Aufsatz 
Isaak Casaubonus : aus den Bekenntnissen dieses protestantischen Gelehrten des XVI. und XVII. Jahrhunderts / von Alexander Vial
Entstehung
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mischt hätte, allein seine vorsichtige Objectivität hat gerade bei den hervorragendsten Beurteilern, bei einem Salmasius und Calixt wie bei dem Franziscaner Pagi, dem be- deutendsten späteren Gegner des Baronius aus dem katholischen Lager, nächst der Begründung seiner Einwürfe den besten Eindruck gemacht.

Das Erscheinen der Schmähschriften, welche dieser Band unter den Gegnern wiederum hervorrief, und die nachher sein Sohn Meric in seinerPietas Casauboni widerlegte, hat er nicht mehr erlebt. Denn kurz nachher ist er den 1. Juli 1614, 55 Jahr alt, an einer schmerzhaften Krankheit der Harnblase, die man bei der Oeffnung nach seinem Tode gedoppelt fand, gestorben und im Westmünster beigesetzt worden. Die vielen Nachtarbeiten hatten seinen zarten, schmächtigen Körper vor der Zeit aufgerieben.

Hlat nun zwar auch Casaubonus für den Gedanken einer Einigung der verschie- denen Confessionen die grössten Geister seiner Zeit zu interessieren gewusst, so hat er hierin mit all seinen Kämpfen und Arbeiten einen unmittelbaren praktischen Erfolg doch nicht erzielt, so wenig als es damit denen gelingen wird, welche denselben Ge- danken in neuster Zeit unter der Führung Puseys in England wieder mit besonde- rem Eifer verfolgen. Eine derartige wirkliche Versöhnung, dieEinigkeit im Geiste, kann sich überhaupt nur vollziehen zwischen Parteien, die nicht blos Sinn für das ihnen Gemeinsame, sondern auch Achtung für ihre Besonderseiten haben. Diese letz- tere ist aber erst eine Errungenschaft der Reformation, deren Lehre von dem Recht des eignen, wenn auch ungleichen Schöpfens aus der gleichen Quelle der heiligen Schrift auf Grund des der Individualität durch das Evangelium verliehenen Wertes daher wie von allenSynkretisten, so auch von Casaubonus, der in dem Bestreben der Reformatoren oft gar müssige Neuerungssucht fand und sie daher wol auch zu Zeitennostri cathari nannte, grössere Beachtung hätte finden müssen).

Dies hindert aber nicht, dass wir noch jetzt auf die weithin leuchtende Erschei- nung dieses Mannes, der, abgesehen von seinen grossen wissenschaftlichen Verdiensten-

1) Eph. II. 731. Vergl. die Vorredoe zu don Exercit. contr. Baronium. Gegen manche theolo- gische Richtung unter den Protestanten konnte der sonst so tolerante Mann wahrhalt intolerant sein. So nicht blos gegen die Antitrinitarier(Eph. II 963), sondern auch gegen die Lehre C. Vorsts. Dieser Widerwille gegen protestantische Neuerungen war fast stärker bei ihm als seine Ab- neigung gegen das Treiben der Jesuiten in Paris und Frankreich.