Aufsatz 
Das Leben und die pädagogischen Bestrebungen des Wolfgang Ratichius : 3. Abteilung
Entstehung
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gelehrter vndt vnuerdroßener Leute raht vndt Hülf wohl zu einem beßern ſtandt gerichtet werden; aber er zweifle gar ſehr, ob R.als ein vnuerträglicher, wiederwertiger, wanckelmütiger, zanck⸗ vnd ſchmehſüchtiger menſch, auch nun darbey viell guttes ſtiften werde vnd könne. Um zu verhüten, daß noch mehr Leute von R.vfgehetzt vndt in vnnötige Vncoſt, mühe vndt arbeit, oder auch in ſchimpf vndt ſpot geführt werden mögen, überſendet der Fürſt eine Abſchrift des von R. am 11. Juni 1620 zu Warmsdorf ausgeſtellten Reverſes,als der summa ſeines hieſigen bezeigens vnd verhaltens, jedoch unter dem ausdrücklichen Vor⸗ behalteenger vnd guter verſchwiegenheitt gewiſſer vrſachen willen*).

Dieſer zweite gegen R. gerichtete Angriff hatte alſo ebenſowenig wie der erſte die von den Geiſtlichen erwünſchte Wirkung. Alle für R. etwa nachtheilige Wirkung wurde offenbar durch die in der fürſtlichen Antwort dem Werke des Didaktikers nicht vorenthaltene Anerkennung weſentlich abgeſchwächt. Selbſt die ſcheinbar gefährliche Waffe, welche der Fürſt durch Mittheilung des Reverſes den Geiſtlichen in die Hand gegeben hatte, war ſo lange nicht zu fürchten, als dieſe in loyaler Weiterverfolgung der Angelegenheit den fürſtlichen Vorbehalt reſpectierten.

Dieſelben hatten aber mittlerweile nicht nur bei der Bürgerſchaft das Anſehen des Didaktikers zu untergraben geſucht, indem ſie Zweifel an ſeiner Rechtgläubigkeit ausſäeten, ſondern hatten es auch zu er⸗ reichen gewußt, daß einige von den der Sache R.s gewogenen Bürgern anderen, welche ſeine Gegner waren, im Rathe Platz machten**). So unternahmen ſie denn, auf dieſe geſtützt, den in aller Stille ſchon ſeit Wochen geplanten dritten Angriff. Bereits am 24. November 1621 erwähnt Cramer in einem Schreiben an den Rath,das man deliberationes vorgenommen von Substitution eines newen Rectoris, und daßbey newlichſter handlung, Als ein Ehrwirdiges ministerium Auffm Rathhauſe geweſen, der Schlus gemacht, das man R. höre, vnd ſeine Anſchläge Vernehmen wolte. Jetzt, Ende December, als man der Majorität im Rathe ſicher war und mit der Ausſicht auf die Rectorſtelle einen tüchtigen Opponenten gewonnen hatte, ſchritt man zum Angriffe. Am 22. December wurde R. eröffnet, daß der Rath demnächſt eineCommunication zwiſchen Deputierten, welche der Rath aus den Rathsperſonen, aus dem Ehrw. Ministerio und aus der Bürgerſchaft beſtimmen werde, einerſeits und R. und deſſen Adhärenten andererſeitsvber deſſen Didacticen Zuhalten beliebet vnd deſſen befoderung vnd auffnehmung Der Studierenden Jugendt gemeinet. Am 4. Januar 1622 wurde er auf Mittwoch den 9. Januar zu dieſerCommunication auf das Rathhaus citiert.

Dieſe Unterredung, welche am 9. Januar 1622 ſtattfand, wurde für R. und ſeine Magdeburger Ausſichten verhängnißvoll; nicht weil es den Geiſtlichen, welche unter den Mitgliedern der Rathsdeputation vertreten waren(insbeſondere durch Cotzebovius), gelungen wäre, durch dieſe Unterredung für ihre Ver⸗

*) In dem Concepte hatte Fürſt Ludwig nachſtehende, obigen Worten folgende Stelle geſtrichen:Ihr werdet ſolches nicht zu R.i Verunglimpfung, viel weniger zu der Lehrahrt verkleinerung, verſtehen vndt gebrauchen, auch verſchwiegen halten, damit es nicht andern kundt gethan werde, vnndt etwa bey Vnberichteten das anſehen gewinne, gleich ob nuhr R. ſchimpfiret vndt an ſeiner förderung gantz gehindert, oder auch der Lehrart ſelbſt böſer ruef gemacht werden wolte. Denn was dieſe Lehrarth antrifft, haben wir allhier keinen fleiß noch Koſt geſparet, vndt in der ſchuel ſo viel eingeführet, als ſich der Zeit vndt anderer Vmbſtendte gelegenheit nach thun vndt leiden wollen, welches ohne frucht nicht abgangen. Wie wier nu der Jugendt in Kirchen vndt ſchuelen gerne gedienet ſehen, Alſo können wir geſchehen laßen, das iemandt anhero komme vndt ſich deß, was in praxi ſtehet, nach notturft erkundige; darzue ale beförderung erwieſen werden ſoll.

**) Vgl. den Anfang des Appellationszettels vom 2. Aug. 1622 bei Niemeyer l. l. S. 11. Schon gegen Ende des Jahres 1621 erfuhr man in Weimar, daßwegen R. i Perſohn vndt ſachen vnter dem Rath vndt Rathsverwanten, Wie auch vnter den geiſtlichen zu Magdeburgt ziembliche mißhelligkeiten entſtanden, vndt er R. abgeſchafft ſein ſolte. Herzog Ernst an Fürſt Ludwig d. d. Weimar 26. Dec. 1621. Der erſte regierende Bürgermeiſter in 1622 Martin Brauns war nichts weniger als ein Freund des R.