dreas Eudämon aus Creta in einer Schmähschrift ausgesprochen hatte, dass Casaubo- nus ein Stümper im Griechischen sei, bemerkte dieser in Briefen an Freunde ganz gelassen, er wisse freilich nicht viel, aber dennoch verdanke die griechische Literatur in seinem Zeitalter Niemanden mehr als ihm. ¹) Bis zu seinem Tod, ja über denselben hinaus wurden nun die abgeschmacktesten Mährchen über ihn verbreitet und geglaubt.
holen. Da trauert er nur darüber, dass er diesen Tag ohne Gemeinschaft der Feier verbringen muss, und bittet, wie schon so oft, Gott wieder, dass er ihm aus der Anſechtung verhelfe(II, 744). Alsbald nach der Rückkehr in die Stadt, den 6. Jauli, hatte er aber wieder eine Unterre- dung mit du Perron, dem er das fragliche Versprechen gegeben haben sollte. Wenn irgendwo, so hätte der sonst seine Sünden so rückhaltslos bekennende Mann doch bei dieser Gelegenheit auf das angeblich gebrochene Versprechen zurückkommen und verzeichnen müssen, wie er von du Perron daran erinnert und gefasst worden sei. Statt dessen lesen wir über diese Unterredung: „sie lief gut ab, obgleich ich ungern hinging“(II. 750). Wollte man jedoch diese Ungeneigt- heit zu dem Cardinal zu gehen auf sein etwaiges böses Bewusstsein zurückführen, so zeugte dies nur von grosser Unkenniniss der stets abgeneigten Stimmung, mit der Casaubonus sich zu allen ihm vom Cardinal aufgedrungenen Unterredungen üher die Religionsangelegenheiten herbeiliess. Wir haben aber auch noch positive Gründe jene Insinuation für eine Lüge zu erklären. Es wa- ren schon öfters von den Katholiken Gerüchte geflissentlich ausgesprengt worden, dass Casaubo- nus katholisch werden wolle, ohne dass sie Grund gehabt bätten. Hie Aussprengung derartiger Gerüchte über Personen, die man gern übertreten gesehen hätte, gehöcten überhaupt zur dama- ligen Taktik der katholischen Propaganda. Dies schwächt auch die Glaubwürdigkeit der vorlie- genden Beschuldigung ab. Sodann ist es durchaus unwahrscheinlich, dass Casaubonus erst nach dem Tode seines geliebten Mäcens Heinrich IV. sich zu einem Schritte entschlossen haben sollte, mit welchem er dem noch lebenden König die grösste Freude bereitet haben würde. Als Ilaupt- grund gegen die Verleumdung führen wir aber endlich die Worte an, welche der Verleumdete bei der Nachricht von dem Uebertritt seines ältesten vorher väterlich von ihm gewarnten Sohnes Johannes zur katholischen Kirche den 14. August, also sechs Wochen nach jenen Pfingsten, ins Tagebuch schrieb:„ O Leben voller Mähseligkeiten! O Satans List! Die mich nicht dahin bringen konnten die Bilder anzubeten und die teuflische Lehre anzunehmen, die haben mir den ältesten Sohn ergriffen und ihn verführt. Otterngezüchte, was bewegt euch diesen Betrug gegen mich auszusinnen? Den unerfahrenen Jungen, der die Sachen nicht kennt, und bei theologischen Disputationen sich nicht zu helfen weiss, den habt ihr in euere Netze getrieben, ohne dass ich es wusste und wollte. Der Uerr Jesus möge sich seiner und meiner erbarmen nach seiner un- endlichen Barmherzigkeit(Eph. II. 756).“ Wir können uns nicht überzeugen, dass dies die Sprache eines sein sollte, der noch ein paar Wochen vorher selbst das Wort darauf gegeben habe überzutreten, wenn auch Casaubonus Calvinist im strengsten Sinne des Worts längst nicht mehr war. ¹) Vergl. den Brief ad Lingelshemium, der auch 1612 veröffentlicht wurde, Epist, 828.


