Aufsatz 
Das Leben und die pädagogischen Bestrebungen des Wolfgang Ratichius : 2. Abteilung
Entstehung
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Dienſte er war Gehülfe des Pfarrers zu Mühlſtett entlaſſen und ſiedelte zu Anfang des Monats Juni 1618 nach Cöthen über. Nach einer ſpäterhin(am 4. October 1619) von R. gegebenen Notiz hatte man ihn urſprünglich als Schulprediger in Ausſicht genommen; am 27. Mai 1618 verpflichtete er ſich indeſſen zur Mitarbeit für deutſche Sprache. Er nahm Theil an dem lateiniſchen Privatcurſus, welchen R. hielt, und übernahm bei der Errichtung der Schulen im Juni 1619 den Unterricht in der oberen deutſchen Knabenclaſſe*).

4. Jean le Clercq oder Clericus aus Frankfurt lebte wahrſcheinlich als franzöſiſcher Sprachmeiſter an dem Fürſtlichen Hofe zu Cöthen. Er nahm an dem im Juli 1618 von R. eröffneten Curſus der hebräiſchen Sprache Theil(Revers vom 3. Juli 1618), ertheilte ſelbſt franzöſiſchen Unterricht und arbeitete zugleich für die neue Lehrart in franzöſiſcher Grammatik und Lexikographie. Außerdem wurde ihm im Juni 1619 die Rechnungsführung bei der Druckerei übertragen, ein Geſchäft, welches er bis zu der Trennung der gemeinſchaftlichen Druckerei beſorgte**).

5. M. Chriſtian Gueinzius(Gueinz, Gueintzius), geboren zu Kolau bei Guben in der Nieder⸗ lauſitz(daher er ſich Gubena-Lusatus nennt) am 13. October 1592 als Sohn eines Pfarrers, beſuchte nach einander die Schulen zu Cotbus, Guben, Croſſen, Sorau, Bautzen und Stettin, ſtudierte ſeit dem 23. Juli 1615 Philoſophie und Theologie zu Wittenberg, wurde ſchon 1616 Magister und 1618 Adjunct der philoſo⸗ phiſchen Facultät daſelbſt. Er war einer der erſten Wittenberger Gelehrten, welche für die Sache des R. gewonnen wurden, und langte Anfangs Juli 1618 zu bleibendem Aufenthalte in Cöthen an. Er nahm alsbald Theil an dem hebräiſchen Unterrichte des R.(Revers vom 9. Juli 1618) und eröffnete in der Mitte deſſelben Monates ſelbſt einen Privatcurſus im Griechiſchen(Lucianus und Homerus). Seine litera⸗ riſche Thätigkeit für die neue Lehrart erſtreckte ſich auf die griechiſche Sprache und auf Philoſophie***).

*) Stubenrauch und Gueinzius waren die einzigen Cöthener Collaboranten, welche dem R. auch nach deſſen Entfernung von Cöthen Freundſchaft bewahrten. Die Beſoldung Stubenrauchs betrug monatlich 8 Thlr. 8 gr. Ueber ſein ſpäteres Leben fehlt alle Nachricht.

**) Sein Gehalt betrug jährlich 72 Thlr. Außerdem erhielt er für ſeine Mühewaltung bei der Druckerei jährlich 200 Thlr., wofür er jedoch alle durch dieſelbe verurſachten perſönlichen Unkoſten(Reiſen zu den Büchermeſſen u. ſ. w.) ſelbſt beſtreiten mußte.

***) Vgl. über ihn und ſeine ausgedehnte literariſche Thätigkeit im Allgemeinen Frid. Cahlenii Brabejum immortalitatis, beatis manibus Christ. Gueintzii collatum, seu vita ejus. Halae 1650. 4. Ludovici historia rectorum. II. Lipsiae 1709. 8. p. 4 sqq. 41 51. V, p. 343. Mittag, Halliſche Schulhiſtorie. 1747. I, S. 65 68. Anm. r., II, S. 3844. Barthold, Geſchichte der Fruchtbringenden Geſellſchaft. S. 231. R. von Raumer in K. von Raumers Geſchichte der Pädagogik. II, 2 S. 59 f. F. A. Eckſtein, Beiträge zur Geſchichte der Halliſchen Schulen. I. Halle, 1850. 4. S. 12 16. Nachdem Gueinzius vier Jahre lang in Cöthen thätig geweſen war, ſich auch daſelbſt verheirathet hatte, ſtudierte er ſeit 1622 in Wittenberg Jura, wurde 1623 daſelbſt Conſiſtorial⸗Advocat und hielt juriſtiſche Vorleſungen, wurde 1627 Schulrector in Halle und ſtarb als ſolcher 1650. Ueber ſeine Wirkſamkeit in Cöthen ſei noch Folgendes erwähnt. Seine Anſtellung, Anfangs auf ein Jahr, wurde am 3. Juni 1619 auf ein zweites und am 3. Juni 1620 auf ein drittes Jahr verlängert. Er blieb aber noch bis zum 30. April 1622 in ſeinem Amte in Cöthen. Seine Beſoldung betrug jährlich 200 Thlr. à 24 gr., dazu extra noch 50 fl. Er arbeitete an der griechiſchen Particular⸗Grammatik; die im Jahre 1620 in Cöthen erſchienenen beiden BücherT 05- 10,ο pd2αυαόνασ 71009 T)* 01daαxινꝛ*G undGriechiſcher Sprach Vbung, Ins Deutſche gebracht, Zur Lehr⸗Art⸗ (S. Jahrb. f. Phil. u. Päd. 1872. II. S. 55 ff. N. 45. 46.) ſind ohne Zweifel hauptſächlich ſein Werk. Auch an der Bear⸗ beitung der lateiniſchen Particular⸗Grammatik nahm er Theil(December 1619). Im Juni und Juli 1621 verfaßte er im Auftrage des Fürſten Ludwig eine Darſtellung der ganzen Didaktik; die Veröffentlichung derſelben, die unter des Gueinzius Namen geſchehen ſollte, ſcheint nicht zu Stande gekommen zu ſein. Gueinzius wurde 1641 Mitglied der Fruchtbringenden Geſell⸗ ſchaft und erhielt als ſolches den Beinamender Ordnende; in demſelben Jahre gab er eine Teutſche Sprach⸗Lehre heraus. Uebrigens gab er durch ſein etwas freies Leben in Cöthen Anſtoß und hatte ſich mehrmals wegen grober Beleidigungen zu vertheidigen, mit denen er beim Glaſe Wein freigebig war. Mit R. blieb er ſtets in gutem Einvernehmen, verkehrte auch noch nach deſſen Entfernung mit ihm.