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15. M. Laurenz Wagner P. L. C. aus Dippoldswald, gebildet im Moldanum bei Grimma und in Wittenberg, war von 1603 an Lehrer am Moldanum, wurde aber 1610 wegen andauernder Kränklichkeit aus dem Schuldienſte entlaſſen und wohnte ſeitdem, mit literariſchen Arbeiten beſchäftigt, in Grimma. Auf Rhenius Empfehlung kam er Ende Juni 1618 nach Cöthen und übernahm die Verdeutſchung des Lucianus. Im Sommer 1619 ſchickte er die von ihm gefertigte Ueberſetzung von Aristea, Cebetis tabula und Epicteti enchiridion*) und erbot ſich, eine Ueberſetzung des Homerus zu liefern.
16. M. Johannes Rh enius, geboren 1574 zu Oſchatz in Meißen, Zögling der Schulpforte, ſtudierte in Leipzig, ward daſelbſt Conrector an der Thomasſchule, 1609 zugleich Adjunct der philoſophiſchen Facultät, Herbſt 1618 Rector zu Eisleben. Da über ihn unten in dem Abſchnitte von den Ratichianern ausführlich gehandelt werden wird, ſo ſei hier nur darauf hingewieſen, daß er ſich theils durch ſeine kurzen und praktiſchen Schulbücher, mit denen er ſeit dem Jahre 1611 gegen die Alleinherrſchaft der Melanchthonſchen Grammatik in den Schulen und für die Einführung einer verbeſſerten Methode des Sprachunterrichtes auftrat, theils durch ſein eigenes ausgezeichnetes Lehrgeſchick den Ruf eines bedeutenden Schulmannes erworben hatte. Schon im Frühjahre 1613 ſuchte er ſich in directe Verbindung mit R. zu ſetzen, da er in Allem, was er von deſſen neuen Lehrart gehört hatte, die vollſte Uebereinſtimmung mit ſeinen eigenen didaktiſchen Grund⸗ ſätzen fand. Im Jahre 1617 veröffentlichte er den von R. ſelbſt abgefaßten Bericht von der neuen Didaktik, welcher gegen R.s Willen ſchon zwei Jahre vorher in Halle gedruckt erſchienen war, und die von Helvicus und Jungius ausgearbeitete Praxis ac Methodi delineatio**); alle drei Stücke verſichert Rhenius aus R.s eigener Hand in Leipzig übergeben erhalten zu haben. Als ſich nun R. in ſeiner Nachbarſchaft niedergelaſſen hatte, ſuchte Rhenius denſelben zu Pfingſten 1618 in Cöthen auf und brachte ihm das Verſprechen, das dortige Werk durch Arbeiten im Lateiniſchen und Griechiſchen nach Vermögen zu befördern. Insbeſondere übernahm er die Verdeutſchung lateiniſcher Schriftſteller(Terentius und Plautus)***).
17. Wolfgang Franz,(Franze, Frantzius) geboren zu Plauen 1564, ſtudierte zu Frankfurt a. O. und ſeit 1585 zu Wittenberg, wurde hier 1598 Profeſſor der Geſchichte und 1605 Profeſſor der Theologie und Probſt an der Schloßkirche. Durch Martin Trost mit den Beſtrebungen des R. bekannt geworden, ver⸗ folgte er mit großem Intereſſe die Cöthener Bewegung und ſuchte des Didaktikers perſönliche Bekanntſchaft. Die gemäßigte und verſöhnliche Richtung, welche er in der lutheriſchen Orthodoxie einnahm †), ließ ſeine Mit⸗ wirkung dem in reformiertem Lande, unter einem reformierten Fürſten thätigen R. ganz beſonders wünſchens⸗ werth erſcheinen; er nahm daher ſehr gern das Anerbieten deſſelben an, die in Cöthen zur Lehrart abgefaßten Schriften aus dem theologiſchen Gebiete(insbeſondere z. B. das Spruchbüchlein) vor dem Drucke einer Durchſicht zu unterziehen † †).
*) Vgl. Jahrbb. f. Phil. u. Päd. 1872. II, S. 95.— Für die Ueberſetzung der genannten drei Schriften erhielt er 7 fl.— Ueber ihn vergl. Lorenz, series praeceptorum IIlustris apud Grimam Moldani. Grimae 1849. 4. p. 23.
**) S. o. I, S. 36 ff.— Jahrbb. f. Phil. u. Päd. 1872. S. 43 ff.— Im Sommer 1615 beſuchte ihn R. in Leipzig. ***) Die Ueberſetzung des Terentius wollte er noch im Juni 1618 fertig liefern, hatte dieſelbe aber doch am 8. Juli noch nicht vollendet.
†) Vergl. Tholuck, Lebenszeugen der lutheriſchen Kirche. Berlin, 1859. S. 172— 177. Allgemein rühmte man Franz als einen Mann von tiefer Frömmigkeit und großer Milde und Liebe. Im Jahre 1620 verlor er in Folge eines Schlagfluſſes die Sprache und ein Auge und ſtarb nach langen Leiden 1628. 4
††) Seinen frommen und verſöhnlichen Sinn bewährte er auch, als er Ende November 1619 zur Vermittelung zwiſchen R. und dem Fürſten angerufen wurde. Er hielt dem Didaktiker ſein ungeziemendes Benehmen gegen den Fürſten vor, tadelte ihn ernſt darüber, daß er ſich ſo lange Zeit des Kirchenbeſuches enthalten habe und ermahnte ihn, ſich mit Gott zu verſöhnen, nicht ſein Recht, ſondern Gnade zu ſuchen auch bei der Obrigkeit.(Den 24. November 1619.)


