Aufsatz 
Das Leben und die pädagogischen Bestrebungen des Wolfgang Ratichius : 1. Abteilung
Entstehung
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55 Vor dem Beginne deſſelben ſchieden der Oberlehrer Dr. Buchenau und der Elementarlehrer Weidenbuſch aus dem Lehrercollegium, jener, um an das Gymnaſium zu Marburg zurückzukehren, dieſer, um als Lehrer an das Gymnaſium nach Frankfurt überzugehen. An des letzteren Stelle wurde der Lehrer Bättenhauſen mit der Verſehung einer Elementarlehrerſtelle beauftragt; zu gleicher Zeit wurde der Schul⸗

amts⸗Candidat Schaub dem Gymnaſium als Probe⸗Candidat und wiſſenſchaftlicher Hülfslehrer zugewieſen. Heinrich Bättenhauſen, geboren zu Steina(Kr. Ziegenhain) am 28. Juni 1854, ev. Conf., erhielt ſeine Vorbildung für das Lehramt im Seminar zu Homberg, für Ertheilung des Turnunterrichtes in der Central⸗Turn⸗ anſtalt zu Berlin und war ſeit dem 1. April 1874 Lehrer in Cappel bei Marburg. Wilhelm Schaub, geboren zu Allendorf a. d. W. am 31. März 1852, ev. Conf., beſuchte das Gymnaſium zu Marburg, ſtudierte Philologie in Leipzig und Göttingen und beſtand am 14. Auguſt 1875 in Göttingen die Prüfung

pro facultate docendi. Da in Folge der vom Anfange des Semeſters an nöthig gewordenen Vertretung des Profeſſors

Schimmelpfeng die Aula als Claſſenzimmer für die combinierte Oſter⸗Ober⸗Secunda zu benutzen war, ſo mußte leider für den Winter von der Abhaltung der für die ganze Anſtalt gemeinſchaftlichen Wochenandachten Abſtand genommen werden.

Die alljährliche Abendmahlsfeier für die evangeliſchen Lehrer und Schüler des Gymnaſiums war am 7. November in der St. Martinskirche.

Der 21. November, der Geburtstag Ihrer Kaiſerlichen Hoheit der Kronprinzeſſin, wurde für die Anſtalt dadurch ein ganz beſonderer Feſttag, daß Ihre Kaiſerlichen Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzeſſin an demſelben das Gymnaſium mit Höchſt Ihrem Beſuche beehrten. Die Höchſten Herrſchaften wurden auf dem Schulhofe durch die daſelbſt aufgeſtellten Schüler der Anſtalt mit Hurrah begrüßt und geruhten dann huldreichſt, in der feſtlich geſchmückten Aula eine Begrüßung durch den Director und durch den Sängerchor des Gymnaſiums entgegenzunehmen.

Am 7. December hatte die Anſtalt den großen Schmerz, ihren älteſten, allgemein geachteten und ge⸗ liebten Lehrer, den Prorector Profeſſor Dr. Schimmelpfeng durch den Tod zu verlieren. Das Gedächtniß des edlen Mannes wurde unmittelbar vor ſeiner Beerdigung durch eine ernſte Feier in der Aula geehrt.

Im Laufe des Schuljahres ſtarben auch mehrere frühere Lehrer der Anſtalt: am 11. April der In⸗ ſpector Dr. Röth dahier, am 27. Mai der Gymnaſial⸗Director Dr. Piderit in Hanau, am 3. December der Pfarrer Jatho dahier und am 15. Januar 1876 der Reallehrer Engelhard zu Münſter im Elſaß.

Am 9. December nahm der Geheime Regierungsrath Dr. Stauder von Berlin eine Inſpection des Gymnaſiums in einzelnen Claſſen vor.

Die Chriſttagsferien dauerten vom 19. December 1875 bis zum 2. Januar 1876.

Die Abiturientenprüfung zum Oſtertermine 1876 wurde in ihrem ſchriftlichen Theile vom 15. bis zum 20. Februar und in ihrem mündlichen Theile am 17. und 18. März 1876 unter dem Vorſitze des Provinzial⸗Schulrathes Dr. Rumpel abgehalten.

Am 10. März wurde das Gedächtniß der hochſeligen Königin Luiſe durch einen einfachen Schulactus mit patriotiſchen Geſängen und einem Vortrage des Dr. Krämer gefeiert.

Der Geburtstag Sr. Majeſtät des Kaiſers und Königs wurde am 22. März in einer öffentlichen Schulfeier mit vaterländiſchen Geſängen und Deklamationen feſtlich begangen. Die Feſtrede hielt Dr. Krämer über die Königin Luiſe.

Der Bibliothek die bis zu Oſtern 1875 von Dr. Groß verwaltete Bibliothekarſtelle wurde durch Verfügung Königlichen Provinzial⸗Schulcollegiums vom 6. April 1875 dem Dr. Kius übertragen und dem naturhiſtoriſchen Lehrapparate floſſen auch im vergangenen Schuljahre manche Geſchenke zu, was mit gebührendem Danke gegen die Geber hier erwähnt wird. Beſondere Erwähnung verdienen eine Holtz'ſche Elektriſiermaſchine mit vielen dazu gehörigen Apparaten, ein Geſchenk des Primaners Prinzen Wilhelm