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War nun auch Fürſt Ludwig gleich feſt entſchloſſen, ſeinerſeits R. nach allen Kräften zu befördern*), ſo mußte er in Anbetracht der Unzulänglichkeit ſeiner eigenen Mittel ſich nach fürſtlichen Theilnehmern an der Beförderung umſehen.
Zunächſt richtete er ſeine Blicke natürlich auf ſeine Brüder, welche er ſchon im Jahre 1616 nach ſeiner Rückkehr aus Weſtfalen für die Sache zu gewinnen geſucht hatte. Am meiſten durfte er auf ſeinen Bruder Fürſt Augustus(zu Anhalt⸗Plötzkau) rechnen, da derſelbe mit R. ſchon während deſſen Augsburger Aufenthaltes verkehrt und für deſſen Werk ſich lebhaft intereſſiert hatte**). Indeſſen zeigte ſich gerade dieſer wider Erwarten zurückhaltend und ohne beſonderes Vertrauen in das Gedeihen eines Werkes, zu welchem der Erfinder den Schlüſſel ſo feſt halte***). Immerhin verſagte er ſeine Mitwirkung nicht gänzlich; nur rieth er möglichſte Beſchränkung; ſo möge man vorerſt„an der unterſten ſtaffel“ mit der deutſchen Sprache beginnen, da man dann weiter keine fremde Lehrer(Lucius und Wenqdelin) zu berufen brauche, und„ie eher zur ſchule komme, vnd ie balder man Ratichii perſon faße, vnd im nun bald ſeine Beſtellung mache, ſo beßer ſei es“ †). R. erklärte aber, ſelbſt für eine deutſche Schule fremder Hülfe zu bedürfen, und begehrte vor allem des Lucius und Wendelin Unterſtützung. 4
Mehr Eifer zeigte Fürſt Rudolf(zu Anhalt⸗Zerbſt) und erklärte ſich am 30. April bereit,„ſich ſeines Theils vom gemeinen Schluß zur Einrichtung und Beförderung des Werks nicht auszuſchließen“, auch Wenqdelin hinzugeben, und empfahl zugleich einen zweiten Gelehrten, Schroeterum, als guten Hebräer und Mathematiker zur Mitwirkung. Noch Mitte Mai durfte Fürſt Ludwig darauf rechnen, daß ſein Bruder Rudolf äußerſten Falles mit ihm allein die Koſten des beabſichtigten pädagogiſchen Unternehmens tragen werde.
Fürſt Johann Georg(zu Anhalt⸗Deſſau) lag zu der Zeit am Fieber darnieder und ſtarb im Mai 1618. Nach deſſen Tod war Fürſt Christian(zu Anhalt⸗Bernburg), damals Statthalter in der Pfalz, der älteſte Fürſt zu Anhalt. An ihn wandte ſich daher Ludwig am 20. Mai nach Heidelberg. Da derſelbe den Ludovicus Lucius früher in Amberg gehabt hatte, ſo hielt R. dieſen Fürſten für ganz beſonders geeignet, jenen Gelehrten nach Cöthen zu berufen. Fürſt Christian erklärte ſich auch am 31. Mai dazu bereit, wie er denn überhaupt ſeine Beihülfe für den Fall feſt zuſagte, daß Männer wie Lucius und Wendelinus ſich für die Sache erklärten † †). Indeß kühlte ſich ſein Eifer für die Sache ſchon bald ab, und am 8. September
*) R. machte ſich durch einen ſchriftlichen Revers anheiſchig, ſeine neue Lehrkunſt„in ſprachen den Jenigen, ſo S. F. D. zu dem end ahn ihn weiſen, dergeſtalt aufrichtig vnd getrewlich zu lehren, vnd ſie darin alſo zu vben, daß ſie nach derſelben eine Jede, ſonderlich die Hebreiſche, Griechiſche vnd Lateiniſche ſprachen, die Jugendt in viel weniger, vnd zum wenigſten binnen halber Zeit, als ſonſt nach anderen in Teutſchland gewohneten arten zu lehren geſchehen kan, auch mit viel weniger derſelben bemühung, grundtlich, wol vnd fertig lehren mögen“. Dagegen verpflichtete ſich Fürſt Ludwig,„bei Fr. trewen vnd glauben, daß er ſolche newe lehrkunſt nach vermögen vnd gelegenheit befurdern, einführen vnd fortſetzen, ſonſten ohne Wißen vnd be⸗ willigung R.i nicht offenbaren, noch treiben vnd offenbaren laßen, auch niemanden dazu aufnemen wollen, er habe ſich den vorhin gegen ihn vnd R. genugſam verpflichtet, daß er ohne ſeine(des Fürſten) vnd R. erlaubung dieſe lehrkunſt nicht vben noch offenbaren wolle“.„Jedoch ſoll ehr nicht verbunden ſein“, ſchließt des Fürſten Obligation,„ſtettigs bei vns zu verharren, ſondern mag auch woll ſeine Lherkunſt anderer orten ſeines gefallens nach entdecken vnd forttreiben, dazu wir ihme, auff ſein anſuchen, nach gelegenheit gnedige beforderung erzeigen wollen, vnd ſonſten ſeine mühewaltung gegen ihm in gnaden zu erkennen erböttig ſeindt“.— Dieſe beiden Reverſe haben ſich nur in undatierten Concepten erhalten. Sie finden ſich abgedruckt bei Niemeyer, 1842. S. 8. f. **) S. o. I., S. 28**I. 32. 35. 42. ***) Schreiben des Fürſten Augustus an Fürſt Ludwig vom 18. April 1618. †) Fürſt Augustus an Fürſt Ludwig den 25. April 1618. ††) Schreiben an Fürſt Ludwig d. d. Heidelberg den 30. April 1618.— Vgl. Beckmann, Hiſtorie des Fürſtenthums
Anhalt⸗Zerbſt, 1710. Vol. III. 1,§. 15.


