Aufsatz 
Das Leben und die pädagogischen Bestrebungen des Wolfgang Ratichius : 4. Abteilung
Entstehung
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Das Leben und die pädagogiſchen Beſtrebungen

de

8 Wolfgang Ratichius. Vierte Abtheilung.*)

Im Herbſte des Jahres 1624 kehrte Ratichius von Kelbra nach Rudolſtadt zurück**) und verlebte an dem letzteren Orte wahrſcheinlich den ganzen folgenden Winter; jedenfalls verweilte er daſelbſt noch im Februar 1625***). Im April finden wir ihn in Lichtenberg, wo er erkrankte und von ſeinem Schleizer Freunde Kolbe ärztliche Hülfe erhielt). Die Unpäßlichkeit, verbunden mit arger Verſtimmung und Schwermuth

*) Leider verhinderten den Verfaſſer äußere Umſtände, in der dritten Abtheilung die Erzählung von dem Leben des R. bis zu dem Tode des Didaktikers zu Ende zu führen; mit dem Abdrucke des Manuſcriptes mußte in der Mitte eines Abſchnittes abgebrochen werden, ſodaß ſogar die zweite Hälfte der Anmerkung*) auf S. 40 hier nachzutragen bleibt: In den Gothaer Akten ſindet ſich eine, wie es ſcheint, von Kromayer herrührende Aufzeichnung derObjectiones vnd Erinnerung So J. f. G. Hertzog Johann Ernſt im Durchleſen des H. D. Kolbenß bedencken vnd der Tabellen, ſo wol deßen was Zu erorterung der erſten Tabell vffgeſetzet. Die darin gemachten Ausſtellungen beziehen ſich hauptſächlich darauf, daß R. nicht a generalioribus ad specialiora procedire, und in den Tabellen auf die Anordnung einzelner Lehren(warum Cosmologia vor Metaphysica, die Amtslehre nicht in der Politica ſtehe), und,ob die Tabel Von der Didactica nicht könte allein vor andern elaboriret vnd verfertiget werden, Den ſolches anmuhtiger ſein würde, wen man wüſte wie man den Knaben Die andern tabellen beibringen vnd Zu faßen vortragen ſolte. Auch wird getadelt,das die causae immer repetiret würden. Bei der vorgelegten Erklärung der erſten Tabelle(Gotteswortslehr) wird zu Anfang ein Beweis dafür vermißt, daß die H. Schriftein recht Vnvmbſtößlich fundament wehre, und wird getadelt, daß man oft allzu entlegene Sprüche und fundamenta heranziehe, und zuweilendie dicta nicht recht applicire. 3

**) Vergl. Kolbe d. d. Schleiz 24. Oct. u. d. d. 31. Oct. 1624 an R. in Rudolſtadt. *ern) Kolbe in Schleiz an R. d. d. 6. Febr. 1625.

) Kolbe d. d. Schleiz 27. April 1625 an Friederich Grünenbergk, Fürſtl. Radziwilſchen Fräulein Praeceptor zu Lichtenberg. Die Beſchwerden des herannahenden Alters machten ſeit jener Zeit R. öfters zu ſchaffen mit Magenleiden, Podagra und damit verbundener Hypochondrie. Kolbe ſandte ihm Arzenei, empfahl ihm aber vor Allem, ſich dieSorgen auß dem Sin zu ſchlagen(Kolbe d. d. Schleiz 27. April 1625 an R. in Lichtenberg) und außerfür Wein vnd ſonderlich dem Bier ſich zu hütten, Vornemblichen aber für Kleinmüttigkeit, Schwermuth und Melancholiſcher Traurigkeit. Der Herr Glaube es, das alſo der feindt und wiederſacher alles guten Vorhabens, nach Göttlicher Vorſorgnis an dem Herrn ſein euſerſtes verſuchet. Der Herr ſey nur in Gott wolgemuth und ſtarck, er Zeige einen rechten Job ꝛc. Kolbe d. d. Schleiz 22. Mai 1625 an R. auf Schloß zu Rudolſtadt. 1