Aufsatz 
Isaak Casaubonus : aus den Bekenntnissen dieses protestantischen Gelehrten des XVI. und XVII. Jahrhunderts / von Alexander Vial
Entstehung
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dem allmächtigen Gott empfahl, Dir eine gute Gesundheit und langes Leben wünschte. Du dagegen wünschtest mir und den Meinigen alles Wolergehn und batst den Herrn Christum für unser aller Heil. ¹)

Von seinen vielen Kindern starben mehrere in ihrer Kindheit, seine älteste Toch- ter Johanna, ein schönes, tugendsames Mädchen, das im Hause des Englischen Gesandten zu Paris gebildet wurde, jedoch in ihrem achtzehnten Lebensjahre. Die Ueberlebenden erzog er mit väterlicher Weisheit in aller Zucht. ²) Er trug sie alle auf seinem Herzen und schloss sie in sein tägliches Gebet ein. Dennoch scheint dies an seinem ältesten Sohne Johannes, der sich durch Versprechung eines jährlichen Stipeudiums von zweihundert Goldstücken zum Uebertritt in die katholische Kirche verlocken liess ³), nicht sonderlich gefruchtet zu haben. Destomehr aber an dem jüngeren Sohne Meric, der später die gute Erziehung des Vaters durch seine wis- senschaftlichen Erfolge wie namentlich durch die Rechtfertigung seines Vaters, die er unter dem Titel Pietas Casauboni herausgab, glänzend rechtfertigte.

Und dieses an Liebe zu den Seinen so reiche Herz hatte auch noch Raum für Freundschaft. Wen es einmal mit derselben umfasst hatte, den liess es so leicht nicht wieder los. Beweis hiervon ist der reiche Briefwechsel, den Casaubonus pflog. Wie einen Abglanz grösserer Tage verehrte er den hinwelkenden Theodor Beza in Genf. Mit seinem zum Katholicismus übergetretenen Jugendfreunde Canaye du Fresnes wollte er die Freundschaft brechen, aber er konnte es doch nicht. An dem Parlaments-Präsidenten und berühmten Historiographen de Thou ehrte und liebte er die grosse Gerechtigkeitsliebe und Unparteilichkeit trotz der confessionellen Verschiedenheit. In Daniel Heinsius und dem Augsburger Höschel respectierte er die Gelehrten. Am innigsten aber liebte und verehrte er J. J. Scaliger; dieser war ihm Lehrer und Freund; ihm theilte er nicht blos seltene Handschriften, wie z. B. denSyncellus oder denJulius Africanus, sondern auch Alles, was ihn freudig oder schmerzlich bewegte, sein ganzes Leben mit. Beim Tode dieses Gelehrten, der allein vor ihm Achtung gehabt zu haben scheint, der ihm in seinem Testamente seine Pretiosen vermachte und die Herausgabe eines unvollendeten Werkes auftrug, brach

) Eph. I. 556 559. ²) Epist. 324. ²) Pietas Casauboni in den Epistt, ed, ab Almeloveen 1709. II, p. 87.