Aufsatz 
Isaak Casaubonus : aus den Bekenntnissen dieses protestantischen Gelehrten des XVI. und XVII. Jahrhunderts / von Alexander Vial
Entstehung
Einzelbild herunterladen

38

die erfreuliche Wirkung gehabt, dass der gefeierte Cardinal alsbald besondere Anmer- kungen herausgegeben hatte, in denen die gerügten Irrtümer verbessert worden waren. ¹) Mit um so grösserer Freude machte sich unser Gelehrter nun in London daran das von ihm erwartete Werk zu liefern. Noch während er daran arbeitete, machte er die Bekanntschaft des einige Tage in London verweilenden Hugo Grotius, mit dem er vorher schon einige Briefe gewechselt hatte und mit dem er fortan in Freundschaft stand. ²2) Dieser hatte ihm noch besonders Mut zu der Arbeit gemacht. Casaubonus beabsichtigte nun zu jedem Band Annalen einen Band Berichtigungen erscheinen zu lassen. Doch leider war es ihm nur beschieden den ersten Band zu vollenden, welcher Exercitationes de rebus sacris et ecclesiasticis contra Baronium betitelt eben nur über die Prolegomena der Annalen bis zum Jahr 34 hinausgeht. Die englischen Bi- schöffe hätten gewünscht, dass Casaubonus seinen Widerlegungen mehr Galle beige-

1) Epist. 882.

²) Der Biograph des Grotius, de Burigny, sagt von dieser Begegnung beider Männer:»Das grösste Vergnägen, welches Grotius auf seiner Reise nach England begegnete, war die Vollziehung der genausten Freundschaft mit dem berühmten Casaubonus. Sie kannten sich schon aus dem öffent- lichen Ruhm und hielten sehr viel von einander. Sie waren dazu geschaffen recht vertraute Freunde zu sein; sie vereinigten beide die gründlichste Gelehrsamkeit mit der vollkommensten Aufrichtigkeit. Sie hatten noch eine andere Sympathie, welche dazu beitrug, diese grosse Ver- einigung noch fester zu knüpfen: sie verlangten beide mit dem grössten Eifer die Christen durch Einen Glauben zu vereinigen, und sie verlangten nichts mehr als an diesem grossen Werke zu arbeiten. Die Freude, welche Casaubonus über die Bekanntschaft mit Grotius empfand, drückt sich recht in den Briefen aus, die er damals an D. Heinsius(Epist. 881) und de Thou(Epist. 883) schrieb. Er ist voll Bewunderung für die Gelebrsamkeit und Frömmigkeit des Grotius, na- mentlich aber weil derselbeschr gelehrt denke über die Fragen, welche der Gegenstand der wirklichen Streitigkeiten über die Religion seien, und im Betreff des Ansehens für das Altertum stimmten dessen Ansichten mit denen überein, die am besten davon dächten. Was aber Casau- bonus auf Grotius für einen Eindruck gemacht habe, das erzählt dieser selbst in einem Briefe an Gronov(Epistolae IHI. Groti. Amst. 1687 N. 1168.):Was mich hbetrifft, so zähle ich unter die grössten Glückseligkeiten meines Lebens, dass mich ein Mann geliebt hat, den seine Gottes- furcht, Aufrichtigkeit und Treue ebenso berühmt machen als seine Gelehrsamkeit. Ich bin ent- weder seinen eignen Ratschlägen oder den Erinnerungen solcher Leute, die er billigte, in den allerverdriesslichsten Stunden gefolgt. De Burigny behauptet geradczu, Grotius sei erst durch Casaubonus überzeugt worden, wie Unrecht man gethan habe, indem man sich von der Kirchen- zucht und Form der alten Kirche entfernt habe. Ausser Zweifel steht, dass jener sich auf diesen gern berief.(Epist. Grotii. N. 610. 613.)