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Mannes von vorzüglichster Frömmigkeit und Weisheit, von dessen hoher Bildung ich jetzt schweigen will. Dieser hatte Dich noch sehr jung geheiratet, Dich in allen Sit- ten gebildet, und Dich, soweit es das Geschlecht ertrug, sich ähnlich gemacht. Nie- mals wurde ein Weib geboren, in welchem die mütterliche Liebe je so warm gewaltet hätte. Fast dreissig Jahre hat sie mit meinem weisen Vater so gelebt, dass Niemand sagen kann, ob sie ihn mehr verehrt oder geliebt hat. Sie gebar ihm neun Kinder, von denen sie vier in ein höheres Alter vorrücken sah. Du gütiger Gott, mit welcher Leidenschaft, mit welcher Liebe, welcher Sorgfalt und mit welcher Anstrengung hat sie uns gepflegt, ernährt und erzogen! Mich wenigstens hat die gute Mutter, als ich in zarter Kindheit einige Jahre hindurch kränkelte, mit so schweren Sorgen gepflegt, dass ich ihr nächst Gott mehr als den Aerzten das Leben verdanke, wie ich meinen Vater oft erzählen hörte. Was soll ich sagen, von der Beharrlichkeit und Unverdros- senheit, von der Treue, womit sie mir in der Jugend Eifer für den Glauben und die Tugend beizubringen suchte, namentlich als mein Vater auf jener langen Reise und zwei ganze Jahre und einige Monate abwesend war, indem er an jener verhängnis- vollen Unternehmung theilnahm, welche von den reformierten Gemeinden des Dau- phiné und der Provence auf das Geheiss des Prinzen Condé unternommen worden war? Du unsterblicher Gott, was hatte die beste aller Frauen da zu sorgen und zu eifern, damit ich, der ich in der Schule des Vaters die Anfangsgründe eben glücklich gelegt hatte, nicht wieder Alles vergass! Ich kann dieser Zeiten nicht ohne Seufzen und Thränen gedenken. Endlich kehrte der Vater zurück; aber nach einigen Jahren wurde er uns leider ganz entrissen. Zweiundzwanzig Jahre hat die Mutter darauf als eine sehr keusche, vorsichtige und weise Wittwe bis an ihr Ende gelebt. Ich wünschte immer mit ihr zusammen zu sein; aber ich war nicht so glücklich; meine Lebensumstände gestatteten es nicht. Zu Genf und Montpellier habe ich sie oft bei mir gehabt. Doch habe ich sie, während wir getrennt lebten, so oft ich konnte, be- sucht, bald mit meiner Frau, bald mit meinen Kindern, bisweilen auch allein. Wer von uns beiden von diesen Besuchen den meisten Genuss hatte, sie oder ich, lässt sich nicht sagen. Heute wenigstens habe ich keinen andern Trost für meinen Schmerz, als die Erinnerung an meine letzte Reise zu ihr. Da sah ich Dich, teuerste Mutter, nicht so lange ich wollte, sondern als es meine dringenden Arbeiten gestatteten; und auch Du hast mich ungern entlassen, weinend den Weinenden, traurig den Traurigen. Stets werde ich mich unserer letzten Gespräche erinnern, da ich Dich mit Thränen


