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dächtigung von R.s confeſſioneller Stellung Beweiſe aus ſeinem eigenen Munde zu gewinnen, ſondern weil dieſelben dem Didaktiker an dieſem Tage plötzlich in dem Halliſchen Rector Exvenius einen höchſt gefährlichen Gegner in's Feld führten. Denn Evenius ſtand auch in Magdeburg in dem allgemeinen Rufe eines aus⸗ gezeichneten Schulmannes; man wußte von ihm, daß er, ſo gut wie R., mit der alten verkehrten Unterrichts⸗ methode gebrochen hatte, und es war nicht ſchwer, durch Hinweis auf die glänzenden praktiſchen Erfolge, welche derſelbe mit der Einführung ſeiner Methode in Halle an den Tag gelegt hatte, wo die Schule unter ſeiner Leitung im Verlaufe weniger Jahre einen blühenden Aufſchwung genommen hatte, alles was R. von Proben ſeiner Didaktik aus öffentlichen Schulen aufzuweiſen hatte, in den Augen der Magdeburger in den Schatten zu ſtellen. Ferner wußte man und wurde auch von Eyvenius ſelbſt nicht verhehlt, daß dieſer in die Lehrart des R. von dem Erfinder derſelben ſo tief eingeweiht worden war, wie wenige andere, und daß er dieſelbe längere Zeit hindurch gutgeheißen, befördert und empfohlen hatte. Und nun ſollten die Magdeburger erfahren, daß ein Schulmann und ein Gelehrter, wie Evenius war, ſich von R. gänzlich losſagte, ſeine eigene Lehrart als die beſſere derjenigen des R. entgegenſetzte, aus einem Freunde und Patrone ein Feind und Verwerfer des ganzen Ratichiſchen Unternehmens geworden und jetzt entſchloſſen war, nach Magdeburg zu kommen und R. um jeden Preis aus dem Felde zu ſchlagen! Nicht genug auch, daß Evenius wegen ſeiner confeſſionellen Stellung*) in dem bevorſtehenden Kampfe die Majorität der Geiſtlichen Magdeburgs und deren Partei auf alle Fälle für ſich hatte und auf deren unbedingte Unterſtützung bauen konnte; auch aus der Zahl der bisherigen Freunde und Gönner des R. wurde mancher durch die gefeierte Autorität des Halliſchen Rectors abtrünnig gemacht, wie denn vor allen der erſte Magdeburger Patron des R., der einflußreiche Siegmund Hesse, ſeine jüngere Freundſchaft mit R. der älteren mit Evenius zum Opfer brachte und in das feindliche Lager überging. Einen ſolchen Gegner ſah alſo R., als er am 9. Januar 1622 zu der vom Rathe veranſtal⸗ teten Unterredung in dem Rathhauſe erſchien, zu ſeiner größten Ueberraſchung in den Reihen ſeiner Gegner**).
Ueber die bei dieſer Gelegenheit gepflogenen Verhandlungen fehlt es an ausreichender Nachricht. Evenius hatte die Keckheit zu behaupten, er habe die in ſeinen Schriften niedergelegte und in Halle bisher angewandte Lehrmethode keineswegs von R., ſondern von anderen Autoren***). R. brachte denſelben aber ſofort dahin, daß er„ſampt herrn Cotzebuvio noch vyuterſchiedlich expressis verbis geſtanden, vnd frey bekandt, daß die fundamenta der Didaktiken R.i juſt vnd in der Natur fundiret, man müſte R.o den Rhum geben, das er der Autor vnd anfenger wehre, das ſie es von R. hetten, auch die Handgrieffe, ſo R. darneben bißhero entdecket, glücklich practiſirt, vnd ſich gar woll darbey befunden, daher auch nicht mehr, alß nur wie R. ferner procedirte, von R. zu wiſſen begehret, welches ſie ſelbſt das thema itzgedachter Com- munication benahmet“ †).
*) Vgl. Controversia Crameriana. Wittenberg 1624. S. 84 f.
**) Schon bei ſeiner Anweſenheit im April 1621 hatte Evenius das große Vertrauen Hesses auf R. erſchüttert; und bereits am 27. Juli mußte R. bei ſeinem Freunde Werdenhagen Klage führen, daß Hesse,„ſo doch author ſolches hohen werckes alhier, ihme den rücken faſt wolte zukehren.“
***) Vgl. das Protokoll bei Niemeyer a. a. O. S. 35.
†) Später erklärte Evenius einmal, er ſei zu der Verhandlung am 9. Januar 1622 nur darum erſchienen, weil er gehofft habe, R. werde weitere Eröffnungen über ſeine Lehrart machen und ihm(Fv.) dadurch die Reformation der Magde⸗ burger Schule, deren Rector er werden ſollte, erleichtern. Vgl. das Protokoll bei Niemeyer a. a. O. S. 35 ad 3.— Ueber das Verhältniß des Evenius zu R. vgl. Ge. Gothofr. Küsteri Marchiae Literatae specimen XV. Berolini 1752.— Acta His- torico-Ecclesiastica. T. v. Weimar 1740. Thl. 24. S 977— 989. Cramer in ſeiner„Anleitung“ Magdeb. 1622. S. 244: „Ich halt mich an die Erfahrung, vnd an das Judicium des fürnehmen wolbegabeten vnd wolgeübeten SchulRectoris zu Halle, M. Sigismundi Evenii, welcher hiebevor gen Cöthen zum Ratichio abgefertiget, vnd mit ihm weitleufftig disquiriret hat, der


