Aufsatz 
Das Leben und die pädagogischen Bestrebungen des Wolfgang Ratichius : 2. Abteilung
Entstehung
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Unterweiſung durch R., ehe er für befähigt zur Ertheilung von lateiniſchem Unterrichte erklärt wurde*). Seit der Einführung der Didaktik in den Schulen Cöthens(21. Juni 1619) war er Lehrer der lateiniſchen Claſſe, nachdem er ſeit Juni 1618 als Schüler an dem lateiniſchen und hebräiſchen Privateurſus des R. ſowie an dem griechiſchen des Gueinzius Theil genommen hatte. Die ihm übertragene literariſche Arbeit erſtreckte ſich auf das Lateiniſche; als erſte Frucht derſelben konnte er gegen Oſtern 1619 einen von ihm angefertigten Index zu Terentius vorlegen. Er heirathete im Frühjahre 1619, hatte aber ſeitdem doppelt zu klagen über viel Arbeit und wenig Einnahme.

2. Martin T rost, geboren zu Höxter in Weſtfalen am 11. November 1588, beſuchte die Schule ſeiner Geburtsſtadt, wo ſein Vater Rector war, und widmete ſich dann in Wittenberg dem Studium der Theologie. Hier warf er ſich auf Anregung des Profeſſors Lorenz Fabricius mit ſolchem Eifer auf das Studium der orientaliſchen Sprachen, daß er unter die kurfürſtlichen Beneficiarii oder Stipendiarii auf⸗ genommen wurde. Ihn hatte Abraham Ulrich, welcher im Auftrage R.s nach Wittenberg gereiſt war, um einen im Lateiniſchen und Hebräiſchen wohl erfahrenen Studiosum für ihn zu gewinnen, bewogen, ſeine ganze Zeit und Arbeitskraft dem Didaktiker zur Verfügung zu ſtellen. Am 23. April 1618 verpflichtete er ſich, ein Jahr lang gegen Gewährung freier Wohnung und Zehrung in Cöthen täglich eine Stunde zu docieren und ſonſt zu helfenim Werke laborieren. Gegen Ende des Monates Juni 1618 traf er in Cöthen ein und begann, nachdem ihn R. in die neue Lehrart eingeführt hatte, bereits Mitte Juli nach derſelben einen Lehr⸗ curſus der hebräiſchen Sprache mit dem Leſen der Geneſis**). Daneben nahm er ſelbſt Theil an dem lateiniſchen Lehrcurſus des R. und an dem griechiſchen des Gueinzius. Seine hauptſächlichſte Beſchäftigung aber war eine literariſche und beſtand in lexikaliſchen und dann auch in grammatiſchen Arbeiten, umdie hebräiſche Sprache in Richtigkeit zu bringen.

Als ſein Jahr abgelaufen war, ließ er ſich am 3. Juni 1619 auf ein zweites Jahr engagieren, in Lexicis hebraicis et aliis orientalibus zu arbeiten und die hebräiſche ſowie andere orientaliſche Sprachen nach der Didaktikvorzuleſen. Dafür wurde ihm ein Jahresgehalt von 200 fl.(à 20 gr.) gewährt. Nach der Eröffnung der Ratichiſchen Schulen blieb ſeine Lehrthätigkeit auch nur auf jenen hebräiſchen Curſus beſchränkt, und erſt vom Herbſte 1619 an ſollte er unter Anleitung des Profeſſors Gualtherus auch praxin gramma- ticam im Hebräiſchen docieren. Im October 1619 verheirathete er ſich in Cöthen. Von den in Cöthen Pro didactica gedruckten Büchern gehören ihm die Tabulae novae Grammatices Syriacae, beſonders das große Lexicon Syriacum und die ſyriſch⸗hebräiſche Ausgabe des 1. Briefes St. Johannis.

3. Rudolf Stubenrauch aus Deſſau, ein junger reformierter Theolog, früherer Stipendiarius des Fürſten Rudolf zu Anhalt⸗Zerbſt. Auf den Wunſch des Fürſten Ludwig wurde er aus ſeinem Zerbſter

*) Obligatio vom 13. Mai 1618.

**) An demſelben nahmen nur Gueinzius und Jean le Clereq Theil. Siehe deren Revers vom 9. Juli 1618. Durch Vermittelung des Herzogs Johann Ernst zu Weimar ertheilte der Kurfürſt Ende Juli 1618(Kurfürſt Johann Georg an Herzog Johann Ernst d. d. 3. Auguſt 1618) ſeinem Beneficiarius die erbetene Dimiſſion auf ein Jahr. Die Univerſität Wittenberg hatte das ihr vom Kurfürſten zur Begutachtung übergebene Geſuch auf Verwendung des Profeſſors Martini befürwortet.

***) Vgl. Zur Bibliographie des Ratichianismus in N. Jahrbb. f. Phil. u. Päd. II. 1872. S. 100 f. Trost blieb auch nach R.s Entfernung noch mehrere Jahre in Cöthen und zwar bis zum 1. April 1622 im Dienſte der beiden Fürſten von Weimar und Anhalt, ſeit dem nur im Dienſte des Fürſten Ludwig. Am 24. September 1623 erhielt er von dieſem die er⸗ betene Entlaſſung. Hierauf bekleidete er eine Profeſſur in Roſtock, ging Oſtern 1625 von da als prof. ling. hebr. nach Helmſtädt, zog von da ſchon nach einem Jahre nach Soroe in Dänemark und folgte endlich 1629 einer Berufung als Profeſſor nach

Wittenberg. In dieſer Stellung verblieb er bis zu ſeinem Tode(1636). Vgl. Bruns, Verdienſte der Profeſſoren zu Helmſtädt. Halle und Berlin, 1810. S. 13.