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forderungen keineswegs entſprachen, ſo war man darauf bedacht, ſolche Gelehrte nach Cöthen zu ziehen, welche mit anerkannter Tüchtigkeit in ihrem Fache entweder die beſtimmte Abſicht verbanden, ſich dem Dienſte als Lehrer an den neuen Schulen zu widmen, oder ihre literariſche Arbeit eine Zeit lang lediglich der Herſtellung von Lehrbüchern für die Didaktik zu widmen ſich verpflichteten, nachdem ſie in Cöthen durch R. mit den Grundſätzen derſelben ausreichend bekannt gemacht worden wären. Die„Collaboranten“ dieſer doppelten Art verurſachten den beiden Fürſten einen nicht geringen Koſtenaufwand, da man für ihren Unterhalt in Cöthen ſorgen und ſie auch ſonſt für ihre Mühewaltung belohnen mußte. Schon die Rückſicht auf den Koſtenpunkt machte es daher nöthig und wünſchenswerth, auch ſolche auswärtige Mitarbeiter unter den Gelehrten der deutſchen Univerſitäten und Schulen zu gewinnen, welche, ohne ihren Wohnſitz nach Cöthen zu verlegen, an den Arbeiten ſich betheiligten.
Der Ruf des in Cöthen beginnenden Unternehmens verbreitete ſich ſchnell in Mitteldeutſchland, ſodaß es an Anerbietungen auswärtiger Gelehrten zur Betheiligung ſchon im Laufe der erſten Monate keineswegs fehlte. Eine ganze Reihe von Profeſſoren und Schulmännern fanden ſich ein, ließen ſich mit der Didaktik bekannt machen und prüfen, ob R. ihre Hülfe gebrauchen könne, und nahmen ſodann an den Berathungen über die Vertheilung der Vorarbeiten Theil.„Zu Cöthen, ſchreibt Mart. Trostius in der erſten Hälfte des Juni 1618 an Andr. Richter, iſt ein allgemeiner Ratichianiſcher Grammaticaliſcher Reichstag, darauff ſein Ver⸗ ſchrieben als Directores Rhenius, Gueinzius und Trostius“.
Derjenige freilich, auf deſſen Mitwirkung R. damals am meiſten rechnete, und von dem er erklärte, daß er beſſer wie jeder andere ſein Werk kenne und mehr wie jeder andere mit ihm übereinſtimmte, der Baſeler Profeſſor Lucius*), legte die erwartete Bereitwilligkeit, alsbald nach Cöthen zu kommen, nicht an den Tag. Vor Ende April 1619 ſcheint Lucius Cöthen nicht beſucht zu haben; ebenſowenig finden ſich vor dieſer Zeit Spuren einer thätigen Mitarbeit von ſeiner Seite. Dagegen übernahm er, als ihn eine größere Reiſe, welche er im Sommer 1619 durch Deutſchland, Holland und Friesland machte, auf beſondere Einladung und auf Koſten des Fürſten Ludwig gegen Ende April 1619 auch nach Cöthen führte, den ihm von Herzog Johann Ernst und Fürſt Ludwig am 11. Juni 1619 ertheilten Auftrag, die Metaphyſik und Logik des Aristoteles zu Hauſe für die Lehrart deutſch zu bearbeiten.
Ebenſo wie der Baſeler Profeſſor, entſprach auch der ausgezeichnete Anhaltiſche Schulmann Marcus Friedrich Wendelinus*) den Hoffnungen des R. nicht; trotz der Bemühungen des Fürſten Ludwig, trotz
*) Ludwig Lucius, zu Baſel am 9. Februar 1577 geboren, zu Mühlhauſen und Baſel gebildet, 1601 Diakonus und Schulrector zu Baden⸗Durlach, wohnte dem theologiſchen Collegium zu Baden bei, ging, wegen ſeiner reformierten Confeſſion entlaſſen, 1604 nach Wingarten und von da nach Heidelberg, wurde hierauf Conrector zu Amberg und folgte 1611 einem Rufe als Profeſſor der Logik nach Baſel.— In ſeiner theologiſchen Richtung hatte er ſich eben durch einen veröffentlichten theolo⸗ giſchen Tractat den reformierten Anhalter Höfen empfohlen, als ihn R. an ſein Verſprechen erinnerte und nach Cöthen einlud. Als Lehrer hatte er ſich in Amberg bewährt; nur war er dort, nach einer Aeußerung des Fürſten Christian, mit ſeinen Freunden ein wenig zu geſellig geweſen. In Baſel hatte ihn R.(1617) für ſeine neue Lehrart gewonnen,(ſ. o. I. S. 49), ihn nach derſelben im Lateiniſchen unterrichtet und von ihm das Verſprechen erhalten, ſich mit ihm für immer zu verbinden, ſobald ſich eine feſte Stätte für das pädagogiſche Unternehmen gefunden hätte. Ein Anonymus, welcher den Fürſten Christian dem R. abwendig machte, behauptete freilich, Lucius und Buxtorf hätten„nur darumb verſprochen, hülffe zu leiſten, wenn ſie gefodert werden, daß Sie Seiner loß würden, vndt im guten von ihm kämen“. In Baſel gab Lucius im Auftrage des akademiſchen Senats Praecepta artium, Grammaticae latinae et gruecae, Logicae, Rhetoricae et Poeticae zum Gebrauche des Baſeler Gymnaſiums und der dortigen Akademie heraus. Vgl. Sachs, Geſchichte des Gymnaſiums zu Carlsruhe. Durlach, 1787. 8. S. 179.— Lucius ſtarb 1642.
**) Wendelin war 1584 zu Sandhagen bei Heidelberg geboren, wurde Lehrer Anhaltiſcher Prinzen, begleitete dieſelben auf einer Reiſe durch Frankreich und wurde 1610 Rector zu Zerbſt, in welcher Stellung er bis zu ſeinem Tod⸗ l052 verblieb.
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