einleitung. 3
angepasst, die alliteration aber ergibt sich durch den inhalt von selbst, si wird durch die hauptworte der erzülung getragen— erhielt sich also die erzülung, so erhielt sich auch im wesentlichen die form und trümmer der form, als dise selbst nicht mer lebendig war.
Die form, in der uns das Nibelungenlied ietzt vorligt, ist für die möglichkeit der erhal- tung der alliteration günstig: der längere vers one innenreim machte eine gänzliche umgestal- tung des überliferten nicht so notwendig, wie disz etwa bei den reimparen der fal gewesen wäre; die namen, welche sich unverändert erhielten, sowie alte alliterierende formeln gaben der alten form schutz und halt— disz alles erwogen können wir unsere augen nicht davor verschliszen, wenn uns unser lied, wenigstens in seinen äͤltern bestandteilen consonantische gleichklänge in menge zeigt. herrn von der Hagen, der das Nibelungenlied der neuzeit zuerst lebendig gemacht hat, ist dise erscheinung nicht entgangen— er hat in sceinen anmerkungen zum Nibelungenliede auf die häuſigen alliterationen desselben hingewisen— doch ist seitdem auf diser beobachtung nicht weiter gebaut worden, villeicht wegen der etwas sonderbaren einteilung in schwert-hand-alliterationen u. s. w., die hr. v. d. Hagen aufstellte, villeicht auch deshalb, weil er dise alliterationen für einen von der sache selbst halb unbewust mit- gebrachten schmuck hielt. disz letzte wäre auf ieden fal richtig, wenn die alliteration nie eine ausgebildete form der deutschen poesie gewesen wäre— dann wären dise alliterationen im Nibelungenliede nicht höher anzuschlagen, als etwa eine zufällige alliteration oder ein reim bei Homer, wie deren neuerlich zusammengestelt sind. da aber die alliteration sich bei me- rern deutschen stämmen als algemein angewendete form der poesie nachweisen läszt, so dür- fen wir wol nicht die alliterationen des Nibelungenliedes für bloszen zufal halten. es hört ein so durchgehender zufal auf zufal zu sein. denn dasz die alliterationen durchgehen, wird nicht geläugnet werden können: man lese nur zwanzig zeilen in der klage etwa oder in einem an- dern kunstgedicht der damaligen zeit, ob man so häufig alliterationen begegnen wird, wie im Nibelungenliede in zwanzig zeilen, welche überliferten stof enthalten, sich finden? es musz dise erscheinung um so mer berücksichtigt werden, da innerhalb des Nibelungenliedes selbst in strophen, welche ausfürungen, beschreibungen ritterlich-höfischer art, reden u. dgl. ent- halten, ofl kein wort mit dem andern gleichen anfangsbuchstaben hat. so um das erste beste beispil anzufüren str. 122, wo eine rede Gernots unmittelbar vor einer andern hergeht, one dasz eine antwort Sigfrids dazwischen läge, finden wir nicht einmal einen anklang der buch- staben, wärend in den ältesten stücken des liedes die alliterationen oft regelmäszig auf ein- ander folgen. ist doch der satz, der den grundton unseres gegenwärtigen Nibelungenliedes bildet:
wie liebe mit Ieide ze jungest Iönen kan ein regelmäsziges alliterierendes gesetz.(es ist leicht einzusehn, dasz demnach die betrachtung der alliteration im Nibelungenlied mit Lachmanns ansichten über echtheit und unechtheit der


