Aufsatz 
Das Leben und die pädagogischen Bestrebungen des Wolfgang Ratichius : 2. Abteilung
Entstehung
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auch bei mündlichen Verhandlungen(wie bei dem Erfurter Colloquium im März 1613) und durch Betheiligung an dem gedruckten Jenaer Berichte eintrat, wie er R. in Frankfurt beſuchte(September 1613) und auf Veranſtaltung der Herzogin zu Sachſen zur Empfehlung der Lehrart des R. Luthers Vermahnung an die Rathsherren ꝛc., mit einer Anzahl von geeigneten Stellen aus Luthers und Melanchthons Schriften vermehrt, herausgab, ferner wie ſein großer Eifer, die Lehrart in den Weimariſchen Schulen einzuführen, ihn 1614 bei R. in den Verdacht des Treubruches brachte, und wie er weſentlichen Antheil an der 1615 zu Halle erſchienenen Ausgabe der Methodus nova Ratichiana hatte*). Eine Verſöhnung mit R., angebahnt durch den Herzog zu Weimar, kam erſt bei dem Beſuche zu Stande, welchen der Didaktiker im Auguſt 1618 von Weimar aus in Jena machte. Gualtherus verſprach damals mit allem Eifer, das Cöthenſche Unternehmen nach beſten Kräften zu unterſtützen, und übernahm in ſeinem vom 28. Auguſt 1618 datierten Reverſe theologiſche und ſprachliche Arbeiten für die neue Lehrart. Im October deſſelben Jahres entbot ihn dann auf Fürſt Ludwigs Wunſch der Herzog Johann Erust zur Theilnahme an einer Berathung nach Cöthen und ertheilte ihm in Folge dieſer Berathung am 13. Januar 1619 den Befehl, ſich ein ganzes Jahr lang in Cöthen auf⸗ zuhalten,dasihenige, ſo zu berurter Lehrarth nothwendig, mit allem getreuen fleiß, vnd ſo viel die Zeit vnd gelegenheit leiden will, zu verferttigen vnd vnterthenigk zu übergeben, auch danebendie Hebraiſche Sprache zu den beſtimbten ſtunden zu profitiren vnd leſen. Seine Jenaer Profeſſur ſollte er behalten und ſich etwa alle zwei Monate auf 14 Tage nach Jena begeben, umin lectionibus, disputationibus oder ſonſten ettwas zu verrichten. Dafür ſollte er 350 fl. Jahresbeſoldung und freie Wohnung in Cöthen haben. Er ſiedelte demgemäß im März 1619 nach Cöthen über und beſchäftigte ſich dort zunächſt mit der Arbeit an dem zu der Lehrart beſtimmten Spruchbüchlein und an einem Dialoge zur Geneſis und revidierte die Ueber⸗ ſetzungen, welche Pauli, Hennicke und derRabin aus dem Hebräiſchen ihm zu liefern hatten. Aber ſchon bald nach der Eröffnung der neuen Schulen trat wieder eine Spannung zwiſchen ihm und R. ein, als der mißtrauiſche Didaktiker in ihm den Haupturheber der meiſten Ausſtellungen erkennen mußte, welche, beſonders ſeitdem Gualtherus im September 1619 einen Antheil an der Inſpection der Schulen erhalten hatte, an den Einrichtungen des Lehrplanes und des Unterrichtes in den Schulen erhoben wurden, und als er ferner aus der Freundſchaft, welche derſelbe mit den Gegnern hielt, und ſeinen wiederholten und eifrigen Bemühungen, die vollſtändige ſchriftliche Darlegung der ganzen Didaktik dem Erfinder abzunöthigen, den Beweis dafür zog, daß Gualtherus ſeinen Meiſter verdrängen und ſich ſelbſt an die Spitze des ganzen Cöthenſchen Unternehmens ſtellen wollte**). In der That wußte auch Gualtherus nach der Entfernung des R. den leitenden Einfluß auf die Fortführung des ganzen Cöthenſchen Werkes ſich zu verſchaffen und ſo lange zu behaupten, als daſſelbe von dem Anhaltiſchen Fürſten in Gemeinſchaft mit dem Weimariſchen Herzog fort⸗ geführt wurde.

10. M. Michael Wolfius, geboren am 3. October 1584 zu Regensburg, ſtudierte zu Jena und ward dort 1612 Profeſſor der Mathematik und 1613 der Phyſik, 1616 auch der Logik und Metaphyſik. Auch er hatte ſich ſchon Ende 1612 für die neue Lehrart gewinnen laſſen und hatte im März 1613 an der Zu⸗ ſammenkunft zu Erfurt Theil genommen. Gleichzeitig mit Gualtherus verpflichtete er ſich zu philoſophiſchen Arbeiten für R., namentlich zur Ausarbeitung der Phyſik und der Metaphyſik nach der Didaktik, und

*) S. o. I. S. 15. 16. 17. 19*. 20. 25. 36. 39. 44.

**) Gualtherus übertriebener Ehrgeiz wurde auch dem Fürſten Ludwig klar, als jener zu Anfang December 1619 ſich plötzlich auch zum Oberaufſeher der Druckerei aufwerfen wollte. Uebrigens blieb er in ſeiner Stellung bei dem Cöthener Werke bis zu der Auseinanderſetzung zwiſchen Fürſt Ludwig und Herzog Johann Ernst. Hierauf wurde er Superintendent in Gotha, ſpäter in Braunſchweig und ſtarb hier am 15. November 1640. Vgl. Günther, Lebensſkizzen der Profeſſoren der Uni⸗ verſität Jena. 1858. 8. S. 174.