Aufsatz 
Das Leben und die pädagogischen Bestrebungen des Wolfgang Ratichius : 2. Abteilung
Entstehung
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In der Fürſtlichen Erinnerung erkannte R. den ihm feindſeligen Einfluß ſeines früheren Freundes Gualtherus. Mit maßloſer Bitterkeit äußerte er ſich in ſeinen Verhandlungen mit den genannten drei Fürſtlichen Deputierten(zu denſelben kam am 5. October noch Profeſſor Wolfius hinzu)über den Gualter den Ladunckell, welcher ſeine ſedern, die er weggeworffen, auffgeleſen,den Salbader, der nur tadeln und ſelber nichts beſſer machen könne, den naſeweiſen Menſchen, der ſchon Glückwünſche dazu angenommen habe, daß er an R. s Stelle das Cöthener Werk dirigiere; derſelbe irre aber ſehr, wenn er die Hoffnung hege und ſogar ſchon ausgeſprochen habe, daß er die ſchriftliche Anweiſung zur weiteren Fortſetzung des Werkes dem Didaktiker abnöthigen werde, er(R.) wolle nichtvon einem ſolchen Kärl gehudelt werden und wolle mit ihm nichts zu thun haben. Gualtherus habe ihn ſchon einmal hintergangen, als er zu ihm nach Frankfurt gekommen ſei und ihm die Lehrart abzulocken verſucht habe, um ſie hernach in Jena für ſein Werk auszugeben und auszunutzen; hernach(1615)habe ihn Gualtherus dahin persuadiret, daß er den Methodum ſolte in die feder bringen, daher er das erſtemahl ſich obligiret, welches Vrſach allein Gualtherus geweſen. Der Ratichius habe, was er zugeſagt, gehalten, aber ihme wehre nicht gehalten worden. Wie der Methodus in die feder gebracht, ſo habe man ihm denſelben abzwingen wollen, dahero er auch von Weymar gezogen, darüber Gual- therus geweinet, wie ein Kindt.(Vgl. I. S. 43 f.)Waß von Gualthern herkombt, ſey ihm suspect, wolte mit Gualthern in den Sachen nichts mehr zu thun haben. Gualther hette geſagt, ſein Kopff wehre ihm, Ratichio, nicht richtig; er ſolte aber dem Tückiſchen Buben richtig genung ſein. Auch im Juni, vor der Eröffnung der Cöthenſchen Schulen, hätte Gualtherusſo viel zu wege gebracht, daß man ihn wieder zwingen wollen, den methodum von ſich zu geben, dahero Hertzog Johann Ernst mitt ihm auffgeſtoſſen, Fürſt Ludwig es wieder zurecht gebracht. Zuletzt,alß man ihn neülich nach Weymar gefodert, habe man dergleichen mitt ihm gethan; da ſie nun den ſchlißel wie Fürſt Augustus ihn nennt, zue Weymar wegbekommen, ſo wollen ſie ihn itzundt wieder haben.Alß er ſich dort entdecket, hett man ihn dermaßen erfreüett, indem aller mißverſtandt ſolte auffgehoben ſein, ihm angedeutet worden; jetzt bereue er bitter ſeine damalige Gutmüthigkeit. Er wehre niemandt als Gott vnderthan, vndt wolte ſeine Freiheitt behalten. Es ſtünde zwar ſein leben In der beyden Fürſten händen, man gedächte Ihn vmb Ehr, guten nahmen vnndt daß Leben zu bringen, wenn es Gott zulieſſe. Vndt weill J. F. G. den methodum Ja haben wolten, do er doch denſelben vorhero albereit ausgeſteldt, Ihn aber wider Zuſage noch nicht behendigett worden, ſo mechten Ihn J. F. G. hin⸗ nehmen, Wolte ſie Ihm denſelben widergeben, Stunde bey J. F. G., Ratichius würde doch ſeine gedancken wohl behalten. Darauff er den Methodum zur Hand genohmen vndt vnns(den Deputierten) zugeſteldt, mitt dieſen Worten, daß er durchaus nicht wolte, daß Fürſt Ludwigh ſeine Didacticam zur Calviniſchen religion, damit er, Fürſt Ludwig, vmbgingen, ſolte misbrauchen. Wehre er der Didactica wirdigh, vnndt ſie Ihm Gott gennete, wolte er ſie J. F. G. gerne mittheilen. Es hette noch kein Fürſt ſo Tyranniſch mit Ihm gehandeldt, als Fürſt Ludwigh die 8 tage hero gethan. J. F. G. ſolte ſich Ründe erkleren, ob ſie Ihn lenger auffm hauſe haben wolten oder nicht.

Die Deputierten referierten dem Fürſten dieſe Erklärungen des Didaktikers und überbrachten ihm den ihnen von R. übergebenen Methodus. Aberweill J. F. G. referiret worden, daß R. ſich vernehmen laſſen, es wehre kein Fürſt ſo Tyranniſch mitt Ihm vmbgangen, begehrten ſie ſolcher geſtaldt ſeinen methodum nicht anzunehmen, ſondern befahlen, Ihm denſelben hinwieder zuzuſtellen. Darauff R. In Gottes nahmen den Methodum zu ſich genohmen, vnndt die formalia repetiret: heldt Fürſt Ludwigh, ſo halte Ich auch. Will ein ander daß wergk dirigiren, ſo thu ers. Will es Walther thun, Ich bin wohl zufriden, er mechte erſt ſein Haus dirigiren. Ich glaube nicht, daß Job vom Theuffel erger Iſt geplagt worden, als Ich dieſe woche. Wenn es ſo ferner gehn ſolte, wehre es beſſer, Fürſt Ludwigh vnnd Ich wehren geſcheiden.

Noch an demſelben Tage, an welchem R. dieſe Erklärung abgab(5. October 1619), erhielt der