clavis graecae linguae) und der Jeſuiten Janua linguarum aufmerkſam. Schwabe an von Kospot d. d. Jena 12. Apr. 1626.— Die erbetene genauere Erklärung wurde ihnen durch M. Hieron. Praetorius in Jena zu Theil(vergl. Praetorius an Kospot d. d. Jena 17. April 1626), welcher ſich deshalb zu ſeiner eigenen weiteren Inſtruction nach Rudolſtadt begeben hatte(Schwabe an Kospot d. d. Jena 14. Mai 1626).— Das in den Acten befindliche, jedoch weder mit Unterſchrift verſehene noch datierte, vermuthlich aber von Gerhard und Praetorius(vergl. Praetorius an Anna Sophia d. d. Jena 17. April 1626:„haben eß, ſowol die weit auſſehenden fragen, alß auch die Kürtze der Zeit anieto nicht geſtatten wollen ausführlicher zu ſein.“— Die wahrſcheinlich ausführlichere„declaration“ der beiden Profeſſoren Schwabe und Gerhard wurde erſt Anfangs Juli 1626 dem Herrn von Kospot„angedeutet“ und ging darauf hinaus,„daf ſie herren Ri. meinung vnd intention in allen nicht improbirten., beſonderen ſelber wünſcheten, daſ nach ein vnd dem anderen!: da eſ beſſer elaboriret:] in den ſchulen mochte procediret werden. Haben ſich auch die declaration der erſten general tabellen gar wol gefallen laſſen.“ Praetorius in Jena an Mylius zu Rudolſtadt d. d. 12. Juli 1626) herrührende vorläufige Gutachten beantwortet dieſe Fragen im Weſentlichen folgendermaßen: ad 1)„Es iſt wohl Vnmüglich Philosophiam nur auſs der Bibell allein Vollkömlich vnd wie ſichs gebühret Zulehren. Gott hatt andere mittel gegeben, dadurch wir menſchliche Weiſsheit lernen ſollen. Denn viel Vornehme ſtücke der Philosophiae ſind in der Bibell auch nicht im geringſten erwehnet,


