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Die Fürſtin wies ihn in ihrem Antwortſchreiben in mildeſter Form darauf hin, daß er ſogar noch in ſeinem an ſie gerichteten Bittſchreiben ſich ungebührliche Ausfälle gegen ſeine Herrſchaft erlaubt habe, daß man aber dennoch nicht ſein Verderben und Unheil wolle, ſondern nur ſeine Beſſerung ſuche,„das er entlich in ſich gehen, ſeinen vielfeltigen vngehorſam, trutz, vbermut, verunehrung vndt verſchimpffung der Obrigkeit, vnndt wieder dieſelbe vorſetzlich außgeſtoßene injurien erkennen vndt berewen, ſeinen haſtigen mutt brechen werde“. Je ſehnlicher R. eine Antwort der Fürſtin erwartet hatte*), je feſter er alle, und die beſte Hoffnung auf daſſelbe geſetzt hatte, um ſo tiefer traf ihn der unerwartete Inhalt des Schreibens; ſein verwundetes Rechts⸗ bewußtſein und ſein ſtarrſinniger Kopf gaben ihm alsbald den alten Muth und auch die alte Hoffarth wieder: am 16. October ſchickt er dem Fürſten die ihm von dieſem am 5. October verehrte Bibel mit einem trotzigen und verletzenden Briefe zurück. Wie höhnend fordert er den Fürſten auf, in dieſer Bibel alle Stellen, die er, weil ſie ihm„beweglich vorgekommen“, unterſtrichen habe, in wahrer Gottesfurcht und ohne Leidenſchaft zu leſen, damit er„die Eitelkeit dieſer Welt beßer erfahre, ſeinen haſten Muth breche, ſich in der Liebe Gottes vnd des Neheſten, was beßer, thun vbe vnd auch ſeinen Praeceptoren, den Wolgeplagten R., nicht ſo vnerhörter ſachen, vnd vnbarmhertziger Weiſe von ſeinem Werck vnd Göttlichen Beruff thue ſtoßen“.(Unter Anderem hatte R. zu der unterſtrichenen Stelle Act. 23. von der Obrigkeit, daß man ihr nicht fluchen ſolle, die Worte geſchrieben:„Gott wirdt dich ſchlagen du getünchte Wandt.“) Zugleich forderte er in ſeinem Briefe den Fürſten auf, er möge ſeine„Fürſtliche reputation ſelber beſſer in Acht nehmen“. Auch der Fürſtin wünſcht er gleiche Beſſerung. Ihm geſchehe Gewalt und Unrecht, und„da Gewalt gehet vber Recht, ſei beßer zu ſein Herr als knecht“. Man möge ſich ja nicht an ſeiner vielgeliebten Braut, der edlen und hochgelobten Didactica vergreifen, die ſei heilig, göttlich, verſtändig, keuſch, ſauber und rein und laſſe ſich nicht mit unſauberen Händen tractieren.
Als dieſes Schreiben ohne die gewünſchte Wirkung blieb, ſuchte R. durch einen Brief vom 24. October die Vermittelung ſeiner alten Gönnerin oder, wie er ſie nennt, ſeiner„Allerliebſten vnd Außer⸗ wehlteſten Fraw Mutter“, der Gräfin Anna Sophia. Er blieb ohne Antwort.
Am 1. November ſucht er den Fürſten dadurch zu gewinnen, daß er auf die Nothwendigkeit ſeiner Mithülfe bei den Arbeiten zur Fortführung des Cöthener Werks hinweiſt; am 2. will er durch ſeine Condolenz wegen der Erkrankung eines der Prinzen wirken. Wirklich machte der Fürſt Ausſicht auf Gnade, wenn R. „nicht in ſchlechten bloßen durch den windt wegfliehenden Wortten, ſondern im Wergk vnd in der that“ Reue und Beſſerung zeige, und erklärte, daß er die Sache nunmehr nur im Einvernehmen mit dem Herzoge zu Weimar weiter betreiben werde.
Die beiden Fürſten(der Herzog hatte Kospott zu dem Ende aus Weimar nach Cöthen geſchickt) ließen hierauf am 19. November durch eine beſondere Deputation(Freiberg, Brendel, Wolf, Secretarius Straube) R. die Gründe ſeiner Verhaftung vorhalten: daß er ſeine Verſprechungen vom 11. Juni und vom 7. September nicht gehalten und das Werk verzögert, die Collaboranten„mitt ſchmehen vnd aneinanderhetzen offendirt“, ſich „ehrenrührige Aeußerungen wider Fürſt Ludwig erlaubt habe und ſich habe„subduciren vnd aus dem Staube machen“ wollen, wodurch die Fürſtliche Reputation würde geſchädigt worden ſein.(Die 24 einzelnen Klage⸗ puncte beziehen ſich ſämmtlich auf mündliche oder ſchriftliche Aeußerungen R.s ſeit Anfang November.) Bei ſeiner protokollariſchen Vernehmung proteſtierte er gegen die ihm geſchehene Gewalt und Ungerechtigkeit; denn man fange den Proceß mit der Execution an, man laſſe ihn die Didektik nicht frei treiben wegen der Religion;
er habe aber ſeine Didactica niemals zur Calviniſchen Religion gebraucht wiſſen wollen, dieſelbe bringe
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*) Vergl. Verwalter Martin Pyrentz an Amtmann Itter zu Cöthen, d. d. Warmbſtorff 10. October 1619.


