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übernahm gleichzeitig und gemeinſchaftlich mit Gualtherus im Frühjahre 1619 eine Art Aufſicht über die literariſchen Arbeiten der Collaboranten; endlich ſollte er vom Herbſte 1619 an auch Unterricht in der Metaphyſik ertheilen. Er war weit friedfertiger und milder geſinnt, als ſein Jenaer College, und blieb daher im Ganzen mit R. in ungetrübtem Einvernehmen. Seit Ende 1619 hat er ſich wohl nur ſelten und nur vorübergehend in Cöthen aufgehalten, arbeitete aber noch immer für Cöthen; insbeſondere ſchrieb er einen Commentar zu Gellis Circe und Cappricci del Bottaio*).
11. Lazarus Rabin(Rabbiner), ein jüdiſcher Gelehrter von unbekannter Herkunft, welcher ſeit dem Herbſte 1618 auf dem Schloſſe zu Cöthen hebräiſchen Unterricht ertheilte und dann ebenſo wie Pauli mit Ueberſetzungen, grammatiſchen und lexikaliſchen Arbeiten aus dem Talmud beſchäftigt wurde. Ende März 1619 ſuchte er ſich wieder los zu machen, um ſein Weib und Kind anderthalbhundert Meilen von Cöthen entfernt aufzuſuchen, aber man ließ ihn nicht ziehen. Erſt im April 1620 gelang es ihm, Cöthen heimlich zu verlaſſen.
12. Nikolaus Pompejus, ein geborener Schleſier, Stipendiat der Gräfin Anna Sophia, war im Winter 1618/19 in Cöthen mit der Correctur und deutſchen Ueberſetzung des Plautus beſchäftigt, zu welchem Dichter er auch Indices machte. Daneben ſollte er ſeit Anfang September 1619 vöchentlich eine Stunde Plautus leſen und, ſobald die Rhetorik gedruckt wäre, drei Stunden wöchentlich in Rhetoricis leſen und alle Woche ein exercitium oratorium halten, endlich auch in Wolfs Abweſenheit in Metaphysicis repetieren**).
13. Valentin Hinnickius, ein Student aus Zerbſt, war ſeit Herbſt 1618 drei Vierteljahre lang bei Chriſtian Pauli beſchäftigt, um demſelben bei dem Ueberſetzen hebräiſcher Tractate in's Deutſche behülflich zu ſein,„damit gemelter Christianus im deutſchen etwas fertiger wurde, und die periodos deſto beſſer und zierlicher lernete connectiren“. Da ihn aber dieſe Beſchäftigung gar nicht zu eigenen Studien gelangen ließ, ſo bat er am 11. Juli 1619 um einige remission und am 1. und 15. November, ihn von dem„anrüchtigen Menſchen“ Pauli zu trennen, einem ſo„Ehrenvergeßenen menſchen, vor welchem die leute, wie nicht unbillich, ſchew tragen“***).
14. Zu den Cöthener Mitarbeitern muß endlich auch Fürſt Ludwig ſelbſt gerechnet werden. Nicht genug, daß er ſich mit großem Eifer an der Prüfung der von den Collaboranten vorgelegten Arbeiten ſowohl rückſichtlich des Inhaltes, als auch in Bezug auf die Form— insbeſondere verbeſſerte er oft den deutſchen Ausdruck— betheiligte, ſo übernahm er auch ſelbſtändige wiſſenſchaftliche Arbeiten und war fleißig mit der Ausarbeitung einer neuen italieniſchen Grammatik beſchäftigt †).
Die nachſtehend verzeichneten Collaboranten des R. hielten ſich, ſo oft ſie nach Cöthen kamen, immer nur kurze Zeit daſelbſt auf und arbeiteten in ihrer Heimath für die neue Lehrart.
*) Vgl. Jahrbb. f. Phil. u. Pädag. 1872. II. S. 53 f. 101.— Wolf ſtarb zu Jena am 2. April 1623. Vgl. Günther, Lebensſkizzen. S. 174.
**) Die in Cöthen erſchienene Ausgabe des Plautus war am 26. Februar 1619 fertig gedruckt. Die Indices derſelben füllen 243 Seiten. Vgl. Jahns Jahrbb. 1872. S. 53.— Pompejus wurden auch Arbeiten zur lateiniſchen Grammatik über⸗ tragen.— Am 3. Juni 1620 wurde er von den beiden Fürſten auf ein weiteres Jahr engagiert und erhielt ein jährliches Gehalt von 210 Thlrn. zugeſichert. Am 23. März 1621 bittet er um ſeine Entlaſſung; Fürſt Ludwig fordert aber zunächſt die Vollendung der übertragenen Ausarbeitung der Allgemeinen Rhetorik(lateiniſch und deutſch) und der Ueberſetzung des Plautus und gewährte ihm die Entlaſſung erſt Ende April 1622. Von Weimar aus erhielt Pompejus am 22. November 1621 den Antrag, die Stelle eines Ciceronianus an der dortigen Schule mit 122 fl. Gehalt zu übernehmen.
***) Er war noch Ende 1620 in Cöthen und bezog damals ein Gehalt von monatlich 6 Thlrn. 21 gr.
†) Auch der prinzliche Hofmeiſter, der vielgereiſte Friedrich von Schillingk verſpricht am 16. November 1618 in
linguis Hispanica, Anglica etc. conatum suum. 3


