Aufsatz 
Das Leben und die pädagogischen Bestrebungen des Wolfgang Ratichius : 2. Abteilung
Entstehung
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den Ausſchluß der unreifen ABC⸗Schüler von der unteren Knaben⸗Claſſe, die Lectüre der Genesis unmittelbar nach dem Leſebuche und vor der des Neuen Teſtamentes, Anleitung zum Schreiben für alle Knaben⸗Claſſen, Wiederaufnahme der Bibellectüre, genauere Anweiſung des Lehrers Ulrich für die Lectüre des Terentius, Erinnerung der Lehrer an gute Ausſprache, Wiederaufnahme des Geſangunterrichtes bei den Knaben durch den Cantor(welcher dafür in der Mädchen⸗Claſſe durch einen anderen Lehrer erſetzt werden ſolle). Die Unterrichtszeit ſolle von 8 bis ½ 11 Uhr Vormitta gs(jedoch von 9 bis ½10 Uhr Geſangunterricht) ſein und Nachmittags von Uhr(für Geſang), ½ 2 ½1 3 Uhr Leſen, ½ 3 4 Uhr Schreiben und Rechnen. Endlich ſolle, um den Inſpectoren die Ueberwachung des Unterrichtes und der Lehrweiſe möglich zu machen, R. ſeinen ſchriftlich verfaßten methodum dem Fürſten aushändigen, damit ſich dieſe daraus inſtruieren könnten.

Der Ton dieſer Erinnerung, deren Sätze ſämmtlich mit ſoll oder muß begannen, verdroß R. auf's Stärkſte; er ſchrieb unter dieſelbeSoll vnd muß dieſes Alles Alſo ſein, So ſoll vnd muß Ich ſolches Auch laßen geſchehen. Wolfg. Ratichius. In Allem aber glaubte er den ihm feindſeligen Einfluß des Profeſſors Gualtherus zu erkennen, der ihn aus Cöthen verdrängen und den Ruhm des dortigen Werkes ernten wolle.

Die weiteren Verhandlungen ließ der Fürſt am 4. und 5. October durch Freiberg, Schilling und Brendel mit R. führen und ſich über dieſelben protokollariſchen Bericht erſtatten. In dieſen Verhand⸗ lungen ließ ſich R. in leidenſchaftlicher Erbitterung gegen den Profeſſor Gualtherus und gegen den Fürſten aus.

Vor Allem proteſtierte er gegen den in den Fürſtlichen Erinnerungen gebrauchten AusdruckSchul⸗ mängel,das er zwar erkente dieſe mängell alß mängell, iedoch nicht von der Didactica herrürende, ſondern von eüſerlichen anſtößen: Nemlichen das die Prediger das wergk kegen die Burgerſchafft verkleinert, die Eltern vndt Knaben irre gemacht, die praeceptores in Zweiffel gebracht, vor allen Dingen aber die inspectores welche das werck nicht verſtanden, vnndt nicht wollen vuterſuchen, weil ſie ſich vernehmen ließen, das ſie nichts davon hetten.

Was das Materielle der gerügten Mängel betrifft, ſo erklärte er ſich unbedingt gegen den Gebrauch von Schultafeln*) und für ſtrengen alleinigen Anſchluß an das Leſebüchlein, beklagte ſich darüber, daß man zu junge und zu wenig vorbereitete Knaben in die untere deutſche Claſſe aufgenommen habe, daß von den Lehrern zwei(Stubenrauch und beſonders der Küſter) wenig befähigt ſeien, und daß auch der noch nicht beſeitigte Mangel eines ausreichenden Schulgebäudes manche Nachtheile für den Unterricht, die Vertheilung der Knaben unter die einzelnen Claſſen ꝛc. zur Folge gehabt habe. Die Bibellection habe nicht er, ſondern Ulrich ohne ſein Wiſſen abgeſtellt, weil die Kinder die Bibeln dem Lehrer zurückgebracht hätten. Die Lectüre der Genesis verwarf er, ſo lange nicht dieſes Buch nach der Lehrartmit rechter distinction gedruckt vor⸗ liege. Wer die bisherige Weiſe, in welcher Terentius tractiert werde, tadele, verſtehe die Lehrart nicht. Und wenn die Inspectores die Ausſprache bemängelten, ſo möchten ſie erſtſelbſt recht pronunciren lernen; halte aber nicht, daß einer der inspectorn recht articulatim et distincte leſen könne; auch hätten ſie ſelbſt keine guten mores. Endlich,wer vber 3 Stunden des tages anordtnet, verſtehe es nicht, vnd rede wie ein Fantaſt darvon; undwann der Schuler eine ſtunde zugehöret, vndt der praeceptor eine ſtunde geleſen, werde ihn wohl nach dem Trunck verlangen. Auch habe er niemals verboten, Schüler, welche den ihrem Lehrer ſchuldigen Reſpect verſagten, zu beſtrafen.

*)propterea, daß viel Zeitt damit zugebracht vnndt die Kinder zum mahlen mitt der Kreide gewehnet werden, die Kleider beſchmutzen vnndt offtmals darüber von den Eltern vnzeitig geſtrafft werden müſſen. Weil ſie die Sprache aus den Büchern lernen müßten, ſſo müſſe man ſie alsbald in die Bücher führen und ſie nicht zerſtreuen. Zum Schreibenſey kein näher weg, alß er in Hebraicis gebrauche, das man den Knaben weiſe die feder zue halten, den ductum weiſe vndt die feder zu fhüren: will 20 wege zu ſchreiben zeigen, halte aber keinen gutt, alß dieſen, den er itzundt halte.