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II. Chronik.
Das Sommerſemeſter und mit ihm das neue Schuljahr für die Oſterklaſſen begann am 5. April 1875.
Am Schluſſe des vorhergehenden Schuljahres waren auf ihren Antrag aus dem Lehrercollegium aus⸗ geſchieden der Oberlehrer Dr. Groß, um die ihm übertragene Stelle eines Bibliothekars an der hieſigen Landesbibliothek zu übernehmen, und die Hülfslehrer Dr. Gutſche und Sander, um einer Berufung als ord. Lehrer an die Realſchule I. O. zu Barmen bezw. an das Gymnaſium zu Oldenburg zu folgen. An ihre Stelle traten mit dem Anfange des neuen Schuljahres der Oberlehrer Dr. Buchenau und die Hülfslehrer Langsdorf und Manns. Außerdem wurde der Pfarrer Fürer von der hieſigen Altſtädter Gemeinde von Oſtern an mit der Ertheilung einiger ev. Religionsſtunden am Gymnaſium beauftragt.
Ueber Dr. Georg Buchenau, welcher ſchon früher ein Jahr lang(Mai 1854 bis Mai 1855) Lehrer am hieſigen Gymnaſium war, finden ſich Perſonalnotizen im Programm von 1855, S. 55. Derſelbe war ſeit ſeinem Abgange von hier(16. Mai 1855) Lehrer, in den letzten Jahren Oberlehrer, am Gymnaſium zu Marburg.
Chriſtian Langsdorf, geboren zu Nauheim am 13. Januar 1848, ev. Conf., beſuchte das Gymnaſium zu Hanau, ſtudierte Philologie und Geſchichte in Marburg und Gießen, nahm an dem Feldzuge gegen Frankreich Theil, beſtand am 12. Juli 1872 in Marburg das Examen pro facultate docendi, wurde im November 1872 Lehrer an einem Privatgymnaſium zu Birkenruh in Livland und zu Oſtern 1874 ordentlicher Lehrer an der Realſchule zu Hanau.
Otto Manns, geboren zu Veckerhagen am 23. April 1853, ev. Conf., beſuchte das Gymnaſium zu Hersfeld, ſtudierte Philologie in Leipzig und Göttingen, beſtand am 16. Mai 1874 in Göttingen das Examen pro facultate docendi und war ſeit Herbſt 1874 Probe⸗Candidat am Gymnaſium zu Wiesbaden.
Carl Fürer, geboren zu Kirchhain am 13. Juni 1830, ev. Conf., beſuchte das Gymnaſium zu Marburg, ſtu⸗ dierte Theologie in Marburg und Tübingen, war vom Herbſte 1855 an ord. Reallehrer in Hanau, kam Oſtern 1858 in gleicher Eigenſchaft an die Realſchule I. O. zu Elberfeld, wurde im Frühjahre 1859 Pfarrer zu Kronenberg bei Elberfeld und am 10. Juni 1868 erſter Pfarrer an der Altſtädter oder Brüderkirche zu Caſſel.
Am 5. Mai wurde der Unterricht ausgeſetzt, weil eine größere Anzahl der Lehrer einer Lehrerver⸗ ſammlung in Marburg beizuwohnen wünſchte.
Am 26. Juni inſpicierte der Geheime Ober⸗Regierungsrath Dr. Wieſe das Gymnaſium und wohnte dem Unterrichte in einigen Claſſen bei.
Die Juliferien begannen am 5. Juli und dauerten vier Wochen. An der während derſelben ab⸗ gehaltenen Ferienſchule nahmen 58 Schüler Theil.
Zur Feier des Sedanfeſtes fand am 31. Auguſt eine muſikaliſch⸗deklamatoriſche Abendunterhaltung ſtatt. Vor derſelben übergab der Director in feierlicher Weiſe der Anſtalt eine von Ihrer Kaiſerlichen Hoheit der Kronprinzeſſin dem Gymnaſium, und namentlich der Klaſſe Prima, huldreichſt gewidmete ſehr ſchöne Fahne. Die Abendunterhaltung wurde am 1. September vor den Angehörigen der Schüler wiederholt. Eine bei dieſer Gelegenheit von Schülern veranſtaltete Sammlung freiwilliger Gaben zum Beſten der Kaiſer⸗Wilhelm⸗Stiftung hatte einen Ertrag von 185 Mark 10 Pfennig. Am 2. September betheiligte ſich das Gymnaſium wieder an dem von der Stadt Caſſel eingerichteten Feſtzuge nach der Carlsaue. An die Sedanfeier ſchloß ſich dann am 9. September ein Ausflug der Anſtalt per Extrazug nach Wilhelmsthal; an demſelben betheiligte ſich wiederum eine ſehr große Anzahl von Angehörigen der Schüler.
Die Abiturientenprüfung zum Herbſttermine 1875 wurde in ihrem ſchriftlichen Theile vom 3. bis zum 8. September, in ihrem mündlichen Theile am 22. September unter dem Vorſitze des Directors abgehalten.
Das Sommerhalbjahr wurde am 24. September mit öffentlicher Prüfung der Herbſtklaſſen und einer Schlußandacht beſchloſſen, nach welcher die acht Abiturienten entlaſſen wurden.
Das Winterhalbjahr und mit ihm ein neues Schuljahr für die Herbſtklaſſen(Sexta bis Ober⸗ Secunda) begann am 11. October 1875.


