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6. Chriſtoph Vierthaler, ein damals wahrſcheinlich bereits ziemlich bejahrter und wenig ener⸗ giſcher Mann, war Rector der Cöthener Schule und Rathmann. Er ſtellte als Schüler des R. im Griechiſchen am 9. Juli 1618 den üblichen Revers aus und beſorgte ſeit dem 21. Juni 1619 den Unterricht der grie⸗ chiſchen Knabenclaſſe und arbeitete auch im Lateiniſchen für die Didaktik.
7. Simon Christianus war Cantor an der Cöthener Schule. Er nahm zwar ſeit 9. Juli 1618 auch an dem lateiniſchen Privateurſus Theil, ſeine Betheiligung an dem Werke des R. ſcheint ſich aber darauf beſchränkt zu haben, daß er ſeit Juni 1619 in der neuen Schule die obere Mädchenclaſſe unterrichtete. Der Geſangunterricht, den er auch bei den Knaben zu leiten hatte, machte dem„kindiſchen Manne“, wofür ihn R. erklärte, wegen der Disciplin viel Schwierigkeit.
8. Chriſtian Pauli. Während R. ſich im Mai 1616 zu Caſſel aufhielt, kam ein Mann, welcher ſich Chriſtian Pauli nannte und zwar von jüdiſchen Eltern aus Poſen abzuſtammen, aber in Marburg in Gegenwart der Univerſität und der Gemeinde die chriſtliche Taufe empfangen zu haben vorgab*), zu dem Caſſeler Hofprediger Stein und bat dieſen um ſeine Verwendung, damit er einigen Verdienſt in Caſſel durch hebräiſchen Privatunterricht finden könne. Da Stein in dem Manne tüchtige Kenntniſſe des Hebräiſchen wahrnahm, ſo wies er denſelben an den gerade in der Stadt anweſenden R. Dieſer ſcheint jedoch die angebotene Hülfe damals nicht angenommen zu haben. Pauli taucht hernach wieder in Weimar auf, wo er ſich über ein Jahr lang aufgehalten hatte, als ihn R. Anfangs Juni 1618 als Collaboranten nach Cöthen entbieten ließ. Pauli folgte der Einladung Anfangs Juli, ward von R.„probiert“ und ziemlich brauchbar gefunden und zu Trost und Gueinzius einquartiert, um in hebraicis zu arbeiten. Indeſſen ſah man ihn überall mißtrauiſch an; ſeine Aufführung brachte ihn am letzten October 1618 in's Gefängniß(in's„Beckerheußlin“), und er wurde aus demſelben erſt entlaſſen, nachdem er durch ein„Bekenntniß und Revers“(vom 3. November 1618) ſeine„vielfeltige volbrachte mißethat vnd mutwillen“ eingeſtanden und ſich„hinfort des frevels, vnver⸗ ſchämbten lügens, Stelens, Volſauffens, vnd der leichtfertigen Dräuwworte gegen R., ond anderer leichtfertig⸗ keiten enteuſſern, vnd des herumblaufens ohne erlaubnüß enthalten“ zu wollen gelobt, auch verſprochen hatte, künftig gehorſam zu ſein und„mit den andern Juden in abweſen Herrn R.i gantz und gar nicht zu thun haben“. Er mußte für die neue Didaktik vielerlei Ueberſetzungen und Sammlungen aus dem Hebräiſchen machen und erhielt zum Dank für ſeine Arbeit außer ſchmaler Koſt und Wohnung oft ſchimpfliche Behandlung von Seiten des R. Am 18. April 1619 beklagte er ſich bitter beim Fürſten Ludwig darüber, daß ihn R. „mitt wortten, ſchlagen, ſchenden vnd ſchmehen gar vbel gehalten hett“, und er ein Gefangener ſei,„der nicht einmal zur Kirche und zum Sacrament gehen könne“, und ſpricht den beſcheidenen Wunſch aus,„wie ein anderer Menſch gehalten“ zu werden, dem nach gethaner Arbeit auch Luft geſtattet ſei; man möge ihm eine gewiſſe Beſtallung machen oder ihm den Abſchied geben. Im Auguſt 1619 ließ er ſich„ein vberaus groſſes Bubenſtück wider Gott vnd die natur“ zu Schulden kommen, welches nach dem Gutachten der Fürſtlichen Räthe die Todesſtrafe verdiente. Seit der Zeit wurde er gefangen gehalten, mußte aber in ſeiner Gefangenſchaft in ſeinen hebräiſchen Arbeiten fortfahren**).
9. M. Balthaſar Gualtherus(Walther), geboren am 1. Mai 1586 zu Allendorf in Thüringen, wurde 1606 Magiſter, 1611 Profeſſor der griechiſchen, bald darauf auch der hebräiſchen Sprache in Jena. Es iſt ſchon oben berichtet worden, wie er bereits im November 1612 in Weimar mit R. bekannt wurde, für die von dieſem erfundene Lehrart mit allem Eifer ſowohl in amtlichen Gutachten(December 1612), als
*)„lauttens meines ehrlichs Testimonii“. Gleichwohl hält Herzog Johann Ernst noch in ſeinem Schreiben vom 9. Juli 1618 an Fürſt Ludwig dafür, daß Pauli noch nicht getauft ſei. **) Vom 29. November 1621 bis zum 28. Juli 1622 ſaß er in Oberweimar gefangen.


