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Gelegenheit gefunden, dieſelben in Magdeburg zur Geltung zu bringen. Wie in jenem Buche, ſo hatte er auch in dieſem Amte durchaus den Standpunkt von Daniel Hofmann vertreten*). Dieſe von Schilling, Werdenhagen und Cramer vertretene Richtung blieb indeſſen auch in Magdeburg nicht unangefochten, und wenn es auch den Anſchein hat, daß Gegner derſelben in dieſer Stadt Männern wie Cramer und Werdenhagen in wiſſenſchaftlicher Polemik nicht gewachſen waren**), ſo wurde doch die Stellung faſt aller Geiſtlichen Magde⸗ burgs wenigſtens gegen Cramer von Tag zu Tag ſchroffer. Viel gewichtigere Gegner aber, als in Magde⸗ burg, ſtanden in Helmſtädt und Wittenberg auf in dem Profeſſor Cornelius Martini***) und beſonders in dem Profeſſor Jakob Martini, dem ehemaligen Freunde des R. †).
Nichts war natürlicher, als daß Männer der Richtung, wie ſie Cramer und Werdenhagen vertraten und leidenſchaftlich verfochten, in R. und deſſen Lehrart eine erwünſchte Hülfe und Bundesgenoſſenſchaft zu gewinnen hofften. Waren doch ſchon die letzten Hauptſätze der Erklärung, welche R. zu ſeinem Frank⸗ furter Memorial gegeben hatte(ſ. o. I. S. 10.), durchaus ihnen aus der Seele geſprochen. Es genügt, darauf hinzuweiſen, wie R. in den 13„Punckten, Auff welchen die Didactica oder Lehrkunſt gründ⸗ lichen beruhet“(ſ. o. II, S. 6 f.), alle die Unterweiſung mit Gottes Wort beginnen und von demſelben
als Neujahrsgabe für„der Löblichen Alten Stadt Magdeburgk Commun, Raths Stände und Bürgerſchafft“ s. t.: M. Andreae Crameri,] Pastoris et scholarchae Magdeburgici:] Deutliche, Richtige,! vnd Wohlgemeinte An⸗ leitung, Wie die Zarte Jugendt von Kindt auff in Gottes Furcht, Künſten vnd Sprachen Förmlich könne erzogen/ vnd ad Academica studia praepariret werden: Mit beygefügten anderer Gelehrter Leute Bedencken.[Wappen der Stadt Magdeburg.]] Zu Magdeburg, Gedruckt durch Andream Betzeln, In Verlegung Ambroſii Kirchners Erben. Im Jahr 1622. kl. 8⁰ 244 SS. u. Indices. (In der Bibl. zu Weimar). Cramers Anleitung umfaßt S. 1—134; dann folgen kürzere pädagogiſche Abhandlungen von Wolderus, Hasenmüller, Ramus, Vives S. 135— 225.— Die„Nachrede“ findet ſich auch in den Gothaer Acten, und zwar mit dem Datum des 18. Sept. 1621 verſehen.
*) Vgl. z. B. S. 99 ff. der„Anleitung ꝛc.“, wo er u. A. ſagt:„Heutiges Tages wird die Jugend in Aristotelem gewieſen, vnd darin auffgehalten, ut ibi vegetos annos juventutis consumat; quotusquisque tanta alacritate ad biblia et scripturam deducitur? Wenn in Particular Schulen allhie nicht remediret wird, quid tandem fiet? Mannicher kömmet von Universitäten weg, hat ſich vmb Theologiam wenig bekümmert, vnd iſt in der Bibel vbel beleſen, wil doch ein Theologus ſeyn. Culpa est scholarum trivialium etc.“— Er ſchrieb auch Fasciculus disquisitionum philosopho-theologicarum als Anleitung, wie man die Glaubenslehre frei halten könne und müſſe von aller Schulphiloſophie, und verurtheilte es, bei dem Unterrichte in der Dialektik Beiſpiele aus der Glaubenslehre herbeizuziehen, und verlangte daher Abſchaffung der philoſophiſchen Lehrbücher von Piscator, Casman, Alstedt, Keckermann und Goclenius.
**) Der bedeutendſte unter denſelben war ohne Zweifel M. Johannes Kotzibue, welcher 1613 als Rector der Schule zu Quedlinburg Cramers Nachfolger, dann theol. licent. und Paſtor an der Jakobskirche ſeiner Vaterſtadt Magdeburg geworden war. Er ſtarb 1629. Vgl. G. Ludovici Historia rectorum II. Lips. 1709. p. 279.
***) Derſelbe hatte an der im November 1618 in Cöthen abgehaltenen Verſammlung zur Prüfung der neuen Lehrart Theil genommen(S. o. II. S. 23) und war noch immer mit Cöthen liiert, wie ihm denn noch im December 1620 der Jenger Profeſſor Michael Wolf ein im Auftrage des Fürſten Ludwig ausgearbeitetes Compendium logicum zur Prüfung ſandte. Martini ſtarb ſchon am 17. Dec. 1621.
†) Vgl. o. II, S. 4. 11. 19. 22. 23. 41. 42.— Jakob Martini ſchrieb gegen die„Magdeburger Boanten und Cla⸗ manten, Enthuſiaſten und Schwarmgeiſter“ ſein gelehrtes Werk„Vernunftſpiegel“(Wittenberg 1618: 1286 SS. 40.) und er⸗ öffnete damit einen zwiſchen ihm einerſeits, Schilling, Superintendent Sigwart Garguthenius und Cramer andererſeits durch mehrere Schriften mit großer Heftigkeit geführten literariſchen Streit.— An dieſem Streite betheiligte ſich dann auch Evenius.— Vgl. Controversia Crameriana Magdeburgensis, das iſt: Warhafftige beſchreibung des entſtandenen Magdeburgiſchen Krameriſchen Kirchenſtreites, darinnen der Vrſprung, Haupthandel, verſuchte Beylegung, vnd hinderniß der gantzen Controversia ausführlich gewieſen wird, wider den genanndten M. Andreae Crameri Grundlichen Bericht u. ſ. f. Aus erheblichen vrſachen, vnd auff vnterſchiedlicher Theologorum rath, approbation vnd begehren in Druck gegeben, durch die Pastores vnd Diaconos des Ministerii zu Magdeburg: Wittenberg, Im Jahr Chriſti 1624.— Die Bibliothek zu Wolfenbüttel bewahrt den größten Theil der damals erſchienenen Streitſchriften.


