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1618 ſagte er ſich ganz von derſelben los, indem er ſich auf die Mißerfolge des Didaktikers in Heſſen, Naſſau, Hanau, beim Markgrafen von Baden, in Augsburg und in Baſel, ſowie auf die Urtheile der von ihm befragten Schulmänner und vornehmlich auf ein von ihm eingezogenes Gutachten eines Gelehrten berief*).
Während Fürſt Ludwig ſo nur auf einige Beihülfe ſeines Bruders Rudolf zu Anhalt⸗Zerbſt rechnen durfte, eröffnete ſich durch die Vermittelung der bewährten Gönnerin R.s, der Gräfin Anna Sophia zu Schwarzburg⸗Rudolſtadt, die ſichere Ausſicht auf eine thätige Mitwirkung des Weimariſchen Hofes.
Die plötzliche Abreiſe R.s von Weimar und Erfurt hatte zwar ſeiner Sache dort viel geſchadet und ſeinen Gegnern manches verlorene Terrain wiedergegeben. Aber demungeachtet war weder der Herzogin Dorothea Maria Intereſſe, noch des jungen Herzogs Johann Ernst Eifer dadurch erkaltet oder erloſchen. Dorothea Maria war am 18. Juli 1617 plötzlich geſtorben; noch ihr Teſtament bekundete die Treue, mit der ſie dem Didaktiker bis zum Tode zugethan geblieben war; ſie hatte demſelben zu ſeinem Werke 2000 fl. vermacht**). Und der Herzog Johann Ernst ſetzte mit Hülfe ſeines Hofpredigers Kromayer die Einführung der neuen Lehrart, ſoweit man dieſelbe kannte, in den Weimariſchen Schulen rüſtig fort***).
Kaum hörte Anna Sophia von dem Vorhaben ihres Bruders Ludwig, ſo ſchrieb ſie an denſelben †), um ihn darauf aufmerkſam zu machen, daß Johann Ernst gewiß nicht abgeneigt ſein werde, ſich mit ihm
*) Sein franzöſiſcher Brief d. d. Amberg den 8. September 1618 iſt bei Niemeyer in der weſentlichſten Stelle abgedruckt. Demſelben Briefe, liegt das erwähnte Gutachten des„très homme de bien et qui scayt bien ce qui est de l' institution de la jeunesse“ bei. Dieſer Gelehrte erkennt die Mängel der in den Schulen jener Zeit herrſchenden Methode an, ebenſo die guten fundamenta der Lehrart des R., daß man a generalibus ad specialia, a facilioribus ad difficiliora gehen, nicht viel auf einmal, ſondern eines nach dem anderen lernen, ex conformibus libris lernen müſſe und durch die Mutterſprache andere erkläre; er findet es aber ſchwer und faſt unmöglich, noch zur Zeit die Sache in's Werk zu richten,
1) weil alle Mühe den Schülern abgenommen und den Lehrern aufgeladen würde, ſodaß es ſchwer fallen werde, geeignete und willige Lehrer zu finden;
2) weil es an den nöthigen Parallel⸗Grammatiken(Hebräiſch, Griechiſch und Lateiniſch) und an den Dictionaria etc. noch fehle;
3) weil die Mühe, Arbeit und Unkoſten unter Viele vertheilt werden müſſe, und man wohl nicht die erforderliche Zahl Perſonen und Patrone bekommen werde;
4) weil der Verſuch in Augsburg keinen ſonderlichen Erfolg gehabt habe;
5) weil auch der von R. gemeinſchaftlich mit Lucius und Buxtorf in Baſel mit ſeiner Lehrkunſt gemachte Verſuch nach Buxtorfs eigenem Urtheile nur durch außerordentliche Bemühung der Lehrer nicht völlig mißglückt ſei;
6) weil auch des R. Verſuch in Caſſel erfolglos geblieben ſei;
Darum und weil R. ein Mann ſei, der Jedermann übel nachrede, widerrathe er, ſich mit R. einzulaſſen.
*) Vgl. Balth. Gualtheri Leich⸗ und Gedächtnüß⸗Predigt. Jehna, 1617. S. 44.— Mich. Wolffli Threnologia. 1617. S. 48.— M. Joh. Kromayer, Predigt, Bey dem Fürſtlichen Begräbniß der... Frawen Dorothea Maria, Herzogin zu Sachſen ... gehalten. Jehna, Joh. Beithmann.(1617) S. 50 f.— Noch bis kurz vor ihrem Tode hatte ſie mit Kromayers Hülfe ihre hebräiſchen Studien nach des R. Didaktik fortgeſetzt. S. daſ. S. 57.
***) Der Ratichianismus im Weimariſchen wird unten im Zuſammenhange dargeſtellt werden.⸗ Hier ſei vorläufig nur bemerkt, daß zur Oſtermeſſe 1618 eine deutſche Grammatik, ein lateiniſcher Terentius und eine deutſche Genesis unter der Anleitung von Kromayer nach der neuen Lehrart in Weimar gedruckt erſchienen, und daß eine deutſche Ueberſetzung des Terentius„von Wort zu Wort“ ſo weit vorbereitet war, daß man ſchon im Juni 1618 Proben derſelben nach Cöthen ſchicken konnte. In der Vorrede zu der deutſchen Grammatik gedachte man des R.„gar Ehrlich vnd woll“(Anna Sophia an Fürſt Ludwig den 28. April 1618). Aber weder dieſe Grammatik, noch jene Ueberſetzung fanden des Didaktikers Beifall. Dafür machte man ſich in Weimar auf ſeine Anregung ſeit Juni 1618 an die Verdeutſchung des Quintilianus, und die am 20. Juli 1618 überſandte Probe fand den Beifall der Cöthener Gelehrten. Auch einen deutſchen Vergilius ſchickte Herzog Johann Ernst am 9. Juli 1618 an Fürſt Ludwig.
†) d. d. Rudolſtadt den 28. April 1618.


