53
Dr. Otto Rauſenberger, geboren zu Frankfurt am Main am 24. September 1852, evangeliſcher Jonfeſſion, beſuchte das Gymnaſium zu Frankfurt, ſtudierte Mathematik und Naturwiſſenſchaft zu Heidelberg und Berlin, promo⸗ vierte am 4. Januar 1875 zu Heidelberg auf Grund einer Diſſertation(„Grundlagen zu einem Syſtem von Krümmungs⸗ coordinaten“) und beſtand am 17. März 1876 zu Marburg die Prüfung pro facultate docendi.
Die Sommerferien begannen am 3. Juli und dauerten vier Wochen. An der während derſelben ab⸗ gehaltenen Ferienſchule nahmen 40 Schüler Theil.
Am 2. September betheiligte ſich das Gymnaſium wieder an dem von der Stadt Caſſel veranſtalteten Feſtzuge nach der Carlsaue.
Die Abiturientenprüfung zum Herbſttermine 1876 wurde in ihrem ſchriftlichen Theile vom 14. bis zum 18. Auguſt, in ihrem mündlichen Theile am 16. September unter dem Vorſitze des Directors abgehalten.
Das Sommerſemeſter wurde am 23. September mit öffentlicher Prüfung der Herbſtklaſſen beſchloſſen.
Das Winterſemeſter und mit ihm ein neues Schuljahr für die Herbſtklaſſen(Sexta bis Unter⸗Prima) begann am 9. October 1876.
Mit dem Beginn deſſelben wurde dem Gymnaſium der Schulamts⸗Candidat Carl Finſterwalder als Probe⸗Candidat und Hülſfslehrer zugewieſen...
Carl Finſterwalder, geboren zu Heiligenſtadt am 28. December 1851, katholiſcher Confeſſion, beſuchte das Gymnaſium zu Heiligenſtadt, ſtudierte in Göttingen Philologie und beſtand daſelbſt am 27. Mai 1876 die Prüfung pro facultate docendi.
Die alljährliche Abendmahlsfeier für die evangeliſchen Lehrer und Schüler des Gymnaſiums war am 5. November 1876 in der St. Martinskirche..
Die Chriſttagsferien dauerten vom 25. December 1876 bis zum 6. Januar 1877.
Am 20. Januar fand in der Aula des Gymnaſiums eine muſikaliſche Abendunterhaltung(Vortrag der Chöre aus Sophokles Antigone) ſtatt. Eine bei dieſer Gelegenheit veranſtaltete Sammlung freiwilliger Gaben für die Kaiſer⸗Wilhelm⸗Stiftung hatte einen Ertrag von 148 Mark 32 Pfennig.
Mit Genehmigung Sr. Exellenz des Herrn Miniſters wurde die Abiturientenprüfung mit den Schülern der Klaſſe Ober⸗Prima a, deren Lectionsplan ſeit Herbſt 1876 um mehrere wöchentliche Lectionen verſtärkt worden war, bereits im Januar 1877 vorgenommen, und zwar in ihrem ſchriftlichen Theile vom 3. bis zum 9., in ihrem mündlichen Theile am 23. und 24. Januar unter dem Vorſitze des Provinzial⸗Schulrathes Dr. Rumpel. Dieſe Prüfung erhielt dadurch eine hervorragende Bedeutung, daß ſich derſelben auch der älteſte Sohn Sr. Kaiſerlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen, Se. Königliche Hoheit Prinz Wilhelm von Preußen unterzog. Der junge Prinz hatte das hieſige Gymnaſium ſeit Herbſt 1874 von der Klaſſe Ober⸗Secunda an ununterbrochen beſucht, ſich wie jeder andere Schüler den Ordnungen der Schule in jeder Hinſicht gewiſſenhaft unterworfen und genügte nun den Anforderungen der Abiturientenprüfung in ehrenvoller Weiſe. Die hohe Auszeichnung, welche dem Gymnaſium widerfahren iſt, darf mit freudigem Stolze in der Chronik deſſelben verzeichnet werden und wird den Lehrern und Schülern immer in erhebender Erinnerung bleiben. Die feierliche Entlaſſung der Abiturienten fand am 25. Januar ſtatt.
Aus Anlaß des Abganges des Prinzen vom Gymnaſium geruhten Se. Majeſtät der Kaiſer aller⸗ gnädigſt, dem Director den Adler der Ritter des Königlichen Hausordens von Hohenzollern, dem Profeſſor Dr. Weber den Rothen Adlerorden vierter Claſſe, den Oberlehrern Schorre, Dr. Lindenkohl, Dr. Auth I., Dr. Hartwig und Dr. Heußner den Kronenorden vierter Claſſe, dem Geſanglehrer Temme den Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens von Hohenzollern und dem Gymnaſialdiener Melcher das Allgemeine Ehrenzeichen zu verleihen.


