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So ſchien denn R. in Magdeburg unter den beſten Auſpicien die Betreibung ſeines Werkes fort⸗ führen, ſichern und zu Ende bringen zu können. Der Rath der Stadt war ihm in gutem Vertrauen gewogen, einflußreiche Freunde unterſtützten ihn mit Rath und That, und an geeigneten Mitcarbeitern fehlte es auch nicht*). Aber gerade die beſten Freunde und wärmſten Fürſprecher wurden die Klippen, an denen das Werk des R. auch in Magdeburg ſcheiterte.
Denn ohne es zu ahnen und gegen ſeinen Willen**) wurde er durch die Freundſchaft mit Cramer, Werdenhagen und Probst in die theologiſchen Händel verwickelt, welche damals mit leidenſchaftlicher Er⸗ bitterung zwiſchen der Geiſtlichkeit Magdeburgs geführt wurden.
überall herrſchenden Schulmängel und der den Obrigkeiten insbeſondere der Städte obliegenden Verpflichtung für die Jugend⸗ erziehung zu ſorgen. Erſt R. habe einen leichten, kurzen und naturgemäßen Weg erfunden, die Jugend in Sprachen, Wiſſen⸗ ſchaften, Lehren und Künſten einzig und allein zu Gottes Ehre und der chriſtlichen Kirche Wohlfahrt zu unterweiſen. Vielfache Proben haben den Werth dieſer Erfindung beſtätigt. Von R. nach dieſen glücklichen Specialverſuchen zu verlangen, daß er„das gantze Werck, mit allen vmbſtenden, ſchrifftlich entdecke, oder ja zum wenigſten dasſelbe durch eine Probe(wordurch ſie dennoch das gantze Werck verſtehen) gar richtig für Augen ſtelle, iſt nicht allein ein vnbilliges, ſondern ein gar ſeltzames, vnd vner⸗ hörtes anſinnen, Gleich als wenn ein Kunſtreicher Bawmeiſter, die allerſchöneſte Stadt auff ſeine koſten, ſolte bawen vnd auß⸗ führen, ehe vnd zuvorn man jhm noch einmahl recht zu bawen vergönnen, Ich geſchweige dann, daß man jhme die requisita vnd necessaria dazu ſchaffen vnd reichen thete.“ Der böſe Feind, der einen„merecklichen eingriff in ſeinem reiche“ befürchtet, habe es dahin geſpielet, wie er die Perſon des R. möchte verhaßt machen und ihn um Ehre, guten Namen und zeitliche Wohlfahrt, ja wohl gar um's Leben bringen oder doch von dieſer Lehrart wegreißen und verſtoßen könne mit Hülfe von undankbaren Schülern des Didaktikers. Nun der Magdeburger Rath ſich voll Vertrauen der gottgefälligen Sache des R. angenommen habe, ſo möge man mit gleichem Vertrauen dem Didaktiker auch in der Bürgerſchaft entgegenkommen.— Vgl. Jahns Jahrbb. 1872 S. 41, N. 14. 8. u. S. 42, N. 17. Der Titel des Ausſchreibens lautet: Außſchreiben,! Eines Ehrn Veſten Raths dero Stadt Magdeburgk,] Herrn WOILFGANGI!I RATICHII—] Didacticam oder LehrArt betreffende.(Wappen der Stadt Magde⸗ burg) Magdeburg, Gedruckt bey Wendelin Pohln, M. DC. XXI. ſ4 ⁰ 16 SS. Es folgen von S. 27 an, jedoch mit neuer Seitenzählung der Bericht der Jenaer und Gießer Profeſſoren.
*) R. ließ auch ſchon einzelne Bücher zu ſeiner Lehrart in Magdeburg drucken: 1) Etliche Eigenſchafften der Nenn⸗ wörter, Vornennwörter, Sprechwörter vnd Sprechnennwörter, nach den Abweichungen vnd verEnderungen zu der Lehrart Ratichii. Zu Magdeburg. gedruckt bey Wendellin Pohlen. 1621. 12 S. 4⁰.— 2) Aliquot affectiones Nominum, Pronominum, Ver- borum, et Participiorum: secundum Declinationes et conjugationes ad didacticam Ratichii. Magdeburg, Wendelin Pohl. 1621. 12 S. 4⁰. Es ſind dieſes die zu der allgemeinen Suunae einer jeden Sprache von R. geſondert gegebenen Paradigmen. Vgl. N. Jahrbb. f. Phil. u. Päd. 1872 II. N. 33— 37. S. 52.— Eine genaue Beſchreibung des Inhaltes der zwei Magdeburger Drucke findet ſich in Allgem. Bibliothek für das Sunl⸗ u. Erziehungsweſen in Deutſchland. Nördlingen VII, 2. 1779. S. 333—337. Nach dieſer Beſchreibung unterſcheiden ſich dieſelben gar nicht von den Cöthener Drucken. Auch der Druck eines„Leſe Büchlein für die Angehende Jugend zu Der LehrArt Ratichij“ war vorbereitet nach einer Notiz auf einem Zettel, der das Datum 11. März 1621 trägt.
**) Vgl. R. an Mich. Mejerus u. cons. d. d. Magdeburg den 30. Mai 1622:„ſondern iſt mein guter intent, Vnd die Aufhaltunge wegen der obligation, Alſo gedrehet Worden, das man mich mit etzlichen Geiſtlichen(dagegen Ich doch zu An⸗ fangs ſtracks protestiret, daß Ich mit Keinem Andern Alß mit der politiſchen Magiſtrat, welcher es allein zuſtehet, zu thun haben wolte) In Verwirrung weiß nicht wie Und auß was Vrſachen, hat fuhren wollen.“— Und hierzu beachte man vorzüglich folgende Stelle aus einem Schreiben, welches R. am 22. November 1623 von Rudolſtadt aus an Werdenhagen richtete:„Alhie gehe der herr ein wenig in ſich ſelber vnd bedencke gar woll, ob nicht ſolche feindſchafft vnd verfolgung viel mehr von wegen der Schillingſchen Sachen, So ihr vnd M. Cramer mit den Helmſtetiſchen vnd Wittenbergiſchen Universitet biß dato geführet vnd ſonderlich wegen der harten ſchreiben, ſo wider Cornelium vnd ſeine Adhaerenten vnter einem fallſchen Namen gepubliciret, herrühre, ja ob nicht der armſelige Ratichius viel mehr von Ewren feinden auß Magdeburg derhalben vertrieben, damit ihr vnter ſeiner didactica, wie den ewer aller intent geweſen, vnd ſolches auch dem Cramero offentlich auffgerücket wird, nicht wieder herfürbrechen thetet. Wolte Gott, Ihr ſoltet nur wißen, wie ich dieſer Orther ewrethalben von frommen vnd gelarten Leuten bin zugeſetzet vnd zum hoheſten gewarnet worden, darff doch faſt nicht einmal mehr bekannt ſein, daß ich der herrn kund⸗ ſchafft habe, ſo gahr ſehr werdet ihr ſamptlich vnd ſonderlich mit ewren adhaerenten gehaßet vnd verfolget. Wegen M. Probſten


