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zur Förderung des Ratichiſchen Werkes zu verbinden. Zugleich ſuchte ſie den Didaktiker zu bewegen, ein gutes Verhältniß mit dem Weimariſchen Hof wieder anzubahnen*); er möge an den Herzog ſchreiben und demſelben auseinanderſetzen, worin man in Weimar gegen die Lehrart verſtoßen habe, und was von der dort gedruckten deutſchen Grammatik zu halten ſei. . Wirklich erklärte ſich Johann Ernst auf eine Anfrage des Fürſten Ludwig mit der Erkärung, daß er die ihm vorgelegten 13 Puncte ſämmtlich für recht und gut halte, am 12. Mai 1618 gern bereit, das Werk nach ſeinem Vermögen zu befördern, kam auch am Mittwoch nach Pfingſten ſelbſt in Begleitung Kospotts**) nach Cöthen und ſchloß wegen der gemeinſamen Betreibung des Werkes in Cöthen mit Ludwig***) ab.
Weiter hoffte man mit mehr oder weniger Zuverſicht, durch Gräfin Anna Sophia die Betheiligung ihres Gemahles, des Grafen Carl Günther von Schwarzburg⸗Rudolſtadt zu gewinnen,(obwohl derſelbe ſich dem Eifer ſeiner Gemahlin Anna Sophia gegenüber, welche ihrem„Pflegeſohne“ R. einen Collaboranten auf ihre Koſten halten wollte, ſehr kühl verhielt), ebenſo durch den Grafen von Gleichen diejenige des Coburger Hofes, und endlich baute man auf einige Unterſtützung durch den Eiſenacher Hof trotz der zahlreichen hartnäckigen Gegner, welche R. gerade in Eiſenach hatte.
So war denn die erſte nothwendige Bedingung für R. erfüllt; er hatte die ſichere und dauernde Unter⸗ ſtützung zweier Fürſten erreicht, welchen es um eine kräftige Beförderung ſeines Werkes aufrichtiger Ernſt war.
Als Ort für die Errichtung einer Ratichiſchen öffentlichen Schule und als Mittelpunkt für die zur Beförderung des Werkes erforderliche literariſche Thätigkeit von Gelehrten, auch als Platz für eine bloß dem Dienſte der neuen Lehrart gewidmete Buchdruckerei wurde Cöthen beſtimmt. Zwar wünſchte Johann Ernst, daß R. lieber nach Weimar komme, wo der Einführung der Lehrart bereits in umfaſſendſter Weiſe vorgearbeitet worden ſei, und wo wegen der Nähe der Univerſität Jena und wegen der in Weimar her⸗ gerichteten neuen Buchdruckerei für die Abfaſſung der nöthigen Compendien und für den Druck der Bücher weit mehr Hülfsmittel zu Gebote ſtünden, als in dem kleinen und abgelegenen Cöthen. Aber R. hatte eine unüberwindliche Abneigung gegen Weimar, wo er namentlich Kromayer haßte, und erklärte auf das Be⸗ ſtimmteſte, nicht von Cöthen weichen zu wollen.
§. 8. Die Cöthener Collaboranten.
R. hatte ſich durch ſeinen oben erwähnten Revers dem Fürſten Ludwig gegenüber eigentlich nur dazu verpflichtet, die von dem letzteren beabſichtigte praktiſche Verwerthung der neuen Lehrart für die Anhaltiſchen Schulen dadurch vorzubereiten, daß er eine Anzahl von Gelehrten in der von ihm erfundenen Methode unterwieſe und dieſelben zu Lehrern der neu einzurichtenden Schulen heranbildete. Es handelte ſich alſo zunächſt um die Gründung und Fortführung einer Art von Lehrerſeminar. Da aber die Einführung der Didaktik in den öffentlichen Schulen zur nothwendigen Vorausſetzung auch die Ausarbeitung und Herausgabe der geeigneten Lehrbücher hatte, an deren möglichſt vollendeter Abfaſſung Alles gelegen war, und die ohne R. s Betheiligung und Genehmigung in Weimar nach der neuen Lehrart bereits erſchienenen Schulbücher ſeinen An⸗
*) Anna Sophia an R. d. d. Rudolſtadt den 8. Mai 1618. **) Nach Joh. Ernsts Schreiben vom 18. Mai 1618 wollte er außer Kospott auch Dr. Brendel zu dieſer Zuſammen⸗ kunft mitbringen. ***) Er verſprach, zwei„feine in ſprachen ſonderlich den orientalibus woll erfahrene geſellen(Trostius und Gueinzius?) mitt ſeinen vnkoſten“ in Cöthen zu halten, ſowie er auch den Unterhalt des Juden Pauli übernahm.— Im Ganzen hat Johann Ernst zur Beförderung des Ratichiſchen Werkes nach und nach die bedeutende Summe von 9774 Thalern nach Cöthen geſchickt.


